Manchmal fühlt sich Ticketkauf an wie ein Wettlauf: Preise steigen, Kontingente verschwinden, und am Ende kommt noch eine Gebühr dazu. Dass Veranstalter wirtschaftlich unter Druck stehen, macht’s nicht besser: Laut der bundesweiten Festivalstudie erzielen nur 15 % der Musikfestivals Gewinn.[^festivals] Wenn Kosten steigen, landen sie irgendwann im Ticketpreis.

Deal-Alert-Apps sind mein pragmatischer Gegenentwurf: Du lässt dich automatisch informieren, wenn Tickets in den Verkauf gehen, wenn wieder Plätze auftauchen (z. B. Rückläufer) oder wenn jemand fair weiterverkauft – statt ständig selbst zu refreshen.

Was „Deal-Alerts“ beim Ticketkauf wirklich machen (und warum das spart)

Deal-Alert-Apps sparen dir nicht „magisch“ Geld – sie sparen dir Timing-Fehler. Im Alltag greifen vor allem diese Mechanismen:

  • Früher dran sein: Benachrichtigung zum Vorverkaufsstart, bevor „ausverkauft“ dein neues Hobby wird (typisch bei Ticketing-Anbietern mit Ticketalarm-Funktion).[^warentest]
  • Restkarten & Rückläufer erwischen: Gerade kurz vor dem Event tauchen oft wieder Tickets auf (Stornos, nicht bezahlte Reservierungen, Kontingent-Freigaben).
  • Resale mit Regeln nutzen: Auf seriösen Plattformen gibt’s Preisregeln oder Limits – das bremst Mondpreise.
  • Deals statt Impulskäufe: Du stellst klare Kriterien ein (Preis, Kategorie, Ort) und kaufst nicht „aus Panik“.

Wichtig, weil’s wirklich Geld schützen kann: Die Verbraucherzentralen raten bei Ticketkäufen klar zur sicheren Seite – „Wir empfehlen: Kaufen Sie Tickets grundsätzlich direkt beim Veranstalter oder einem autorisierten Anbieter.“[^vz-niedersachsen]

Und wenn du doch Resale nutzt: Seit 28. Mai 2022 müssen Zweitmarkt-Plattformen den ursprünglichen Ticketpreis angeben – so erkennst du Aufschläge leichter.[^vz-niedersachsen]

Der Spar-Workflow, den ich in der Praxis nutze (5 Minuten Setup)

  1. Wunschliste definieren: 5–10 Artists/Shows/Teams + 2–3 Locations, auf die du realistisch ausweichen würdest.
  2. Zwei Alarme pro Event:
    • „Verkaufsstart/Presale“
    • „Resale/Restkarten unter X €“
  3. Gebühren-Mentalcheck: Maximalpreis immer als „All-in“ denken (Ticket + Gebühren + Versand/Wallet).
  4. Flex-Option aktivieren: Alternative Tage/Orte sparen oft mehr als jeder Promo-Code.
  5. Benachrichtigungen bündeln: Lieber wenige, gut eingestellte Alerts als 50 Pushs am Tag.

5 Apps, mit denen du Ticket-Deals & Verfügbarkeiten rechtzeitig erwischst

1) EVENTIM (für Erstmarkt + Ticketalarm)

Wie es sich im Alltag anfühlt: Ich nutze EVENTIM vor allem als „Basis-App“ für große Tourneen/Shows. Entscheidend ist für mich weniger die App selbst als der Ticketalarm: Du bekommst ein Signal, wenn ein Verkaufsstart ansteht oder relevante Events auftauchen.[^warentest]

So spare ich damit konkret

  • Ich stelle den Alarm so ein, dass ich zum Start bereit bin (statt später Resale-Aufschläge zu zahlen).
  • Ich nutze den Alarm auch, um Rückläufer abzufangen, wenn ein Event „eigentlich“ ausverkauft wirkt.

Plus

  • Ticketalarm/Newsletter-Prinzip ist kostenlos und unverbindlich beschrieben.[^warentest]
  • Stark bei großen, schnell ausverkauften Veranstaltungen.

Minus

  • Spart nur dann wirklich, wenn du schnell bist – sonst landest du wieder beim teuren Zweitmarkt.
  • Gebühren/Versand können je nach Event ins Gewicht fallen (du musst den Endpreis konsequent prüfen).

