Sinking-Fund-Apps: Monatlich für Jahreskosten sparen

Stell dir vor, deine Autoversicherung, der Jahresbeitrag fürs Fitnessstudio oder die nächste Kfz-Steuer ist nicht „plötzlich“ da – sondern längst bezahlt, bevor die Rechnung kommt. Genau dafür sind Sinking Funds da. Und das ist relevanter, als es klingt: In Deutschland lag die Sparquote privater Haushalte im 1. Halbjahr 2025 bei 10,3% (im Schnitt knapp 270 € pro Person und Monat) – ein Durchschnitt, der aber nichts darüber sagt, wie entspannt sich dein Kontostand bei Jahresrechnungen anfühlt.[1]

Was ist ein Sinking Fund (und warum hilft er so sehr)?

Ein Sinking Fund ist eine zweckgebundene Rücklage für größere, seltene oder planbare Kosten. Du weißt: Die Ausgabe kommt. Du weißt nur nicht, ob sie sich dann „leicht“ oder „schwer“ anfühlt. Der Trick: Du teilst sie in Monatsraten, die in deinem Budget wie eine normale Fixkosten-Position laufen.

Ein sehr treffender Merksatz aus der Budget-Logik dahinter lautet:

“Take large or infrequent expenses and break them down into manageable monthly chunks.”[2]

Das ist im Grunde das digitale Umschlagprinzip – nur ohne Bargeld, ohne Chaos und (wenn du willst) mit Automatisierung.

Typische Sinking-Fund-Kategorien (für Familien & Singles)

  • Jährliche Versicherungen (Hausrat, Haftpflicht, Kfz, Rechtsschutz)
  • Kfz-Kosten (Steuer, Inspektion, Reifen, TÜV)
  • Wohnen (Nebenkosten-Nachzahlung, Grundsteuer, Wartung)
  • Kinder (Schule, Vereinsbeiträge, Klassenfahrten)
  • Digitales (Jahresabos für Software/Streaming)
  • Gesundheit (Zahnzusatz, Brille, Vorsorge)

So rechnest du deinen Monatsbetrag (simpel, aber mächtig)

Die Rechnung ist fast zu banal – und genau deshalb funktioniert sie:

Monatsrate = Jahreskosten ÷ 12

Beispiel:

  • Jahresbeitrag Haftpflicht: 96 €
  • Monatsrate: 96 € ÷ 12 = 8 € / Monat

Für Kosten, die nicht exakt jährlich kommen, kannst du genauso rechnen:

  • TÜV + kleine Reparaturen: 600 € alle 24 Monate
  • Monatsrate: 600 € ÷ 24 = 25 € / Monat

Wichtig ist nicht Perfektion, sondern Planbarkeit: Du willst, dass dein Monatsbudget ruhig bleibt – auch wenn deine Rechnungen es nicht sind.

Was eine gute Sinking-Fund-App können muss

Wenn ich Apps für Sinking Funds nutze, achte ich auf fünf Dinge:

  • Töpfe / Unterkonten / Sparziele: getrennte „Umschläge“ pro Jahreskosten
  • Automatisierung: Regeln, Daueraufträge oder wiederkehrende Transfers
  • Transparenz: sehe ich sofort, ob der Topf „voll genug“ ist?
  • Gemeinsam nutzbar (optional): Partner:in / WG / Familienkasse
  • Alltagstauglich: schnell, ohne dass ich jedes Mal ein Finanz-Spreadsheet aufmachen muss

5 Apps, mit denen Sinking Funds in der Praxis funktionieren

Unten sind fünf Apps, die ich in genau diesem „Jahreskosten-Problem“ praktisch fand – jeweils mit dem Blick: Wie gut taugen sie als digitale Umschläge?

1) N26 (Spaces)

So habe ich’s genutzt: Für jede Jahresrechnung ein eigener Space (z.B. „Kfz“, „Versicherungen“, „Urlaub“). Dann monatlich eine Regel, die Geld automatisch rüberschiebt. N26 beschreibt Spaces als Sub-Accounts, inklusive Sparzielen und – je nach Setup – Automatisierungen wie Rules und Round-Ups.[3][4]

Praktisch fand ich das „Kleingeld-Sparen“ als Nebenmotor: In einem N26-Beispiel wird bei einem Kauf über 2,70 € der Differenzbetrag 0,30 € automatisch in den Space geschoben (und mit Multiplikator auch mehr).[4]

Pros

  • Sehr „Sinking-Fund-tauglich“, weil mehrere Töpfe (bis zu 10) möglich sind.[4]
  • Automatisierung (Rules/Round-Ups) spart Denkenergie.[4]
  • Fühlt sich im Alltag an wie „Fixkosten parken“.

