Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt in einer Wohnung mit zentraler Warmwasserbereitung verbraucht rund 1.900 Kilowattstunden Strom pro Jahr – und zahlt laut Stromspiegel etwa 280 Euro mehr als ein vergleichbarer sparsamer Haushalt. Regelmäßige Zählerstände helfen Dir, solche Unterschiede frühzeitig zu erkennen, statt erst mit der Jahresabrechnung davon zu erfahren. (Stromspiegel für Deutschland 2025)

EHW+ verwandelt einzelne Ablesewerte in Verbrauchsverläufe, Kostenübersichten und Prognosen. Die App deckt dabei deutlich mehr als nur den klassischen Stromzähler ab. Doch einige Funktionen kosten extra, die Automatisierung ist nicht bei jedem Zähler möglich und auch beim Datenschutz lohnt sich ein genauer Blick.

Wie funktioniert die Erfassung mit EHW+?

Das Grundprinzip ist einfach:

  1. Du legst eine Wohnung oder ein Haus als Objekt an.
  2. Anschließend erstellst Du die vorhandenen Zähler.
  3. Bei jeder Ablesung trägst Du Zählerstand, Datum und gegebenenfalls eine Notiz ein.
  4. EHW+ berechnet aus der Differenz zweier Ablesungen den Verbrauch im dazwischenliegenden Zeitraum.
  5. Hinterlegst Du Deinen Arbeits- und Grundpreis, kann die App zusätzlich Kosten und voraussichtliche Ausgaben berechnen.

Nach Angaben des Entwicklers sind die Berechnungen zeitgenau; auch unregelmäßig eingetragene Werte werden auf Tagesverbräuche umgerechnet. Die Ergebnisse lassen sich nach Zeiträumen auswerten und mit früheren Verbrauchsphasen vergleichen. (EHW+ im deutschen App Store, EHW+ zur Verbrauchsberechnung)

Wichtig: Eine Prognose bleibt eine Schätzung. Sie hängt von korrekten Zählerständen, Preisen und Vertragsdaten ab. Wetter, längere Abwesenheit oder ein geändertes Heizverhalten können das Ergebnis deutlich verschieben. In den eigenen Nutzungsbestimmungen übernimmt EHW+ keine Gewähr für die Richtigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Berechnungen. (EHW+ Nutzungsbestimmungen)

Die App ersetzt außerdem nicht automatisch die offizielle Übermittlung an Deinen Energieversorger. Eine allgemeine Funktion zur Weiterleitung manueller Werte an beliebige deutsche Versorger ist in den geprüften Herstellerunterlagen nicht dokumentiert. Fordert Dich Dein Anbieter zur Ablesung auf, musst Du den Wert weiterhin über dessen vorgesehenen Weg melden. Andernfalls darf der Verbrauch unter bestimmten Voraussetzungen geschätzt werden. (Bundesnetzagentur zu Ablesung und Schätzung)

Welche Zähler unterstützt EHW+?

Die dokumentierte Auswahl ist ungewöhnlich breit. Dazu gehören unter anderem:

  • Stromzähler einschließlich HT-/NT-Zählern
  • Gaszähler
  • Warm- und Kaltwasserzähler
  • Heizkörper mit Verdunstern
  • Ölheizungen beziehungsweise Tankfüllstände
  • Fernwärme
  • Photovoltaik-, Erzeugungs- und Einspeisezähler
  • Solarthermie
  • Wallboxen
  • Wasserabzugszähler, etwa für Gartenwasser
  • virtuelle Zähler

In der kostenlosen Basisversion können laut deutschem App-Store-Eintrag beliebig viele Zähler und Ablesungen gespeichert werden. Unterstützt werden auch Zählerwechsel, Monatsverbräuche der vergangenen zwölf Monate und eine Kostenberechnung anhand des eingetragenen Einheitspreises. Bestimmte Sonderzähler, mehrere Objekte und einige Export- oder Statistikfunktionen sind kostenpflichtig. (EHW+ im deutschen App Store)

Damit eignet sich EHW+ besonders für Haushalte, die Strom, Gas, Wasser und Heizung gemeinsam verwalten wollen. Für eine einzelne monatliche Stromablesung ist der Funktionsumfang dagegen möglicherweise größer als nötig.

