Die kurze Antwort: Teilt Ihr privat Urlaubskosten, schreibt Euch kein Gesetz einen bestimmten Wechselkurs vor. Ihr müsst Euch also selbst auf einen einigen. Am fairsten ist in der Regel der Euro-Betrag, den die Bank der zahlenden Person tatsächlich abgebucht hat. In ihm stecken der echte Kurs und eventuelle Auslandsgebühren. Splitting-Apps rechnen dagegen mit einem Marktkurs, der vom Abbuchungsbetrag abweichen kann. Je nach App kommt dieser Kurs vom Tag der Ausgabe oder vom Tag der Umrechnung. Bei kleinen Beträgen macht das kaum etwas aus. Bei Hotel oder Mietwagen kann es um zweistellige Euro-Beträge gehen.

Was beim Splitting in Fremdwährung eigentlich passiert

Beim Reisekosten-Splitting in Fremdwährung trägst Du eine Ausgabe in der Landeswährung ein, zum Beispiel 120 USD fürs Abendessen. Die App rechnet sie dann in eine gemeinsame Abrechnungswährung um, meist Euro. Erst danach kann sie berechnen, wer wem wie viel schuldet.

Damit gibt es drei verschiedene „Kurse“, die selten genau gleich sind:

  • Der Referenzkurs der EZB: Die Europäische Zentralbank veröffentlicht ihn an Arbeitstagen gegen 16:00 Uhr MEZ. Laut EZB dient er ausdrücklich nur der Information und soll nicht für Transaktionen genutzt werden (EZB). Am 16. Oktober 2026 lag er bei 1 € = 1,1253 USD.
  • Der Kurs Deiner Bank oder Karte: Mit ihm wird Deine Zahlung tatsächlich abgerechnet, oft samt Aufschlag oder Auslandseinsatzentgelt.
  • Der Kurs der App: Das ist ein automatisch geladener Marktkurs. Er ist bequem, bildet aber Deine echten Kosten nur ungefähr ab.

Wer wann zu welchem Kurs abrechnet, legt Ihr am besten vor der Reise fest. Allgemeine Tipps zum fairen Aufteilen findest Du in unserem Beitrag Reisekosten fair teilen: 5 Apps im Vergleich.

Welcher Kurs ist am fairsten?

Meine Einschätzung (keine gesetzliche Vorgabe):

  1. Kartenzahlungen: Nimm den Euro-Betrag vom Kontoauszug oder aus der Banking-App. Den hat die zahlende Person wirklich bezahlt.
  2. Bargeld: Teile den abgebuchten Euro-Betrag durch die Summe, die Du am Automaten in Fremdwährung bekommen hast. Das ergibt Deinen persönlichen Kurs für dieses Bargeld.
  3. Kleinkram ohne Beleg: Hier reicht der App-Kurs. Die Abweichung macht meist nur Cent-Beträge aus.

Wichtig: Kurs und Gebühren sind zwei verschiedene Dinge

Ein Sonderfall verzerrt die Abrechnung besonders stark: die Dynamic Currency Conversion (DCC). Das Kartenterminal oder der Automat fragt Dich dabei, ob Du in Euro statt in Landeswährung zahlen willst. Wählst Du Euro, rechnet nicht Deine Bank um, sondern der Händler oder Terminalbetreiber, und zwar oft zu einem schlechteren Kurs. Nach Angaben des europäischen Verbraucherverbands BEUC, die Finanztip zitiert, kann das bis zu 10 % mehr kosten. Finanztip rät deshalb, im Ausland immer in Landeswährung zu zahlen.

Für Eure Gruppe heißt das: Ihr solltet vorher klären, ob vermeidbare Mehrkosten wie DCC von allen getragen werden oder nur von der Person, die „Euro“ gewählt hat.