Cons

  • Spaces sind an Mitgliedschaften gekoppelt (je nach Konto-Modell).[3]
  • Wenn du schon ein anderes Hauptkonto liebst, ist ein kompletter Wechsel nicht für jede:n sinnvoll.

2) Revolut (Pockets)

So habe ich’s genutzt: Ein Pocket pro Jahresrechnung, dazu ein Recurring Transfer am Monatsanfang. Revolut beschreibt, dass du einmalige oder wiederkehrende Einzahlungen in Pockets einrichten kannst – inklusive „Spare Change“ (Aufrunden).[5]

Für Rechnungen per Lastschrift ist interessant: Wenn in einem „Bills Pocket“ nicht genug liegt, bekommst du vorher eine Benachrichtigung; ist zu wenig da, wird (je nach Situation) auf das Hauptkonto zurückgegriffen oder die Zahlung kann fehlschlagen.[6]

Pros

  • Sehr gut für Automatisierung: wiederkehrende Transfers + Aufrunden.[5]
  • Pockets wirken wie klare, visuelle Umschläge.
  • Optional auch als Gruppending nutzbar (z.B. gemeinsames Ziel-Pocket).[7]

Cons

  • Je nachdem, wie du Revolut sonst nutzt, kann’s schnell „zu viel Feature“ werden.
  • Für saubere Jahreskosten-Planung brauchst du Disziplin beim Benennen/Strukturieren.

3) Outbank (Budgets & Sparziele)

So habe ich’s genutzt: Outbank als „Finanz-Zentrale“: Konten zusammenführen, Ausgaben kategorisieren, dann pro Jahreskosten ein Budget oder Sparziel anlegen. Outbank erklärt, dass Budgets an Kategorien/Tags hängen und automatisch mit Transaktionen aktualisiert werden.[8] Für Budgets gibt’s außerdem Benachrichtigungen, sobald du 90% bzw. 100% erreicht hast.[9]

Spannend für Sinking Funds: Outbank bietet Sparziele, die du mit Kategorien/Tags verknüpfst; zusätzlich kann ein Saldo „minus Sparziele“ angezeigt werden, damit du das Geld nicht aus Versehen ausgibst.[10]

Preislich ist Outbank als Abo ausgewiesen, z.B. 3,99 €/Monat oder 39,99 €/Jahr (Stand laut Preisseite).[11]

Pros

  • Sehr stark, wenn du viele Konten und ein echtes Haushaltsbuch willst.
  • Budgets/Sparziele greifen direkt in Auswertungen – wirkt „ernsthaft“.
  • Benachrichtigungen bei Budgetgrenzen (90/100%) helfen, nicht blind zu werden.[9]

Cons

  • Abo-Modell.[11]
  • Du musst sauber kategorisieren/taggen, sonst verpufft der Nutzen.[8]

4) Finanzguru (Konten, Verträge, Prognose)

So habe ich’s genutzt: Als „Frühwarnsystem“: wiederkehrende Verträge/Abbuchungen erkennen lassen und meine Jahreskosten als planbare Posten sichtbar machen. Finanzguru beschreibt, dass die App zukünftige Ausgaben aus Verträgen erkennt und damit eine Prognose liefert.[12] Im Hilfeartikel wird erklärt, dass die Vertragsprognose typischerweise auf dem Median der letzten drei Buchungen basiert (mit Sonderregeln bei stark schwankenden Beträgen).[13]

Pros

  • Prognose-Feeling: du siehst eher, was „kommt“, bevor es knallt.[12][13]
  • Für viele sehr niedrigschwellig, weil vieles automatisch läuft.
  • Gut, um wiederkehrende Zahlungen/Verträge im Blick zu behalten.