Preis- und Funktionsvergleich

Stand: 29.08.2026; Markt: Deutschland. Store-Preise können sich ändern und zwischen Apple, Google und anderen Vertriebswegen unterscheiden.

App Verfügbarkeit in Deutschland Dokumentierte Funktionen Preis im deutschen Markt
EHW+ Android, iPhone, iPad, Web-App; außerdem Huawei AppGallery laut Entwickler Viele Energie- und Wasserzähler, HT/NT, Kosten und Prognosen, CSV-Import, Exporte, optionale Synchronisierung, mehrere Haushaltsmitglieder, ausgewählte Smart-Home-Anbindungen Basis kostenlos. Im deutschen Apple App Store: Monatsabo 1,99 €, Jahresabo 9,99 €, zusätzlich „Premium Jährlich“ 7,99 € sowie einzelne Freischaltungen von 3,99 bis 9,99 €. Die genaue Abgrenzung aller dort aufgeführten Angebote ist nicht öffentlich dokumentiert. Android-Preise: nicht öffentlich dokumentiert.
Meterable Android, iPhone und iPad in Deutschland Strom, Gas, Wasser und Wärme, HT/NT, Gasumrechnung, Statistiken, Trends, Erinnerungen, CSV-Import und -Export, Backup Basis kostenlos. Im deutschen Apple App Store werden „Voller Zugang“ für 2,99 € und 19,99 € sowie „Pro-Version“ für 44,99 € aufgeführt; Laufzeiten und genaue Zuordnung sind dort nicht öffentlich dokumentiert. Android-Preise: nicht öffentlich dokumentiert.
Energy Tracker iPhone und iPad; kein aktuelles Android-Angebot dokumentiert Strom, Wasser, Gas und Wärme, OCR-Zählererkennung, Erinnerungen, Kostenanalyse, CSV-Import, PDF-/CSV-Export, iCloud- und Dropbox-Synchronisierung Basis kostenlos. Im deutschen Apple App Store: Pro-Erweiterung 3,99 €, Master-Erweiterung 6,99 €; weitere Einzelmodule meist 0,49 bis 1,99 €.

Quellen: EHW+ bei Apple, EHW+ bei Google Play, Meterable bei Apple, Meterable bei Google Play, Energy Tracker bei Apple.

EHW+: Stärken und Schwächen

Vorteile

  • Sehr viele Zählertypen: Neben Strom, Gas und Wasser lassen sich unter anderem Öl, Fernwärme, Heizkörper, Photovoltaik und Wallboxen abbilden.
  • Großzügige Basisversion: Die Zahl der Zähler und Ablesungen ist laut Store-Beschreibung nicht begrenzt.
  • Kosten statt nur Verbrauch: Mit Deinen Vertragswerten wird aus einer Kilowattstunden-Kurve eine nachvollziehbare Kostenschätzung.
  • Für mehrere Geräte geeignet: Der Entwickler bietet eine optionale Synchronisierung und eine Web-App an.
  • Import und Export: Vorhandene CSV-Daten können importiert werden; je nach Freischaltung stehen Tabellen-, PDF- und weitere Exporte zur Verfügung.
  • Aktive Weiterentwicklung: Im Juli 2026 kamen unter anderem QR- beziehungsweise Barcode-Zuordnungen hinzu. Bereits im Juni 2026 wurde eine Home-Assistant-Anbindung dokumentiert; Tibber-Pulse-Werte werden ebenfalls unterstützt. (Versionsverlauf im App Store)

Nachteile

  • Teilweise komplex: Zahlreiche Zählertypen, Verträge, Prognosen und Auswertungen bedeuten mehr Einrichtungsaufwand als bei einem einfachen digitalen Notizbuch.
  • Preismodell nicht völlig transparent: Der deutsche Apple App Store listet mehrere Abos und Einmalkäufe, erklärt ihre Abgrenzung aber nicht vollständig.
  • Keine allgemeine automatische Ablesung: QR- und Barcodes dienen laut Versionshinweisen dazu, den passenden Zähler zu öffnen. Eine universelle Fotoerkennung des Zahlenstands ist nicht dokumentiert.
  • Prognosen sind keine Abrechnung: Grundpreise, Boni, Preiswechsel, Gasumrechnung oder Abrechnungsregeln können die tatsächliche Rechnung beeinflussen.
  • Cloud-Nutzung berührt sensible Verbrauchsdaten: Wer synchronisiert, verarbeitet mehr Daten außerhalb des einzelnen Geräts als bei einer rein lokalen Lösung.

