Unregelmäßiges Einkommen: Budgetieren mit Apps
Im 1. Halbjahr 2025 lag die Sparquote in Deutschland bei 10,3%. Und Destatis übersetzt das erstaunlich greifbar: „… je 100 Euro verfügbarem Einkommen … 10,30 Euro“ gespart.[^1] Klingt solide – bis dein Einkommen schwankt. Dann wird aus „ich spare 10%“ schnell „ich hoffe, der Monat geht gut“.
Wenn du unregelmäßig verdienst (Selbstständigkeit, Provisionen, Schichtzulagen, Bonus, saisonale Jobs, Elternzeit-Übergänge), brauchst du kein perfektes Excel. Du brauchst ein System, das Wellen glättet. Mobile Budget-Apps sind dafür praktisch, weil sie dir Einnahmen/ Ausgaben sichtbar machen, Budgets begrenzen und Puffer automatisierbar machen.
Was „Budgetieren bei unregelmäßigem Einkommen“ wirklich bedeutet
Bei schwankendem Einkommen ist das Ziel nicht, jeden Monat identisch zu leben. Das Ziel ist:
- Fixkosten jederzeit sicher zahlen (Miete, Strom, Versicherungen, Kita, Kredite)
- variable Ausgaben flexibel steuern (Lebensmittel, Freizeit, Kleidung)
- „echte“ unregelmäßige Ausgaben vorfinanzieren (Kfz-Steuer, Jahresbeiträge, Reparaturen)
- einen Puffer aufbauen, damit du nicht vom nächsten Zahlungseingang abhängig bist
Das ist im Kern eine Übersetzungsarbeit: Du machst aus unregelmäßigen Belastungen monatliche, planbare Beträge. Genau diesen Ansatz empfiehlt auch die Verbraucherzentrale: Ein- oder zweimal jährlich fällige Ausgaben auf den Monat umrechnen und als Rücklage zurücklegen.[^2]
Das Setup, das bei Schwankungen am besten funktioniert (und warum Apps dabei helfen)
1) Plane zuerst den „Mindest-Monat“
Ich setze in der App nicht mit Wunschdenken an („diesen Monat wird super“), sondern mit dem realistischen Mindest-Netto, mit dem du deine Basis schaffst. Das reduziert Stress, weil dein Budget nicht jeden Monat neu zusammenbricht.
Praktisch heißt das:
- Fixkosten werden voll budgetiert.
- Variable Budgets werden konservativ gesetzt.
- Alles, was darüber reinkommt, bekommt sofort Jobs (Puffer, Rücklagen, Ziele).
2) Baue „True Expenses“ als eigene Kategorien (Sinking Funds)
Das sind Ausgaben, die „plötzlich“ kommen, aber eigentlich planbar sind: Versicherungen, Kfz, Geschenke, Schule, Urlaub, Reparaturen.
Die Verbraucherzentrale-Logik ist hier Gold wert: Einnahmen – feste Ausgaben = Budget für veränderliche Ausgaben; als schnelle Kontrolle kannst du den Betrag durch vier teilen, um ein Wochenlimit zu bekommen.[^2]
Beispiel (vereinfacht):
- Mindest-Netto: 2.400 €
- Feste Ausgaben: 1.650 €
- Übrig: 750 €
- Wochenbudget (Pi-mal-Daumen): 750 € ÷ 4 = 187,50 € pro Woche[^2]
3) Arbeite mit einem Puffer („ein Monat voraus“)
Wenn du es schaffst, nicht sofort alles auszugeben, sondern erst „mit älterem Geld“ zu leben, werden Schwankungen viel weniger dramatisch. YNAB beschreibt das als Prinzip, einen Monat voraus zu sein und so weniger abhängig von Zahlungsterminen zu werden.[^3]
5 Apps, die dir das in der Praxis abnehmen (mein Praxis-Setup)
Ich habe die Apps so genutzt, wie es im Alltag wirklich passiert: einmal schnell einrichten, dann unterwegs buchen, Budgets checken, am Monatsende kurz nachjustieren. Hier sind fünf Lösungen, die sich für Deutschland gut eignen (teils international).
