„Die Konsumausgaben privater Haushalte lagen 2022 bei durchschnittlich 2.846 Euro im Monat.“^1 Und ausgerechnet beim Thema Einkaufen kippt „machen wir später“ oft in Stress: Einer zahlt, alle essen mit – aber am Ende stimmt das Gefühl von Fairness nicht mehr.
Die gute Nachricht: Mit Shared-Cart-Apps (praktisch: gemeinsame Ausgaben-Apps fürs Einkaufen) bekommst du das so organisiert, dass es für dich nachvollziehbar bleibt – egal ob du in einer Familie lebst, als Paar einkaufst oder in einer WG.
Was „fair teilen“ beim Einkauf wirklich heißt (und warum 50/50 oft unfair ist)
„Fair“ ist nicht automatisch „gleich“. Beim Wocheneinkauf entstehen typische Schieflagen:
- Eine Person kauft öfter spontan ein (und zahlt häufiger).
- Bestimmte Produkte sind „für alle“ (Öl, Gewürze), andere sehr persönlich (Haferdrink, Proteinriegel).
- Manche essen mehr mit (Kinder, Homeoffice, Gäste).
Ein hilfreicher Realitätscheck: Im Schnitt entfallen rund 15 % der Konsumausgaben auf „Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches“.^1 In Haushalten mit Kind(ern) liegt der Anteil sogar höher (z. B. 16 % bei Paaren mit Kind(ern)).^1 Heißt: Es geht nicht um Kleinkram – das ist ein Budgetblock.
Das praktische Prinzip: So rechnest du Lebensmittelkosten fair ab
So hat es sich bei mir (und in vielen Haushalten) als am wenigsten nervig erwiesen:
- Eine Regel festlegen, bevor du die erste Quittung einträgst
- „Alles gemeinsam“ (gleich aufteilen) – gut für Öl, Nudeln, Putzmittel
- „Personenbezogen“ (wer’s konsumiert, zahlt’s) – gut für Spezialprodukte
- Einkauf direkt eintragen (am besten sofort nach dem Bezahlen)
- Ausgleichen lassen: Die App rechnet, wer wem wie viel schuldet.
Mini-Beispiel (typisch Familie/WG):
- Gesamt: 68,40 €
- Davon „für alle“: 48,00 € → bei 3 Personen = 16,00 € pro Person
- Person A extra: 7,40 € (z. B. Kaffee)
- Person B extra: 13,00 € (z. B. Babyartikel)
Ergebnis: Nicht 22,80 € pro Person, sondern individuell – und genau das fühlt sich fair an.
5 praktische App-Picks (wie ich sie fürs Einkaufen nutzen würde)
1) Splitwise – am besten, wenn ihr viele kleine Einkäufe habt
Splitwise ist mein Favorit, wenn ständig irgendwer „noch schnell was mitnimmt“. Du legst eine Gruppe an (z. B. „Familie“ oder „WG Einkauf“) und trägst jeden Supermarkt-Run ein.
So nutze ich’s im Alltag:
- Ein Einkauf = ein Eintrag („REWE 42,10 €“)
- Standardmäßig teile ich gleich
- Extras (z. B. spezielle Snacks) trage ich als separate Position oder separaten Eintrag ein
Pros
- Sehr schnell für viele, kleine Beträge
- Rechnet automatisch, wer wem was schuldet
- Gut für wechselnde Zahler*innen
Cons
- Für „Quittung in Positionen“ brauchst du Disziplin (oder eine klare Regel: gemeinsam = gemeinsam)
- Je nach Nutzung können Features hinter einem Abo liegen
Quelle: Splitwise (Produkt/Grundfunktion).^2
2) tricount – perfekt für klare, transparente Haushaltskassen
tricount fühlt sich an wie „gemeinsame Kasse, aber digital“. Gerade wenn ihr größere Wocheneinkäufe macht oder öfter zusammen kocht, ist die Übersicht extrem angenehm.