Was das EU-Recht regelt (und was nicht)

Für Deine private Gruppenabrechnung gibt es keine Kursvorschrift. Das EU-Recht sorgt aber dafür, dass Du die Kosten Deiner Kartenzahlungen besser durchschaust. Grundlage ist Artikel 4 der Verordnung (EU) 2021/1230, die laut EUR-Lex in Kraft ist und zuletzt am 8. April 2024 konsolidiert wurde:

  • Banken und Anbieter von Umrechnungen an Automaten oder Kassen müssen die gesamten Umrechnungsentgelte als prozentualen Aufschlag auf den letzten verfügbaren EZB-Referenzkurs angeben, und zwar vor der Zahlung.
  • Zahlst Du per Karte in einer anderen EU-Währung als Deiner Kontowährung, etwa in polnischen Złoty oder schwedischen Kronen, schickt Dir Deine Bank eine elektronische Mitteilung mit diesem Aufschlag. Für jede Währung kommt sie einmal pro Monat, in dem Du in ihr zahlst. Du kannst die Mitteilung abbestellen.
  • Diese Regeln stammen ursprünglich aus der Verordnung (EU) 2019/518 und gelten seit dem 19. April 2020 bzw. dem 19. April 2021 (EUR-Lex, VO 2019/518). 2021 wurden sie in die neue Verordnung übernommen.

Für Deine Entscheidung heißt das: In Polen, Tschechien oder Schweden siehst Du anhand der Mitteilung, wie stark Dein Kurs vom EZB-Kurs abweicht. Für Zahlungen in Währungen außerhalb der EU, etwa US-Dollar, gilt die Mitteilungspflicht aus Absatz 5 nicht, weil sie nur für Unionswährungen gilt. Dort hilft nur der Blick auf den Kontoauszug.

So rechnen die Apps um: dokumentierte Funktionen

Hier steht, was die Anbieter selbst in Hilfeseiten, AGB oder App-Store-Einträgen (Deutschland) angeben. Meine Bewertung folgt im nächsten Abschnitt.

Tricount

  • Jeder Tricount hat eine Hauptwährung. Einzelne Ausgaben kannst Du in anderen Währungen eintragen, und die Ausgleichsvorschläge erscheinen immer in der Hauptwährung (Tricount Hilfe).
  • Laut AGB (Abschnitt 17) wird ein „Markt“-Kurs täglich in der App aktualisiert. Er dient nur der Information, und Du darfst ihn selbst ändern. bunq haftet nicht für falsche Kurse (Tricount AGB).
  • Im deutschen App Store ist die App kostenlos und wirbt mit „Kein Abo, keine versteckten Gebühren“. In-App-Käufe sind dort nicht aufgeführt. Laut Datenschutzangaben werden Kennungen zum Tracking genutzt (App Store DE).

Vorteile: kostenlos, ein gemeinsamer Saldo in Euro, Kurs pro Ausgabe änderbar. Nachteile: Woher die Kurse stammen, ist nicht öffentlich dokumentiert. Laut App-Store-Angaben werden Daten fürs Tracking genutzt.

Splitwise

  • In der kostenlosen Version bleiben Salden in verschiedenen Währungen getrennt. Änderst Du die Währung einer Ausgabe, ändert sich nur das Währungszeichen, nicht der Betrag (Splitwise Hilfe).
  • Mit Splitwise Pro rechnest Du eine ganze Gruppe zum aktuellen Marktkurs in Deine Standardwährung um. Es gilt also der Kurs am Tag des Klicks, nicht der Kurs am Tag der Ausgabe. Die Umrechnung betrifft alle Ausgaben, auch bereits beglichene. Neue Fremdwährungsausgaben musst Du danach erneut umrechnen. Splitwise empfiehlt, erst kurz vor dem Ausgleich umzurechnen (gleiche Quelle).
  • Die Kurse kommen über eine Anbindung an Open Exchange Rates. Im deutschen App Store kosten die In-App-Käufe zwischen 2,99 € und 47,99 €. Welcher Preis zu welcher Laufzeit gehört, steht dort nicht (App Store DE).
  • Einen eigenen Kurs kannst Du nicht eingeben. Splitwise schreibt im Feedback-Forum, man halte Währungen bis zu einer besseren Lösung „meist getrennt“ (Splitwise Feedback).