Wie schneiden die Alternativen ab?

Meterable

Meterable verfolgt einen etwas schlichteren Ansatz. Die App dokumentiert Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeverbräuche, unterstützt Mehrtarifzähler und kann Gaswerte von Kubikmetern in Kilowattstunden umrechnen. Erinnerungen, CSV-Import und -Export sowie Sicherungen sind ebenfalls aufgeführt. Die App wurde laut Google Play zuletzt am 4. April 2026 aktualisiert. (Meterable bei Google Play)

Vorteile:

  • für Android und iOS erhältlich
  • unterstützt die wichtigsten Haushaltszähler
  • CSV-Import und -Export
  • Mehrtarifzähler und eigene Umrechnungen
  • weniger Spezialfunktionen als EHW+, dadurch potenziell übersichtlicher

Nachteile:

  • unübersichtliche Preisangaben im deutschen Apple App Store
  • weniger dokumentierte Funktionen für Photovoltaik, Öl und Smart Home
  • laut Google-Play-Datensicherheitsangaben können persönliche und finanzielle Daten sowie weitere Datentypen erhoben werden; dort wird außerdem angegeben, dass Daten nicht gelöscht werden können
  • Apple nennt unter anderem nicht verknüpfte Standort-, Kennungs-, Nutzungs- und Diagnosedaten

Die Datenschutzangaben stammen jeweils vom Entwickler und wurden von den Stores nicht unabhängig verifiziert.

Energy Tracker

Energy Tracker ist vor allem für Apple-Nutzer interessant. Die App bietet neben manuellen Einträgen eine dokumentierte OCR-Funktion zur Erkennung von Zählerständen, umfangreiche Auswertungen, Erinnerungen sowie CSV- und PDF-Exporte. Synchronisiert werden kann über iCloud oder Dropbox. (Energy Tracker im deutschen App Store)

Vorteile:

  • Kameraerkennung des Zählerstands dokumentiert
  • differenzierte Auswertungen und Exporte
  • keine Werbung laut Store-Beschreibung
  • mehrere günstige Einmalkäufe statt zwingendem Funktionsabo
  • iCloud- und Dropbox-Synchronisierung

Nachteile:

  • nur für Apple-Plattformen dokumentiert
  • die zahlreichen Module können die Auswahl erschweren
  • der letzte im deutschen App Store ausgewiesene Versionsstand stammt vom 31. Dezember 2024
  • der Store nennt nicht mit der Identität verknüpfte Nutzungs- und Diagnosedaten
  • der Anbieter ist im Apple App Store nicht als Händler ausgewiesen; Apple weist deshalb darauf hin, dass für direkte Verträge mit ihm im Europäischen Wirtschaftsraum die dort genannten Verbraucherrechte nicht gelten

Datenschutz bei EHW+

Die EHW+-Datenschutzerklärung nennt Zählerstände und Verbrauchsdaten, Kontaktinformationen, Geräteinformationen sowie anonymisierte Nutzungsstatistiken als verarbeitete Daten. Laut Entwickler werden Daten verschlüsselt übertragen und gespeichert; eine Weitergabe erfolge nur mit Einwilligung, zur Vertragserfüllung, bei gesetzlicher Verpflichtung oder zur Wahrung berechtigter Interessen. (EHW+ Datenschutzerklärung)

Im deutschen Apple App Store erklärt der Entwickler, dass Nutzungs- und Diagnosedaten erfasst werden können, ohne sie mit der Identität des Nutzers zu verknüpfen. Google Play nennt persönliche und finanzielle Informationen als möglicherweise erhobene Datentypen, erklärt aber zugleich, dass keine Daten an Dritte weitergegeben würden, die Übertragung verschlüsselt sei und eine Löschung beantragt werden könne. (EHW+ bei Apple, EHW+ bei Google Play)

Diese Angaben sind Selbstauskünfte des Entwicklers beziehungsweise Store-Deklarationen. Sie sind kein unabhängiges Datenschutzaudit. Wenn Du keine geräteübergreifende Nutzung brauchst, solltest Du besonders prüfen, welche Konto-, Cloud- und Analyseoptionen tatsächlich aktiviert sind.

