335 Euro pro Monat: So viel gaben private Haushalte in Deutschland 2023 im Schnitt für Nahrungsmittel aus, meldet das Statistische Bundesamt Destatis. Für Familien ist das schnell deutlich mehr. Kein Wunder, dass viele beim Einkauf zu Eigenmarken greifen und zusätzlich Apps nutzen.
Die kurze Antwort auf die Frage: Ja, Grocery Apps können deine Store-Brand-Bills, also deine Ausgaben für Eigenmarken und Alltagslebensmittel, senken. Aber sie sparen nicht automatisch Geld. Sie funktionieren nur, wenn du sie als Einkaufswerkzeug nutzt, nicht als Einladung für Extra-Käufe.
Der Trend ist klar: Laut Bitkom Research verwenden 67 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer mindestens eine App von Lebensmittelhändlern; im Schnitt sind es vier Apps. Gleichzeitig warnt der Verbraucherzentrale Bundesverband: 67 Prozent der Supermarkt-App-Nutzer:innen haben in den vergangenen zwei Jahren zusätzliche Käufe getätigt, um App-Angebote zu bekommen (vzbv).
Wie Supermarkt-Apps deine Eigenmarken-Kosten senken
Eine Grocery App spart vor allem über vier Wege:
- Digitale Coupons: Du aktivierst Rabatte vor dem Einkauf und scannst die App an der Kasse.
- App-exklusive Preise: Manche Artikel sind nur mit Kundenkarte oder App günstiger.
- Einkaufslisten und Prospekte: Du planst vorher, statt im Laden spontan zu entscheiden.
- Digitale Kassenbons: Du siehst nach dem Einkauf, was Eigenmarken, Markenprodukte und Rabatte wirklich gekostet haben.
Wichtig ist der Unterschied zwischen billig und günstiger. Eine App ist hilfreich, wenn sie deine normale Einkaufsliste günstiger macht. Sie wird teuer, wenn du wegen eines Coupons Dinge kaufst, die du ohne App nicht gekauft hättest.
Die Verbraucherzentrale bringt das Risiko gut auf den Punkt: Rabatte müssten „fair zugänglich“ und Datennutzung „transparent“ sein, schreibt der vzbv. Genau das solltest du im Kopf behalten.
1. Lidl Plus: Stark für Discounter-Einkäufe
Lidl Plus ist im Alltag eine der praktischsten Apps, wenn du regelmäßig bei Lidl einkaufst. Im Test wirkte sie am nützlichsten bei wiederkehrenden Basics: Joghurt, Käse, Tiefkühlware, Brotaufstrich, Haushaltsartikel. Laut Lidl findest du in der App zusätzliche Rabatte, digitale Kassenbons, wöchentliche Prospekte und Einkaufslisten (Lidl).
Für Eigenmarken ist das spannend, weil Lidl viele Alltagsprodukte unter eigenen Marken verkauft. Wenn ein Coupon genau auf ein Produkt fällt, das sowieso auf deiner Liste steht, ist der Effekt direkt sichtbar.
Vorteile:
- Gute Übersicht über Wochenangebote
- Digitale Kassenbons zeigen Rabatte nachvollziehbar
- Praktisch für regelmäßige Discounter-Einkäufe
- App-Angebote werden an der Kasse automatisch berücksichtigt, wenn du scannst
Nachteile:
- Du brauchst ein Lidl-Konto
- Manche Angebote verleiten zu größeren Packungen oder Zusatzkäufen
- Spart vor allem, wenn Lidl ohnehin dein Hauptmarkt ist
Mein Eindruck: Lidl Plus lohnt sich besonders für Familien, die viele Basics beim Discounter kaufen und vor dem Einkauf kurz die Coupons prüfen.
2. Kaufland App mit Kaufland Card: Gut für Großeinkäufe
Die Kaufland App ist stärker auf größere Warenkörbe ausgelegt. Kaufland nennt Extra-Rabatte, Coupons, Treuepunkte und digitale Kassenbons als zentrale App-Funktionen (Kaufland App bei Google Play). Zusätzlich beschreibt Kaufland Card XTRA wöchentliche Filialrabatte und exklusive Coupons (Kaufland).
Im Test war die App besonders hilfreich, wenn ein Wocheneinkauf geplant war. Du kannst Prospektangebote prüfen und danach entscheiden, ob Eigenmarke, Markenangebot oder Großpackung günstiger ist.