So nutze ich’s:
- Ein tricount pro Haushalt (z. B. „Einkauf Januar“)
- Jede Zahlung rein, auf Personen aufteilen
- Am Monatsende: einmal ausgleichen, fertig
Pros
- Sehr übersichtlich für Gruppen
- Einfacher „Monatsabschluss“ möglich
- Gut, wenn ihr eher gesammelt als täglich abrechnet
Cons
- Weniger „spontan/leichtgewichtig“ als manche Alternativen (Geschmackssache)
- Für sehr viele Mini-Posten kann’s sich „buchhalterisch“ anfühlen
Quelle: tricount (Produkt/Grundfunktion).^3
3) Flatastic – super, wenn du in einer WG lebst (inkl. WG-Kasse)
Flatastic ist in Deutschland besonders beliebt in WGs, weil es das typische WG-Problem „Wer hat was gekauft?“ ziemlich direkt adressiert – oft inklusive gemeinsamer Kasse/Abrechnung.
So nutze ich’s:
- WG-Kasse für gemeinsame Basics (Toilettenpapier, Öl, Spüli)
- Einzelkäufe direkt eintragen
- Bei Bedarf: Regel „Gemeinsam vs. persönlich“ klar benennen
Pros
- WG-Fokus: passt zum Alltag, nicht zur Theorie
- Gemeinsame Kasse/Abrechnen im WG-Stil
Cons
- Für Familien/Pärchen nicht immer „passender“ als reine Split-Apps
- Je nach Setup können Diskussionen eher über Regeln als über Technik entstehen
Quelle: Flatastic (Produkt/Grundfunktion).^4
4) Splid – angenehm minimalistisch, wenn du einfach nur fair teilen willst
Splid ist die App, die ich nehmen würde, wenn du „ohne Schnickschnack“ teilen willst: Eintragen, aufteilen, ausgleichen.
So nutze ich’s:
- Einkauf rein, Personen auswählen, fertig
- Für Spezialfälle (z. B. nur 2 von 3 essen mit): direkt anders aufteilen
Pros
- Sehr schlicht, sehr schnell
- Ideal, wenn ihr eine klare Alltagsregel habt („Standard: gleich teilen“)
Cons
- Weniger „Ökosystem“/Extras als große Apps
- Wenn ihr viele Kategorien/Logik wollt, kann’s zu simpel sein
Quelle: Splid (Produkt/Grundfunktion).^5
5) Settle Up – stark, wenn ihr ungleich aufteilen müsst (und oft wechselnde Gruppen habt)
Settle Up spielt seine Stärken aus, wenn Aufteilungen selten 50/50 sind: mal drei Personen, mal vier, mal nur zwei essen mit, mal jemand ist im Urlaub.
So nutze ich’s:
- Gruppen anlegen (z. B. „Einkauf + Haushalt“)
- Pro Eintrag: genaue Beteiligte wählen
- Am Ende: Schulden sauber zusammenführen
Pros
- Flexibel bei wechselnden Beteiligten
- Gut für „nicht alle profitieren immer gleich“
Cons
- Kann sich bei sehr einfachen Setups unnötig „mächtig“ anfühlen
- Erfordert sauberes Eintragen (wie alle fairen Systeme)
Quelle: Settle Up (Produkt/Grundfunktion).^6
Trends, die das faire Teilen gerade leichter machen
- Mehr Preissensibilität: Wenn ein großer Ausgabenblock wie Ernährung bei vielen Haushalten spürbar ist, steigt die Bereitschaft, sauber zu tracken.^1
- Regeln statt Perfektion: Die beste App bringt nichts ohne eine einfache Hausregel („Basics gemeinsam, Spezialkram persönlich“).
- Monatsrhythmus statt Dauer-Überweisen: Viele Gruppen gleichen nur noch 1× pro Monat aus – weniger Reibung, gleiche Fairness.
Kurzfazit
Fair teilen klappt, wenn du zwei Dinge kombinierst: eine einfache Regel (gemeinsam vs. persönlich) und eine App, die für euren Alltag passt. Ob minimalistisch (Splid), WG-orientiert (Flatastic) oder super-flexibel (Splitwise/tricount/Settle Up): Entscheidend ist, dass du konsequent einträgst – dann wird Einkaufen wieder unkompliziert.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): „Konsumausgaben“ (Sozialbericht 2024) – https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553197/konsumausgaben/
- Splitwise (Produktseite) – https://www.splitwise.com/
- tricount (Produktseite) – https://tricount.com/
- Flatastic (Produktseite) – https://flatastic-app.com/
- Splid (Produktseite) – https://splid.app/
- Settle Up (Produktseite) – https://settleup.io/



