Kurz gesagt: Ja, Carsharing kann dir deutlich Geld sparen, wenn du dein Auto nur gelegentlich brauchst. Laut ADAC kostet selbst ein günstiger Gebrauchtwagen rund 318 € im Monat, und da ist der Wertverlust noch nicht eingerechnet. Viele Carsharing-Nutzer zahlen im Monat deutlich weniger. Der Haken: Die Ersparnis hängt davon ab, wo du wohnst und wie oft du fährst. Außerhalb größerer Städte gibt es oft kaum Angebote. Wer täglich pendelt oder jedes Wochenende weite Strecken fährt, landet schnell über den Kosten fürs eigene Auto.
So funktioniert Carsharing per App
Beim Carsharing teilst du dir Autos mit anderen. Du meldest dich einmal an, meist mit Führerschein- und Ausweisprüfung in der App. Danach buchst, öffnest und bezahlst du das Auto per Smartphone. Versicherung und Sprit bzw. Strom stecken bei den Anbietern in diesem Vergleich laut ihren eigenen Angaben schon im Preis.
In Deutschland gibt es zwei Modelle:
- Free-Floating: Die Autos stehen irgendwo im Geschäftsgebiet einer Stadt. Du suchst eins per App und stellst es nach der Fahrt im Gebiet wieder ab. Beispiele sind MILES und Free2move (früher SHARE NOW). Abgerechnet wird pro Minute oder pro Kilometer.
- Stationsbasiert: Du reservierst ein Auto an einer festen Station und bringst es dorthin zurück. Beispiele sind stadtmobil und Flinkster. Bezahlt wird meist pro Stunde plus Kilometer, oft mit Monatsbeitrag.
Das Angebot ist groß, aber ungleich verteilt. Laut Jahresbericht des Bundesverbands CarSharing (bcs) gab es Anfang 2025 rund 45.400 Carsharing-Autos in 1.393 Gemeinden. Ein Auto der bcs-Mitgliedsanbieter ersetzt dort im Schnitt 10,7 private Pkw.
Was ein eigenes Auto wirklich kostet
Ohne einen ehrlichen Vergleichswert bringt die Rechnung nichts. Zwei ADAC-Quellen helfen dabei:
- Gebrauchtwagen, nur Unterhalt: Der ADAC hat drei Jahre alte Verbrenner verglichen, bei fünf Jahren Haltedauer und 15.000 km im Jahr. Die günstigsten kosten zwischen 318,00 € (Dacia Sandero mit Autogas) und rund 358 € im Monat. Enthalten sind Sprit, Steuer, Versicherung und Werkstatt. Kaufpreis und Wertverlust sind ausdrücklich nicht enthalten (ADAC, 19.03.2026).
- Neuwagen, Vollkosten: Für sein Kleinwagen-Ranking rechnet der ADAC mit Wertverlust, Werkstatt, Reifen, Sprit, Versicherung und Kfz-Steuer (fünf Jahre, 75.000 km). Die genauen Euro-Beträge stehen nur hinter einem kostenlosen Login (ADAC, 17.04.2026).
Wichtig: Die ADAC-Werte gehen von 15.000 km im Jahr aus. Fährst du deutlich weniger, sinken vor allem deine Spritkosten. Am genauesten wird es mit deinen eigenen Zahlen: Versicherung, Steuer, Werkstattrechnungen und Tankbelege eines Jahres. Wie du Kosten pro Nutzung im Blick behältst, zeigen dir Cost-per-Use-Apps.
Die Carsharing-Apps im Vergleich
Preis- und Funktionsmatrix (Stand: 2026-10-25, Deutschland)
| MILES | Free2move | Flinkster (DB) | stadtmobil Stuttgart (Classic) | |
|---|---|---|---|---|
| Modell | Free-Floating | Free-Floating | Stationsbasiert | Stationsbasiert |
| Verfügbarkeit | Ausgewählte Großstädte, u. a. Berlin, München, Stuttgart | Ausgewählte Großstädte, u. a. Berlin | Über 80 Bahnhöfe plus Partnernetz | Region Stuttgart, Tarife je Region verschieden |
| Anmeldung | kostenlos | nicht öffentlich dokumentiert | 8,90 € (mit BahnCard kostenlos) | 60 € |
| Grundgebühr | keine (Fahranfänger: Rookie-Gebühr) | keine Pflicht; Pass ab 29,99 €/Monat | nicht dokumentiert | 9,50 €/Monat (Haushalt: 15 €) |
| Kurzfahrt | ab 0,79 €/km + 1 € Unlock + 0,35 €/Min. Parken | ab 0,17 €/Min.; ab 6,99 €/Std. + 0,28 €/km | Polo 5,90 €/Std. + 0,36 €/km + 1,90 € Buchung | Klasse A: 1,90 €/Std. (7–24 Uhr) + 0,29 €/km |
| Tagespreis | 1 Tag + 100 km ab 84,99 € (S) | ab 23,32 €/Tag | Polo max. 59 €/Tag + km | Klasse A: 22 €/24 Std. + km |
| Sprit/Strom inklusive | ja | laut Anbieter ja | ja | ja |
| Selbstbeteiligung | nicht öffentlich dokumentiert | nicht öffentlich dokumentiert | 1.500 €, gegen 14,90 € max. 300 € | nicht öffentlich dokumentiert |
Quellen: MILES Preise, Free2move Preise, Flinkster Preise, Flinkster BahnCard-Vorteile, stadtmobil Stuttgart. Alle Preise gelten für Deutschland. Sie können je nach Stadt, Uhrzeit und Fahrzeug abweichen.