2) TicketSwap (Resale mit Ticket-Alarm + Preisregeln)

Wie es sich im Alltag anfühlt: TicketSwap ist mein „Last-Minute-Plan B“, wenn der Erstmarkt weg ist. Der Ticket-Alarm ist extrem praktisch: Du legst Event, Kategorie und Budget fest – und wirst benachrichtigt, sobald etwas Passendes eingestellt wird.[^ticketswap-alarm]

Was ich an den Regeln gut finde (weil messbar) TicketSwap arbeitet mit einer Preisobergrenze: Für Events mit mehreren Preisstufen liegt der maximale Resale-Preis bei 120 % der letzten Ticketstufe. Das Beispiel aus der Hilfe ist angenehm klar: Kostet die letzte Stufe 100 €, liegt das Maximum bei 120 €.[^ticketswap-max]

Plus

  • Sehr gute Alarm-Logik (Budget/Kategorie) für echte „Deal-Jagd“.[^ticketswap-alarm]
  • Preisdeckel kann extreme Aufschläge bremsen.[^ticketswap-max]

Minus

  • Gute Tickets sind schnell weg – der Alarm hilft, aber du brauchst trotzdem Reaktionszeit.
  • Nicht jedes Event ist in jedem Land gleich gut abgedeckt.

3) Ticketmaster (Alerts + Favoriten für Verkaufsstarts)

Wie es sich im Alltag anfühlt: Wenn ein Event über Ticketmaster läuft, setze ich dort Favoriten. Der Vorteil: Alerts sind direkt ans Konto gekoppelt und auf „Ich will informiert werden“ getrimmt.

Was ich damit mache

  • In der App Favorites setzen (Artists/Teams/Venues).
  • In den Einstellungen Alerts aktivieren/konfigurieren.[^ticketmaster-alerts]

Plus

  • Klarer, dokumentierter Weg zu Alerts und Favoriten in App/Account.[^ticketmaster-alerts]
  • Gut für große internationale Touren und Sport-Events, je nach Markt.

Minus

  • Spart nicht automatisch Geld – der Haupthebel ist „früh dran“ sein.
  • Verfügbarkeit hängt stark vom jeweiligen Event/Veranstalter ab.

4) Bandsintown (Konzert-Alerts, wenn Artists Tourdaten droppen)

Wie es sich im Alltag anfühlt: Bandsintown ist für mich der „Radar-Modus“: Ich tracke Artists und bekomme Hinweise, wenn Shows in der Nähe angekündigt werden. Bandsintown beschreibt das Konzept selbst simpel: „Trackers“ sind Fans, die benachrichtigt werden wollen, wenn Shows in ihrer Nähe angekündigt werden.[^bandsintown-trackers]

So spare ich damit

  • Ich erfahre Tourdaten früh und kann im Erstmarkt zuschlagen, statt später teuren Resale zu brauchen.
  • Ich entdecke kleinere Venues/zusätzliche Termine, die oft günstiger sind als die „eine große Show“.

Plus

  • Sehr stark fürs Frühwarnsystem bei Tourankündigungen.[^bandsintown-trackers]
  • Hilft dir, Alternativen zu finden (andere Stadt/anderer Termin).

Minus

  • Kein klassischer „Rabatt-App“-Deal, eher Timing- und Entdeckungs-Vorteil.
  • Nicht jede Veranstaltung ist vollständig abgebildet.

5) mydealz (Deal-Alerts für Ticketaktionen, Gutscheine, Rabatt-Phasen)

Wie es sich im Alltag anfühlt: mydealz ist mein „Preis-Wecker“, wenn Ticketshops Aktionen fahren (z. B. Rabattwochen, ausgewählte Events, Gutscheincodes). Du kannst Alarme nach Keywords/Händlern anlegen und Push oder E-Mail wählen.[^mydealz-alarms]

So setze ich’s auf Tickets um

  • Alarme auf Keywords wie „Eventim Rabatt“, „Ticketmaster Gutschein“, „Musical Angebot“, „2für1“.
  • Optional: Mindest-„Temperatur“ (Qualitätsfilter), damit nicht jeder Mini-Deal pingt.[^mydealz-alarms]

Plus

  • Sehr flexibel: Du baust dir deine Ticket-Deal-Pipeline selbst.[^mydealz-alarms]
  • Gut für Familien, weil Aktionen für Musicals/Shows oft mehrere Tickets betreffen.