1) Finanzguru (Deutschland): „Konten + Verträge + Budgets“ in einem
Wie ich’s genutzt habe: Konto angebunden, Kategorien geprüft, dann die App vor allem als „Frühwarnsystem“ genutzt: Was läuft automatisch ab? Wo fressen Abos mein Budget? Im Alltag war der größte Hebel für mich nicht „noch mehr tracken“, sondern wiederkehrende Abbuchungen sichtbar machen.
Was bei unregelmäßigem Einkommen besonders hilft
- Budget-Kategorien für Fixkosten + variable Ausgaben
- Extra-Kategorie „Steuer/ Rücklage“ (bei Selbstständigen ein Muss)
- Vertrags- und Abo-Übersicht: gut, um in schwachen Monaten schnell Luft zu schaffen
Pros
- Unterstützt sehr viele Banken/ Konten und führt Umsätze zusammen (Multibanking).[^4]
- Budgets + Ausgabenübersicht sind schnell verständlich.[^4]
- Kündigungsfunktion: In der Hilfe ist der Ablauf klar beschrieben (inkl. Hinweis, dass Kündigungen nicht mehr zwingend Schriftform brauchen).[^5]
Cons
- Automatische Erkennung ist nie perfekt; du musst Kategorien und Regeln gelegentlich korrigieren (bei Vertrags-/Buchungslogik wird das auch so kommuniziert).[^6]
- Für sehr detaillierte, methodische Null-Budget-Planung ist eine „System-App“ wie YNAB oft stärker.
2) Outbank (Deutschland): Multibanking mit starkem Fokus auf Datensouveränität
Wie ich’s genutzt habe: Outbank war für mich die App, wenn ich „alles an einem Ort“ sehen will, ohne mich durch fünf Banking-Apps zu klicken. Budgets/Haushaltsbuch habe ich eher schlank gehalten (wenige Kategorien), dafür konsequent.
Was bei unregelmäßigem Einkommen besonders hilft
- Ein zentraler Blick auf Konten + wiederkehrende Posten
- Budgets als Leitplanken, nicht als starres Korsett
Pros
- Positioniert sich klar als App für „Konten, Budgets, Verträge, Haushaltsbuch“ in einer Lösung.[^7]
- Datenschutz-/Sicherheitsansatz: Laut Outbank werden Bankdaten lokal in einer verschlüsselten Datenbank gespeichert (AES256).[^8]
Cons
- Wenn du sehr „methodisch“ budgetierst (viele Töpfe, viele Ziele), kann es sich weniger wie ein Budget-System und mehr wie ein Finanz-Cockpit anfühlen.
- Je nach Bank-Anbindung kann Multibanking generell mal haken (das gilt branchenweit; nicht nur hier).
3) YNAB (international): Das beste System, wenn dein Einkommen schwankt
Wie ich’s genutzt habe: YNAB ist weniger „App zum Ausgeben tracken“ und mehr „App zum Entscheiden“. Ich habe jeden Euro, der reinkam, sofort verplant: erst Basis, dann Puffer, dann Ziele. Dadurch wird ein guter Monat automatisch zum Sicherheitsnetz für einen schwachen Monat.
Was bei unregelmäßigem Einkommen besonders hilft
- Fokus auf „Was kann ich jetzt für nächsten Monat zurücklegen?“ statt Gehaltsprognosen.[^3]
- „Einen Monat voraus“ sein, damit Fälligkeiten nicht mehr diktieren, wie du lebst.[^3]
- Prinzip „Age Your Money“: Geld möglichst mindestens ~30 Tage nicht anfassen – als Stress-Reduktion durch Puffer.[^9]
Pros
- Sehr stark für unvorhersehbare Einnahmen, weil es nicht auf „Monatsgehalt am 1.“ angewiesen ist.[^3]
- Das Regelwerk ist klar: Prioritäten ändern → Budget anpassen, ohne Schuldgefühle.[^9]
Cons
- Einarbeitung: Du musst die Methode wirklich annehmen, sonst wirkt es „streng“.