MILES: Bezahlen pro Kilometer
Laut Preisseite zahlst du bei MILES für Kleinwagen ab 0,79 €/km plus 1 € Entsperrgebühr. Parkst du während der Miete, kostet das 0,35 € pro Minute. Für längere Fahrten gibt es Pakete, zum Beispiel 3 Stunden mit 40 km ab 39,99 € oder einen Tag mit 100 km ab 84,99 €. Zur Anmeldung brauchst du laut MILES-Support ein Mindestalter von 18 Jahren, einen gültigen EU-Führerschein, einen Wohnsitz in der EU/im EWR und ein Zahlungsmittel mit 3D Secure. Fahranfänger zahlen im ersten Jahr eine Rookie-Gebühr, aber nur in Monaten, in denen sie fahren. Die Hilfeseiten nennen dafür unterschiedliche Beträge (14,99 € bzw. 9 €).
Vorteile
- Stau oder Parkplatzsuche kosten keine Zeit-Minuten, du zahlst pro Kilometer
- Keine Anmelde- oder Grundgebühr
- Auch Transporter und mehrtägige Pakete im Angebot
Nachteile
- Bei längeren Stopps wird die Parkgebühr von 0,35 €/Min. schnell teuer
- Nur in ausgewählten Großstädten verfügbar
- Fahranfänger zahlen extra, Premium-Autos erst ab 23 Jahren (MILES-Support)
Passt zu dir, wenn du in einer MILES-Stadt wohnst und vor allem kurze, spontane Strecken fährst. Auch für den Weg zum Flughafen kann es eine Option sein. Mehr dazu findest du bei günstigen Flughafentransfers per App. Weniger geeignet ist es für Einkäufe mit langen Parkpausen.
Free2move (früher SHARE NOW): Bezahlen pro Minute
Free2move gehört zu Stellantis und hat SHARE NOW übernommen. Laut eigener Preisseite geht es ab 0,17 € pro Minute los, ab 6,99 € pro Stunde plus 0,28 €/km und ab 23,32 € pro Tag. Ein optionaler Pass ab 29,99 € im Monat soll bis zu 50 % auf den Minutenpreis sparen. Verfügbar ist der Dienst nur in ausgewählten Großstädten, zum Beispiel Berlin. Die Preise sind „ab“-Preise. Wie viel du je Fahrt wirklich zahlst, zeigt dir die App vor der Buchung.
Vorteile
- Günstig, wenn du kurze Strecken ohne Stau fährst
- Stunden- und Tagestarife für längere Fahrten
- Laut Anbieter kostenlos parken im Geschäftsgebiet
Nachteile
- Im Stau tickt die Minutenuhr weiter
- Preise schwanken je nach Ort und Zeit, deshalb schwer im Voraus zu planen
- Anmeldegebühr und Selbstbeteiligung sind auf den geprüften Seiten nicht klar dokumentiert
Passt zu dir, wenn du in der Innenstadt kurze Strecken fährst. Weniger geeignet ist es, wenn du häufig im Berufsverkehr unterwegs bist.
Flinkster: Carsharing am Bahnhof
Flinkster von der Deutschen Bahn ist stationsbasiert. Laut Preisseite kostet ein VW Polo 5,90 € pro Stunde, höchstens 59 € am Tag. Dazu kommen 0,36 €/km und 1,90 € Buchungsgebühr. Samstags oder sonntags gibt es Tagespreise bis 49 € mit 20 Freikilometern. Die Selbstbeteiligung liegt bei 1.500 €. Gegen 14,90 € sinkt sie auf höchstens 300 €. Mit BahnCard ist die Anmeldung kostenlos, sonst kostet sie einmalig 8,90 € (Flinkster).