Minus

  • Deal-Qualität schwankt – du musst kurz prüfen, ob’s wirklich günstiger ist (inkl. Gebühren/Termine).
  • Keyword-Alarme treffen nur, was im Deal-Titel/zugeordneten Daten steht.[^mydealz-alarms]
  • „Digital first“ bei Tickets wird normaler: Eventbrite hat z. B. kommuniziert, dass Tickets nicht mehr als PDF per Mail kommen, sondern über Website/App abrufbar sind.[^eventbrite-update] Für dich heißt das: Push-Alerts + App-Zugang werden wichtiger.
  • Mehr Transparenz beim Zweitmarkt: Die Pflicht zur Anzeige des Originalpreises (seit 28.05.2022) macht Aufschläge sichtbarer – nutz das aktiv beim Preisvergleich.[^vz-niedersachsen]
  • App-Nutzung ist Mainstream: Beim Deutschlandticket bevorzugen 51 % die Nutzung per App.[^bitkom-app] Auch wenn das kein Konzertticket ist, zeigt es, wie selbstverständlich „Ticket = App“ geworden ist.
  • Preis- und Kostendruck bleibt: Die Live-Branche wird mit sehr großen Umsätzen beschrieben (BDKV nennt u. a. 5,6 Mrd. € im Live-Bereich) – aber gleichzeitig steigen Kosten, was Preissensibilität erhöht.[^bdkv-report]

Fazit

Mit Deal-Alert-Apps sparst du vor allem dort, wo die meisten zu viel zahlen: beim Timing. Wenn du Erstmarkt-Alerts (EVENTIM/Ticketmaster), Tour-Frühwarnungen (Bandsintown), Resale-Alarme mit Regeln (TicketSwap) und Deal-Alarme (mydealz) kombinierst, wird Ticketkauf weniger Glücksspiel – und deutlich planbarer.

Quellen

[^festivals]: Initiative Musik – „Studien“ (Festivalstudie „Musikfestivals in Deutschland“, Kennzahlen & PDF): https://www.initiative-musik.de/studien/ [^vz-niedersachsen]: Verbraucherzentrale Niedersachsen – „Wenig überraschend: Probleme mit Ticketplattformen“ (u. a. Originalpreis-Pflicht seit 28.05.2022 + Empfehlung zum Kauf bei autorisierten Anbietern): https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/themen/kaufen-reklamieren/produkte-kaufen/wenig-ueberraschend-probleme-ticketplattformen [^warentest]: Stiftung Warentest – „Ticketkauf: Von Konzert bis Sport – wie Sie sicher Tickets kaufen“ (Newsletter/Ticketalarm als kostenlose Service-Angebote): https://www.test.de/Ticketkauf-Das-muessen-Sie-wissen-wenn-Sie-Tickets-kaufen-5193330-0/ [^ticketswap-alarm]: TicketSwap Hilfecenter – „Was ist ein Ticket-Alarm?“: https://help.ticketswap.com/de/articles/6619380-was-ist-ein-ticket-alarm [^ticketswap-max]: TicketSwap Help Centre – „Pricing rules: a quick overview“ (u. a. 120 %-Regel + Beispiel 100 € → 120 €): https://help.ticketswap.com/en/articles/5123890-pricing-rules-a-quick-overview [^ticketmaster-alerts]: Ticketmaster Help – „How do I get alerts about new events?“: https://help.ticketmaster.com/hc/en-us/articles/9613319708561-How-do-I-subscribe-to-Ticketmaster-alerts [^bandsintown-trackers]: Bandsintown for Artists – „What Are Bandsintown Trackers…“ (Definition/Benachrichtigungen): https://www.artists.bandsintown.com/support/blog/what-are-trackers-and-how-do-fans-become-trackers [^mydealz-alarms]: mydealz Hilfe – „Wie kann ich mich benachrichtigen lassen, wenn Deals, die mich interessieren, veröffentlicht werden?“: https://help.mydealz.de/help/wie-werde-ich-informiert-wenn-deals-die-mich-interessieren-veroffentlicht-werden [^eventbrite-update]: Eventbrite – „Important Update: How Attendees Access Tickets“ (16.04.2024): https://www.eventbrite.com/blog/eventbrite-app-tickets/ [^bitkom-app]: Bitkom – „Ein Monat Deutschlandticket: Hälfte der Fahrgäste bevorzugt Nutzung per App“ (01.06.2023): https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Ein-Monat-Deutschlandticket-Haelfte-der-Fahrgaeste-bevorzugt-Nutzung-per-App [^bdkv-report]: BDKV – „Endbericht der Studie Musikwirtschaft in Deutschland 2024“ (25.11.2024): https://bdkv.de/endbericht-der-studie-musikwirtschaft-in-deutschland-2024/