- Für manche ist die englische Methodik/Terminologie eine Hürde.
4) Spendee (international): Gut für gemeinsame Ausgaben – mit ein paar Grenzen
Wie ich’s genutzt habe: Spendee habe ich vor allem dann gemocht, wenn mehrere Personen einen gemeinsamen Topf haben (Familie/Partnerschaft): ein Wallet für „Haushalt“, ein Wallet für „Urlaub“, und jeder trägt Ausgaben ein. Für schwankendes Einkommen setze ich das als transparente Ausgaben-Schicht ein.
Was bei unregelmäßigem Einkommen besonders hilft
- Gemeinsame Ausgaben sichtbar machen (wer hat was gezahlt?)
- Budgets als Obergrenzen für variable Kategorien
Pros
- Shared Wallets sind vorgesehen (für Paare/Familien), inkl. Rollenlogik.[^10]
- Bank-Sync: Es gibt (je nach Bank) automatische/ manuelle Synchronisation; beschrieben ist ein Rhythmus „einmal in 24 Stunden“ und teils manuelles Refresh.[^11]
Cons
- Budgets lassen sich (Stand der Doku) nicht direkt „gemeinsam“ teilen; man kann Budgets im Shared Wallet nachbauen, aber es bleibt pro Person konfiguriert.[^12]
- Bank-Sync-Abdeckung ist nicht überall gleich gut (wird in der Hilfe selbst eingeschränkt).[^11]
5) Wallet by BudgetBakers (international): Viele Banken + Gruppen-Sharing (Premium)
Wie ich’s genutzt habe: Wallet war für mich ein „klassisches Haushaltsbuch, aber modern“. Ich habe es so eingesetzt: Bankumsätze reinholen, Budgets setzen, und für Familien/Paare ein gemeinsames Setup über Group Sharing.
Was bei unregelmäßigem Einkommen besonders hilft
- Automatische Kategorisierung + Budgets als Leitplanken
- Gruppensharing: gemeinsamer Blick auf bestimmte Konten/„Töpfe“
Pros
- Bank Sync mit sehr vielen Institutionen; beschrieben sind „15,000+“ und tägliche Updates sowie automatische Kategorisierung.[^13]
- Group Sharing ist als Premium-Feature dokumentiert, inklusive Schritt-für-Schritt für Android/iOS und Rechteverwaltung.[^14]
Cons
- Bank Sync ist (laut Help Center) ein Premium-Feature.[^15]
- Sharing kann je nach gewählter Berechtigung schnell „zu viel Zugriff“ werden – das musst du sauber einstellen.[^14]
Trends, die du 2026 bei Budget-Apps spürst (und worauf du achten solltest)
- Open Banking / PSD2: Kontoinformationsdienste sind ein eigenes, reguliertes Feld; BaFin beschreibt, dass PSD2 u. a. Kontoinformationsdienste in den Katalog der Zahlungsdienste aufgenommen hat (Registrierung/Erlaubnis je nach Dienst).[^16]
- „Unsichtbare Ausgaben“ werden sichtbar: Vertrags- und Abo-Logik ist ein großer Trend, weil kleine wiederkehrende Abbuchungen bei schwankendem Einkommen besonders nerven.[^5]
- Datenschutz als Feature: Manche Apps setzen stark auf lokale Speicherung/Verschlüsselung statt „alles in die Cloud“.[^8]
- Shared Finance: Familien- und Paar-Finanzen werden als eigener Use Case ernst genommen (Shared Wallets/Group Sharing).[^10][^14]
Kurzfazit
Unregelmäßiges Einkommen wird erst dann anstrengend, wenn du es wie ein regelmäßiges behandeln willst. Eine gute Budget-App hilft dir, Fixkosten zu sichern, echte unregelmäßige Ausgaben monatlich zu glätten und Überschüsse automatisch in Puffer und Ziele zu lenken. Wenn du ein klares System willst, ist YNAB stark; wenn du in Deutschland Multibanking plus Alltagsfunktionen willst, sind Finanzguru und Outbank praktisch; für gemeinsame Haushalte sind Spendee und Wallet solide Optionen – jeweils mit klaren Stärken und Grenzen.