Vorteile
- Preise sind leicht zu durchschauen, mit Tagesobergrenze
- Passt gut zu Bahnreisen: mit dem Zug hin, mit dem Auto weiter
- Mit BahnCard keine Anmeldegebühr
Nachteile
- Teurer pro Stunde als regionale Anbieter
- Hohe Selbstbeteiligung, wenn du sie nicht reduzierst
- Nur an Stationen, also weniger spontan
Passt zu dir, wenn du ohnehin viel Bahn fährst. Weniger geeignet ist es, wenn kein Bahnhof mit Flinkster in deiner Nähe liegt.
stadtmobil: Günstig für planbare Fahrten
stadtmobil wird von regionalen Gesellschaften betrieben, und jede legt ihre eigenen Tarife fest. In Stuttgart zahlst du im Classic-Tarif 60 € Aufnahmegebühr und 9,50 € im Monat (Haushalt mit bis zu drei Personen: 15 €). Ein Auto der Klasse A kostet tagsüber 1,90 € pro Stunde, nachts nichts, 22 € für 24 Stunden plus 0,29 €/km. Wer kaum fährt, kann den Tarif „Easy“ ohne Monatsbeitrag wählen: 3 € pro Stunde und 0,50 €/km. Sprit und Versicherung sind enthalten.
Vorteile
- Sehr niedrige Stunden- und Tagespreise, gut für Ausflüge
- Haushaltstarif für Familien und Paare
- Tarif ohne Grundgebühr für Wenigfahrer
Nachteile
- Aufnahmegebühr und Monatsbeitrag
- Mindestens eine Stunde Buchungszeit, Rückgabe an der Station
- Andere Preise in jeder Region, deshalb lokal nachschauen
Passt zu dir, wenn du Fahrten planen kannst, zum Beispiel den Wocheneinkauf oder Tagesausflüge mit der Familie. Weniger geeignet ist es für spontane Fahrten ohne Rückweg.
Rechenbeispiele: Wann lohnt sich das Abschaffen?
Wichtig: Die folgenden Beispiele sind ausgedacht und dienen nur zur Veranschaulichung. Sie beruhen auf den oben genannten Preisen (Stand 2026-10-25). Eine Ersparnis ist nicht garantiert. Echte Preise können je nach Stadt, Uhrzeit und Auslastung abweichen.
Vergleichswert Auto: 318 € pro Monat bzw. 3.816 € pro Jahr. Das ist der günstigste ADAC-Gebrauchtwagen, gerechnet ohne Wertverlust und mit 15.000 km im Jahr. Für wenig Fahrende ist dieser Wert eher zu hoch, weil der ADAC mit mehr Kilometern und damit mehr Sprit rechnet. Wenn du dein Auto abschaffst, nimmst du für den Alltag das Deutschlandticket für 63 € im Monat dazu.
Szenario 1: Single in Stuttgart mit stadtmobil Classic
Annahmen pro Monat: vier Einkaufsfahrten mit je 2 Stunden und 15 km tagsüber, dazu ein Tagesausflug mit 24 Stunden und 150 km, alles mit einem Auto der Klasse A.
- Einkäufe: 4 × (2 × 1,90 € + 15 × 0,29 €) = 4 × 8,15 € = 32,60 €
- Ausflug: 22 € + 100 × 0,29 € + 50 × 0,27 € = 64,50 €
- Monatsbeitrag: 9,50 €
- Summe Carsharing: 106,60 €/Monat
Über 12 Monate: 1.279,20 € + 60 € Aufnahmegebühr + 756 € Deutschlandticket = 2.095,20 € Im Vergleich zum Auto (3.816 €): rund 1.721 € weniger im Jahr, wenn deine Fahrten so aussehen wie angenommen.
Ab wann lohnt es sich nicht mehr? Vom Vergleichswert 318 € gehen 63 € Deutschlandticket und 9,50 € Beitrag ab. Bleiben 245,50 € pro Monat für Fahrten. Das reicht für etwa 3,8 solcher Tagesausflüge mit 150 km im Monat. Fährst du mehr, ist das eigene Auto in diesem Beispiel günstiger. Mit Wertverlust läge die Grenze höher.
Szenario 2: Single in Berlin mit MILES
Annahmen pro Monat: zehn kurze Fahrten mit je 8 km ohne Parkpause, dazu ein Tagespaket mit 100 km (Klasse S).