Illustratives Sparszenario

Eine Zählerstands-App spart nicht von selbst Energie. Sie kann aber sichtbar machen, ob eine konkrete Änderung funktioniert.

Annahmen für einen deutschen Beispielhaushalt:

  • regelmäßige Ablesung zeigt einen vermeidbaren Mehrverbrauch von 10 kWh pro Monat
  • angenommener Arbeitspreis: 0,35 € je kWh
  • der Mehrverbrauch wird vollständig beseitigt
  • Grundpreis und weitere Tarifbestandteile bleiben unverändert

Rechnung:

10 kWh × 12 Monate × 0,35 € = 42 € pro Jahr

Die rechnerische Ersparnis läge damit bei 42 Euro pro Jahr. Das ist keine Garantie: Dein tatsächlicher Effekt hängt vom gefundenen Verbraucher, Deinem Tarif und davon ab, ob der niedrigere Verbrauch dauerhaft anhält.

Wie oft solltest Du Zählerstände eintragen?

Für eine reine Dokumentation reicht häufig eine monatliche Ablesung. Wöchentliches Erfassen kann sinnvoll sein, wenn Du:

  • eine Sparmaßnahme beurteilen möchtest,
  • einen ungewöhnlich hohen Verbrauch vermutest,
  • eine neue Heizung oder ein neues Haushaltsgerät beobachtest,
  • Deinen Abschlag überprüfen willst,
  • einen möglichen Wasserverlust schneller erkennen möchtest.

Tägliche Werte erzeugen bei manueller Eingabe meist mehr Aufwand als Nutzen. Anders sieht es bei automatisch eingebundenen Strommessgeräten aus.

Bei stark saisonalem Gas- oder Heizverbrauch solltest Du Winter- und Sommerwerte nicht direkt gleichsetzen. Außentemperatur, Wohnfläche, Gebäudestandard und Anwesenheit beeinflussen das Ergebnis. Das Umweltbundesamt ordnet mehr als zwei Drittel des Endenergieverbrauchs deutscher Privathaushalte der Raumheizung zu – gerade hier ist eine wetterbezogene Betrachtung wichtig. (Umweltbundesamt)

So wurde verglichen

Die Recherche erfolgte am 29. August 2026 für den deutschen Markt. Bewertet wurden aktuelle Verfügbarkeit, unterstützte Zähler, Kostenfunktionen, Import und Export, Plattformen, Automatisierung, Datenschutzangaben, Preisstruktur und erkennbare Weiterentwicklung.

Die Grundlage bildeten vorrangig offizielle Entwicklerseiten, Datenschutzerklärungen sowie deutsche Einträge im Apple App Store und bei Google Play. Es fand kein praktischer App-Test auf einem bestimmten Gerät statt. Store-Angaben zur Datenerhebung wurden nicht unabhängig technisch überprüft.

Ausgeschlossen wurden reine Anbieter-Apps, die einen bestimmten Strom- oder Gasvertrag voraussetzen, sowie Anwendungen, die ohne zusätzliche Smart-Meter-Hardware keine vergleichbare Aufgabe erfüllen. Energy Tracker und Meterable wurden aufgenommen, weil sie dieselbe Kernaufgabe – Zählerstände für mehrere Verbrauchsarten erfassen und auswerten – direkt abdecken.

Fazit

EHW+ ist für deutsche Haushalte eine vielseitige Zählerstands-App mit ungewöhnlich breiter Unterstützung für Strom, Gas, Wasser, Heizung und eigene Energieerzeugung. Besonders stark ist die Kombination aus unbegrenzt dokumentierten Basiszählern, Kostenübersicht, Prognosen und optionaler Synchronisierung.

Weniger überzeugend sind die nicht vollständig selbsterklärende Preisstruktur und die begrenzte universelle Automatisierung. Für Apple-Nutzer mit Schwerpunkt Kameraerkennung ist Energy Tracker eine relevante Alternative; Meterable deckt die wichtigsten Funktionen auf Android und iOS etwas kompakter ab. Wer mehrere Verbrauchsarten oder Photovoltaik gemeinsam beobachten möchte, findet bei EHW+ insgesamt das umfassendste dokumentierte Paket.

Quellen