Vorteile: auf allen Plattformen verfügbar, auch im Browser. Ohne Pro kannst Du ehrlich getrennt nach Währungen abrechnen. Nachteile: Die Umrechnung kostet Geld, wendet einen einzigen Tageskurs auf alle Ausgaben an und lässt sich laut Hilfe nicht immer rückgängig machen.

Splid

  • Laut deutschem App Store unterstützt Splid über 150 Währungen und rechnet automatisch um. Du kannst zum Beispiel in Dollar erfassen und in Euro ausgleichen. Die App funktioniert ohne Anmeldung und offline (App Store DE).
  • Kostenlos nutzbar. Als In-App-Käufe gibt es „Splid Plus“ für 3,99 € und „2 Gruppen“ für 2,99 €. Ob es sich um Einmalkäufe handelt, steht dort nicht.
  • Kursquelle, Kurszeitpunkt und ob Du einen eigenen Kurs eingeben kannst: nicht öffentlich dokumentiert.

Vorteile: ohne Konto nutzbar, günstige Zusatzkäufe. Nachteile: Wie umgerechnet wird, ist kaum nachvollziehbar dokumentiert.

Settle Up

  • Laut deutschem App Store unterstützt Settle Up alle Währungen mit „Echtzeit-Wechselkursen“. Die App ist kostenlos und enthält Werbung (App Store DE).
  • Premium kostet 3,99 € pro Monat oder 21,99 € pro Jahr. „Group Premium“ gibt es zum Beispiel für 5,99 € (1 Woche) oder 9,99 € (2 Wochen). Premium bringt unter anderem werbefreie Nutzung, Belegfotos und Excel-Export. Die Währungsfunktion zählt laut Eintrag nicht zu den Premium-Funktionen.
  • Ob Du einen eigenen Kurs eingeben kannst und zu welchem Zeitpunkt der Kurs festgelegt wird: nicht öffentlich dokumentiert.

Vorteile: Mehrere Währungen gibt es ohne Abo, viele Preisstufen für Gruppen. Nachteile: Werbung in der Gratisversion, wenig Dokumentation zur Kurslogik.

Preis-/Funktionsmatrix (Stand: 2026-10-18, App Store Deutschland)

App Fremdwährung umrechnen Kurs laut Anbieter Eigener Kurs Zusatzkosten für Umrechnung (14-Tage-Reise)
Tricount ja, gratis Marktkurs, täglich aktualisiert ja (laut AGB) 0 €
Splitwise nur mit Pro aktueller Marktkurs zum Zeitpunkt der Umrechnung (Open Exchange Rates) nein Pro: 2,99–47,99 €, Zuordnung nicht ausgewiesen
Splid ja nicht öffentlich dokumentiert nicht öffentlich dokumentiert 0 € (Basis), Extras 2,99–3,99 €
Settle Up ja „Echtzeit-Wechselkurse“ nicht öffentlich dokumentiert 0 € (mit Werbung), Group Premium 2 Wochen: 9,99 €

Weitere Apps, mit denen Du Dein Urlaubsbudget im Blick behältst, findest Du in 5 Reisebudget-Apps gegen Urlaubs-Mehrkosten.

Rechenbeispiel: So viel kann der Kurs ausmachen

Hypothetisches Szenario zur Veranschaulichung, kein beobachtetes Ergebnis.

Annahmen:

  • 4 Personen, USA-Reise, Anna zahlt das Hotel: 1.200 USD per Kreditkarte.
  • App-Kurs = EZB-Referenzkurs vom 16.10.2026: 1 € = 1,1253 USD (EZB).
  • Annas effektiver Kartenkurs inklusive Auslandsgebühr (angenommen): 1 € = 1,10 USD.