Quellen
[^1]: Statistisches Bundesamt (Destatis): „Sparquote in Deutschland mit 10,3 % im 1. Halbjahr 2025 leicht unter Vorjahresniveau“ (28.10.2025). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_N059_81.html
[^2]: Verbraucherzentrale: „Haushaltsbuch führen: Überblick über Ihre Finanzen“ (Stand: 16.10.2024). https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/haushaltsbuch-fuehren-ueberblick-ueber-ihre-finanzen-52179
[^3]: YNAB: „Irregular Income“ (Guide: Unpredictable Income). https://www.ynab.com/guide/unpredictable-income/
[^4]: Finanzguru: „Finanzguru App: Smarter Finanzassistent für den Alltag“ (Funktionen, u. a. Bank-Unterstützung). https://finanzguru.de/finanzwissen/finanzguru-app
[^5]: Finanzguru Hilfe: „Wie kündige ich einen Vertrag?“ (25.03.2024). https://hilfe.finanzguru.de/de/articles/1366850
[^6]: Finanzguru Hilfe: „Warum werden zwei Verträge als ein Vertrag erkannt?“ (10.12.2024). https://hilfe.finanzguru.de/de/articles/3128898
[^7]: Outbank: Produktseite („Konten, Budgets, Verträge, Haushaltsbuch“). https://outbankapp.com/
[^8]: Outbank Helpdesk: „…alle Bankdaten… lokal… (per AES256) verschlüsselt…“ (Daten löschen/Datensicherheit). https://help.outbankapp.com/kb/articles/ich-m-chte-die-app-nicht-mehr-weiter-nutzen-wie-kann-ich-alle-daten-inkl-id-l-schen
[^9]: YNAB Blog: „The New Rules“ (Rule Four/„Age Your Money“, 30 Tage als Prinzip). https://www.ynab.com/blog/the-new-rules
[^10]: Spendee Help Center: „Shared Wallets“ (Last updated 03.05.2022). https://help.spendee.com/article/224-shared-wallets
[^11]: Spendee Help Center: „How to sync a bank account?“ (Last updated 12.01.2021). https://help.spendee.com/article/140-sync-my-bank-account-with-spendee
[^12]: Spendee Help Center: „Can I share budgets?“ (Last updated 09.12.2020). https://help.spendee.com/article/215-is-it-possible-to-share-budgets
[^13]: BudgetBakers (Wallet): „Bank Sync – Connect 15,000+ Banks“ (Features/Security claims). https://budgetbakers.com/en/products/wallet/features/bank-sync/
[^14]: Wallet Help Center (BudgetBakers): „Everything about Group Sharing“ (Premium feature, Anleitung Android/iOS). https://support.budgetbakers.com/hc/en-us/articles/7149394922002-How-does-group-sharing-work-
[^15]: Wallet Help Center (BudgetBakers): „Getting Started with Wallet“ (Hinweis: Bankverbindungen auf bezahlten Plänen). https://support.budgetbakers.com/hc/en-us/articles/7151352625938-Getting-Started-with-Wallet
[^16]: BaFin: „Zahlungsdienste und PSD2“ (Kontoinformationsdienste/Regulierung). https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/ZahlungsdienstePSD2/ZahlungsdienstePSD2_artikel.html