Vorteile:
- Viele Angebots- und Couponflächen in einer App
- Gut für Familien-Wocheneinkäufe
- Digitale Kassenbons helfen beim Nachrechnen
- Coupons lassen sich vor dem Einkauf gezielt aktivieren
Nachteile:
- Bei vielen Aktionen kann die Übersicht leiden
- Der größte Spareffekt entsteht oft erst bei größeren Einkäufen
- Du musst vor dem Einkauf aktiv planen
Mein Eindruck: Die Kaufland App ist stark, wenn du mit Liste einkaufst und nicht nur „mal kurz“ in den Markt gehst.
3. REWE App: Praktisch für Planung und Bonus-Guthaben
Die REWE App kombiniert Coupons, Angebote und das neue REWE Bonus-Programm. REWE beschreibt das Programm als Möglichkeit, Bonus-Guthaben in Euro zu sammeln und einzulösen (REWE Bonus). Für Coupons generiert die App laut REWE einen zusammengefassten Coupon-Code, den du an der Kasse scannst (REWE).
Für Eigenmarken wie ja! oder REWE Beste Wahl ist die App dann sinnvoll, wenn du vor dem Einkauf vergleichst: Ist die Eigenmarke günstiger oder ist ein Markenprodukt durch Coupon gerade billiger?
Vorteile:
- Gute Verbindung aus Coupons, Bonus und Einkaufplanung
- Scan&Go kann in teilnehmenden Märkten Zeit sparen (REWE)
- Nützlich für Singles, die kleinere Körbe planen
- Bonus-Guthaben ist leichter verständlich als abstrakte Punkte
Nachteile:
- Nicht jeder Coupon passt zu günstigen Eigenmarken
- Viele Vorteile hängen vom Markt und deinem Einkaufsverhalten ab
- Für reine Discounter-Preise ist REWE oft nicht die günstigste Basis
Mein Eindruck: Die REWE App ist gut, wenn du gern in einem Vollsortimenter einkaufst und bewusst zwischen Eigenmarke, Bio-Eigenmarke und Angebot wechselst.
4. PAYBACK App: Stark bei Partnern, aber mit Disziplin
PAYBACK ist keine reine Supermarkt-App, sondern ein Multipartner-Programm. Laut PAYBACK kannst du bei rund 700 Online-Shops und mehr als 30 Partnern vor Ort Punkte sammeln, Coupons nutzen und Punkte einlösen (PAYBACK). Im Lebensmittelbereich ist die App vor allem interessant, wenn du bei Partnern wie EDEKA, Netto oder dm einkaufst.
Der Vorteil liegt weniger in einzelnen Eigenmarken-Rabatten, sondern in der Bündelung: Haushaltsartikel, Drogerie, Vorräte und Lebensmittel laufen über ein Punktekonto.
Vorteile:
- Viele Partner in einer App
- Coupons können sich bei Drogerie- und Vorratskäufen lohnen
- Punkte lassen sich direkt oder später einlösen
- Gut, wenn du ohnehin bei PAYBACK-Partnern einkaufst
Nachteile:
- Punkte wirken oft größer, als der echte Euro-Vorteil ist
- Extra-Punkte können zu unnötigen Käufen verleiten
- Datenschutz und Tracking solltest du bewusst abwägen
Mein Eindruck: PAYBACK lohnt sich für Haushalte, die ihre Stammgeschäfte ohnehin nutzen. Für spontane Schnäppchenjagd ist es riskanter.
5. smhaggle: Preisvergleich statt Kundenbindung
smhaggle geht anders an die Sache heran. Die App verspricht, über eine Einkaufsliste die niedrigsten Kosten für deinen geplanten Einkauf zu errechnen und passende Händler vorzuschlagen (Google Play). Laut App Store kannst du außerdem Cashback sammeln, Produkte und Sonderangebote suchen und Einkaufslisten erstellen (Apple App Store).
Für Eigenmarken ist das interessant, weil du nicht nur eine Handelskette betrachtest. Wenn Milch, Pasta, Waschmittel oder Kaffee bei mehreren Märkten auf deiner Route liegen, hilft dir die App beim Preisgefühl.