Rechnung:

  • Laut App: 1.200 ÷ 1,1253 = 1.066,38 €
  • Tatsächlich abgebucht: 1.200 ÷ 1,10 = 1.090,91 €
  • Differenz: 24,53 €

Rechnet Ihr mit dem App-Kurs, bleibt Anna allein auf den 24,53 € sitzen. Fair wäre ein Viertel davon, also 6,13 €. Sie zahlt damit 18,40 € zu viel. Trägst Du stattdessen den Euro-Betrag vom Kontoauszug ein (oder passt in Tricount den Kurs an), teilt sich die Gruppe die Mehrkosten gleichmäßig.

Kosten-Nutzen-Vergleich für diese 14-Tage-Reise:

  • Tricount (Kurs selbst eintragen) oder Euro-Betrag manuell erfassen: 0 € App-Kosten, Ersparnis für Anna also bis zu 18,40 €.
  • Settle Up Group Premium für 2 Wochen (9,99 €) bringt laut Store-Eintrag keine zusätzliche Kursfunktion. Für dieses Problem lohnt es sich also nicht.
  • Splitwise Pro rechnet ebenfalls zum Marktkurs um und löst das Problem damit nicht. Kostenlos geht es so: Du erfasst die Ausgabe direkt in Euro mit dem abgebuchten Betrag.

Die Ersparnis hängt von Euren echten Kursen und Gebühren ab und ist nicht garantiert.

Für wen eignet sich welche App?

Meine Empfehlungen auf Basis der dokumentierten Funktionen:

  • Tricount passt, wenn Ihr in einer Währung abrechnen und einzelne Kurse an den Kontoauszug anpassen wollt. Weniger geeignet ist es für Dich, wenn Dir die Tracking-Angaben im App Store zu weit gehen.
  • Splitwise passt, wenn Ihr ohnehin getrennt nach Währungen abrechnet oder alles mit einem Stichtagskurs umrechnen wollt. Ungeeignet ist es, wenn jede Ausgabe mit ihrem eigenen Kurs zählen soll.
  • Splid passt für kleine Gruppen, die ohne Konto und offline arbeiten wollen. Ungeeignet ist es, wenn Du genau nachvollziehen willst, wie umgerechnet wird.
  • Settle Up passt, wenn Du die Gratisversion mit Werbung in Kauf nimmst. Ungeeignet ist es, wenn Du einen eigenen Kurs sicher brauchst, denn das ist nicht dokumentiert.

Tipp für alle Apps: Für Ausgaben ohne Netz trägst Du den Betrag später in Euro nach, wenn die Abbuchung da ist. Wie Du unterwegs mobile Daten sparst, liest Du in Mit WLAN-Finder-Apps mobile Daten sparen.

So bin ich vorgegangen

  • Recherchedatum: 18.10.2026
  • Markt: Deutschland (App Store DE, EU-Recht)
  • Kriterien: Umrechnung in eine Abrechnungswährung, Kursquelle und Kurszeitpunkt, eigener Kurs, Kosten, Werbung und Datenschutzangaben
  • Quellen: Hilfeseiten und AGB der Anbieter, App-Store-Einträge in Deutschland, EUR-Lex, EZB, Finanztip
  • Kein Praxistest: Alle Angaben stammen aus Recherche. Android- und Web-Versionen habe ich nicht gesondert geprüft. Apps ohne deutschsprachigen Store-Eintrag oder ohne dokumentierte Währungsfunktion habe ich nicht aufgenommen.

Fazit

Welcher Kurs beim Reisekosten-Splitting in Fremdwährung gilt, legt Ihr selbst fest. Am fairsten ist der tatsächlich abgebuchte Euro-Betrag, vor allem bei großen Posten. App-Kurse sind eine bequeme Näherung, aber kein Abbild Eurer echten Kosten. Tricount erlaubt laut AGB eigene Kurse. Splitwise rechnet nur mit Pro und dann zu einem einzigen aktuellen Kurs um. Bei Splid und Settle Up ist die Kurslogik kaum dokumentiert. Wenn Ihr außerdem konsequent in Landeswährung zahlt, vermeidet Ihr DCC-Aufschläge, die die Abrechnung unnötig verzerren.

Quellen