- Kurzfahrten: 10 × (8 × 0,79 € + 1 €) = 10 × 7,32 € = 73,20 €
- Tagespaket: 84,99 €
- Summe Carsharing: 158,19 €/Monat, also 1.898,28 € im Jahr
Mit Deutschlandticket kommst du auf 2.654,28 € im Jahr. Im Vergleich zum Auto sind das rund 1.162 € weniger. Rechnest du je Kurzfahrt 15 Minuten Parkpause dazu, kommen 10 × 15 × 0,35 € = 52,50 € im Monat obendrauf. Die Ersparnis sinkt dann auf etwa 532 € im Jahr. Wie sehr sich Carsharing lohnt, hängt also stark davon ab, wie du fährst.
Für Familien gilt: Mit Kindern brauchst du oft größere Autos und mehr Platz. Und du planst eher langfristig. Dann sind stationsbasierte Haushaltstarife oft die bessere Grundlage für die Rechnung als Minutentarife. Ein Elektroauto zu behalten kann eine Alternative sein. Wie du dabei beim Laden sparst, steht in 5 Apps, mit denen du günstiger E-Auto lädst.
Worauf du vor dem Abschaffen achten solltest
- Angebot vor Ort prüfen: Gibt es in deiner Nähe überhaupt Autos? Free-Floating gibt es nur in Großstädten, Flinkster nur an rund 80 Bahnhöfe.
- Fahrprofil ehrlich aufschreiben: Notiere einen Monat lang jede Fahrt mit Dauer und Kilometern.
- Selbstbeteiligung einrechnen: Bei Flinkster sind es ohne Zusatzschutz bis zu 1.500 € im Schadensfall.
- Zusatzgebühren beachten: Entsperrgebühr, Parkminuten, Buchungsgebühr, Rookie-Gebühr.
- Marktentwicklung im Blick behalten: Laut einem Bericht über die bcs-Zahlen vom 1.1.2026 verkleinern große Free-Floating-Anbieter ihre Flotten. Stationsbasierte Angebote wachsen dagegen weiter. In manchen Stadtteilen kann es dadurch weniger spontane Autos geben.
So haben wir verglichen
- Recherchedatum: 25.10.2026
- Markt: Deutschland. Die stadtmobil-Preise gelten für die Region Stuttgart.
- Kriterien: Anmelde- und Grundgebühren, Kurzfahrt- und Tagespreise, Selbstbeteiligung, Voraussetzungen, Verfügbarkeit
- Quellen: Preis- und Hilfeseiten der Anbieter. Autokosten vom ADAC, das Deutschlandticket von der Deutschen Bahn.
- Kein Praxistest: Wir haben die Apps nicht selbst ausprobiert. Alles beruht auf öffentlich dokumentierten Angaben.
- Nicht berücksichtigt: Anbieter mit stark regionalem oder schlecht dokumentiertem Angebot, zum Beispiel weitere lokale Vereine und Sixt Share. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind Aktionspreise und dynamische Preisaufschläge, die nicht öffentlich dokumentiert sind.
Fazit
Ein Auto abzuschaffen und auf Carsharing per App umzusteigen kann viel Geld sparen. Das gilt vor allem, wenn du in der Stadt wohnst, selten fährst und gute Bus- und Bahnverbindungen hast. In den ausgedachten Rechenbeispielen bleiben je nach Fahrweise zwischen etwa 500 und 1.700 € im Jahr übrig. Stationsbasierte Anbieter wie stadtmobil sind meist günstiger für geplante Fahrten. MILES und Free2move passen eher zu spontanen Kurzstrecken. Fährst du regelmäßig weite Strecken oder gibt es bei dir kaum Carsharing, ist das eigene Auto oft die bessere Wahl. Am verlässlichsten ist ein Vergleich mit deinen eigenen Fahrten.
Quellen
- ADAC: Gebrauchtwagen mit den niedrigsten Unterhaltskosten (19.03.2026)
- ADAC: Die günstigsten Kleinwagen im Autokosten-Check (17.04.2026)
- bcs: Jahresbericht 2024/2025
- ecomento: Bericht zur bcs-Statistik 2026
- MILES: Preise
- MILES-Support: Voraussetzungen für die Registrierung
- MILES-Support: Rookie-Gebühr
- MILES-Support: Voraussetzungen für Premium-Fahrzeuge
- Free2move: Preise
- Free2move: Carsharing in Berlin
- Flinkster: Preise
- Flinkster: BahnCard-Vorteile
- stadtmobil Stuttgart: Preise & Tarife
- Deutsche Bahn: FAQ zum Deutschland-Ticket