Vorteile:
- Händlerübergreifender Blick statt nur eine Supermarkt-Kette
- Nützlich für Einkaufslisten und Angebotsvergleiche
- Cashback kann zusätzlich helfen
- Gut für preisbewusste Singles mit flexibler Einkaufsroute
Nachteile:
- Preis- und Angebotsdaten können je nach Region schwanken
- Mehrere Märkte anzufahren lohnt sich nicht immer
- Für Familien mit wenig Zeit kann der Aufwand zu hoch sein
Mein Eindruck: smhaggle ist am besten als Planungs-App vor dem Einkauf. Im Laden selbst ist sie weniger bequem als Lidl Plus, Kaufland oder REWE.
Was gerade bei Grocery Apps passiert
Supermarkt-Apps werden immer stärker zu Kundenbindungsprogrammen. Es geht nicht mehr nur um digitale Prospekte, sondern um personalisierte Coupons, Bonus-Guthaben, digitale Kassenbons, App-exklusive Preise und Bezahlen per App.
Gleichzeitig nimmt die Kritik zu. Die Verbraucherzentralen prüfen, ob App-Rabatte fair zugänglich sind und wie transparent Daten genutzt werden. Der vzbv sieht Supermarkt-Apps kritisch, weil sie Menschen zu Zusatzkäufen bewegen können. Für dich heißt das: Apps sind kein neutraler Sparautomat. Sie sind auch Marketing.
So nutzt du Apps, ohne mehr auszugeben
Am zuverlässigsten sparst du mit einer einfachen Regel: Erst Liste, dann App.
- Schreibe deine Einkaufsliste vor dem Öffnen der App.
- Aktiviere nur Coupons für Produkte, die du sowieso kaufen wolltest.
- Vergleiche den Grundpreis pro Kilo oder Liter, nicht nur den Rabatt.
- Prüfe nach dem Einkauf den digitalen Kassenbon.
- Lösche Apps, die dich regelmäßig zu Extra-Käufen bringen.
- Nutze Eigenmarken als Preisanker: Erst Eigenmarke prüfen, dann Marken-Coupon bewerten.
Gerade bei Familien lohnt sich ein fester Wochencheck. Bei Singles ist Flexibilität der Vorteil: Wenn ein haltbares Produkt wirklich günstig ist, kannst du gezielt Vorrat kaufen, ohne den Wocheneinkauf aufzublähen.
Welche App passt zu welchem Einkaufstyp?
| Einkaufstyp | Beste App im Test | Warum |
|---|---|---|
| Discounter-Stammkunde | Lidl Plus | Viele Basics, digitale Bons, schnelle Coupons |
| Familien-Wocheneinkauf | Kaufland App | Große Körbe, viele Angebote, Extra-Rabatte |
| Vollsortimenter-Fan | REWE App | Coupons, Bonus-Guthaben, gute Planung |
| Partner- und Drogerie-Käufe | PAYBACK | Punkte und Coupons über mehrere Händler |
| Preisvergleich vor dem Einkauf | smhaggle | Händlerübergreifende Einkaufslisten und Angebote |
Fazit
Grocery Apps können deine Eigenmarken-Rechnung senken, aber sie ersetzen keinen Preisvergleich im Kopf. Am stärksten sind sie bei geplanten Einkäufen, digitalen Coupons und Kassenbon-Kontrolle. Am schwächsten sind sie, wenn du dich von App-Angeboten zu Produkten ziehen lässt, die gar nicht auf deiner Liste standen.
Für die meisten Haushalte ist eine kleine Kombination sinnvoll: eine App für den Stamm-Supermarkt, eine für Drogerie oder Punkte und eine Preisvergleichs-App für größere Einkäufe.
Quellen
- Destatis: Lebenshaltungskosten und Konsumausgaben privater Haushalte
- Bitkom Research: Zwei Drittel nutzen Apps beim Lebensmitteleinkauf
- vzbv: Supermarkt-Apps: Rabatte im Tausch gegen Daten
- vzbv: Fragen und Antworten zu Supermarkt-App-Klagen
- Lidl: Wie funktioniert Lidl Plus?
- Kaufland: Kaufland Card XTRA Coupons
- Kaufland App bei Google Play
- REWE Bonus
- REWE: App Coupons einlösen
- REWE Scan&Go
- PAYBACK Bonusprogramm
- smhaggle bei Google Play
- smhaggle im Apple App Store