Cons

  • Sinking Funds sind nicht automatisch „Töpfe“ – du brauchst trotzdem eine Struktur (z.B. Kategorien/Notizen/Separates Konto).
  • Prognosen hängen an Datenqualität und Erkennung (nicht immer perfekt).[13]

5) YNAB (Zero-Based Budgeting & „True Expenses“)

So habe ich’s genutzt: Als konsequentes „Jeder-Euro-hat-einen-Job“-System: Jahreskosten bekommen eigene Kategorien, die ich monatlich befülle. YNAB erklärt das Prinzip der „True Expenses“ explizit so, dass große oder seltene Ausgaben in monatliche Stücke zerlegt werden – und nennt das auch direkt „sinking funds“.[2]

Pros

  • Extrem stark für echte Sinking-Fund-Disziplin: Kategorien sind nicht Deko, sondern Plan.
  • Du spürst schnell, ob dein Budget realistisch ist.
  • Ideal, wenn du gern aktiv steuerst (statt nur zu tracken).

Cons

  • Lernkurve: Das System will verstanden werden, sonst wirkt es sperrig.
  • Weniger „Bank-Topf“, mehr „Budget-Topf“ (mental anders, aber wirkungsvoll).
  • Mehr Unterkonten/Spaces/Pockets: Banken und Fintechs bauen Töpfe aus, weil Menschen Ausgaben lieber „visuell“ trennen als im Kopf zu jonglieren.[3][5]
  • Automatisierung statt Willenskraft: Round-Ups, Regeln und wiederkehrende Transfers machen aus guten Vorsätzen echte Routinen.[4][5]
  • Bessere Prognosen: Apps versuchen, zukünftige Belastungen datenbasiert vorherzusehen (damit du nicht erst reagierst, wenn’s zu spät ist).[12][13]

Mini-Fazit

Sinking Funds sind keine fancy Spar-Challenge, sondern eine ziemlich nüchterne Methode: Du machst unregelmäßige Kosten regelmäßig. Mit den richtigen Apps fühlt sich das nicht nach Verzicht an, sondern nach Ruhe im Monat – selbst wenn im Jahr mehrere große Rechnungen warten.[1][2]


Referenzen

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis) – „Sparquote in Deutschland mit 10,3% im 1. Halbjahr 2025…“ (28.10.2025): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_N059_81.html
  2. YNAB – „What is a Sinking Fund & How To Set One Up“ (Artikel, Zugriff 26.01.2026): https://www.ynab.com/freedom-accounts-rainy-day-funds-sinking-funds-oh-my/
  3. N26 Support – „What are Spaces?“ (Zugriff 26.01.2026): https://support.n26.com/en-de/app-and-features/spaces/how-does-spaces-work
  4. N26 Blog – „All features of N26 Spaces“ (Zugriff 26.01.2026): https://n26.com/en-de/blog/all-features-of-n26-spaces
  5. Revolut Help – „Adding money to Pockets“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.revolut.com/en-US/help/app-features/vaults/how-do-i-put-money-into-vaults/
  6. Revolut Help – „What if I don't have enough money in my bills Pocket?“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.revolut.com/en-US/help/app-features/vaults/what-happens-if-i-don-t-have-sufficient-balance-in-my-bill-pocket-when-a-payment-is/
  7. Revolut Help – „How do I manage a Group Pocket?“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.revolut.com/en-US/help/app-features/vaults/how-do-i-manage-a-group-pocket/
  8. Outbank Helpdesk – „How can I set up a Budget in the Outbank App?“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.outbankapp.com/en/kb/articles/wie-kann-ich-budgets-f-r-meine-ausgaben-anlegen
  9. Outbank Helpdesk – „Wie kann ich Budgets für meine Ausgaben anlegen?“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.outbankapp.com/kb/articles/wie-kann-ich-budgetsder-app-anlegen
  10. Outbank Helpdesk – „Wie kann ich Sparziele in der Outbank App anlegen“ (Zugriff 26.01.2026): https://help.outbankapp.com/de/kb/articles/wie-kann-ich-sparziele-in-der-outbank-app-anlegen
  11. Outbank – „Preise / Outbank-Abos“ (Zugriff 26.01.2026): https://outbankapp.com/preise/
  12. Finanzguru – „Finanzguru App“ (Zugriff 26.01.2026): https://finanzguru.de/app.html
  13. Finanzguru Hilfe – „Wie wird die Vertragsprognose erstellt?“ (Bearbeitet 05.12.2024, Zugriff 26.01.2026): https://hilfe.finanzguru.de/de/articles/1346434