Du steigst aus dem Flieger, machst kurz Maps auf – und zack, das Handy bucht sich irgendwo ein. Innerhalb der EU ist das oft entspannter als viele denken: „As of 15 June 2017, people don't pay extra for roaming while travelling to other EU countries.“[^1] Draußen (Schweiz, Türkei, USA, Asien, Kreuzfahrt, Flug) sieht die Welt aber anders aus – und genau da sind eSIM-Apps für viele Familien und Sparfüchse ein echter Gamechanger.
Damit du nicht im Tarif-Dschungel landest, bekommst du hier eine klare Erklärung, aktuelle Entwicklungen – und 5 eSIM-Apps, die sich als praktische Lösungen bewährt haben.
Roaming-Gebühren vermeiden: So funktioniert’s mit eSIM-Apps
Eine eSIM ist eine digitale SIM (kein Plastik), die du per App/QR-Code auf dein Smartphone lädst. Statt teurem Roaming nutzt du im Reiseland ein lokales (oder regionales) Datenpaket eines eSIM-Anbieters. Du behältst dabei meist:
- deine deutsche Nummer für Anrufe/SMS (über deine normale SIM)
- günstigere mobile Daten über die eSIM (für WhatsApp, Maps, Tickets, Banking, Streaming)
In der Praxis sieht das oft so aus:
- In der App Reiseland/Region auswählen.
- Datenpaket kaufen (z. B. „7 Tage / X GB“ oder „unlimited“).
- eSIM installieren (in iOS/Android unter „Mobilfunk“).
- Datenleitung auf die eSIM legen, deutsche SIM für Anrufe aktiv lassen (Dual-SIM).
- Im Zielgebiet verbindet sich das Handy automatisch mit einem Partnernetz.
Warum das gerade für preisbewusste Haushalte wichtig ist
- Kostenkontrolle: Du legst vorher fest, wie viel Daten du kaufst.
- Kein „Bill Shock“ durch Hintergrunddaten: Außerhalb der EU können Apps im Hintergrund sonst still weiterfunken (Cloud-Fotos, Updates, Tracking).
- Planbar für Familien: Für jede Person ein Paket – oder ein Hotspot-Handy als „Reise-Router“.
Drei Zahlen, die du kennen solltest (und was sie bedeuten)
- EU-Roaming ohne Aufpreis seit 15. Juni 2017 (vereinfacht: „Roam like at home“ in der EU).[^1]
- Kostenbremse gegen Schockrechnungen: Wenn du auf einem Netz bist, das nicht unter „Roam like at home“ fällt (z. B. Satellitennetz im Flugzeug/auf dem Schiff), warnt dich der Anbieter – und bei 50 € Zusatzkosten greift ein automatischer Stopp (Cut-off), sofern du nichts anderes eingestellt hast.[^1]
- Daten-Preisdeckel im EU-Roaming (Wholesale): Die EU nennt als Beispiel einen maximalen Großhandelspreis von 2 €/GB (+ MwSt.) ab 2022, der bis 1 € in 2027 sinken soll.[^1] (Heißt nicht automatisch, dass du das als Endkunde bezahlst – aber es erklärt, warum EU-Roaming grundsätzlich stärker reguliert ist als „Rest der Welt“.)
Konkretes Rechenbeispiel aus der Praxis: Wenn du außerhalb der EU bist und lieber mit einem fixen Paket planst, ist der Vorteil simpel: Du kaufst z. B. 5 GB und weißt, dass nach 5 GB Schluss ist (oder du aktiv nachlädst). Zum Vergleich: Im EU-Kontext zeigt der EU-Deckel als Orientierung, dass 5 GB x 2 €/GB = 10 € (zzgl. MwSt.) als Großhandelsobergrenze im Raum steht.[^1]
Worauf du bei eSIM-Apps wirklich achten solltest
Bevor wir zu den 5 Picks kommen, hier die Checkliste, die dir am meisten Geld und Nerven spart:
- Kompatibilität: Unterstützt dein Handy eSIM wirklich? (Bei manchen günstigen Modellen: nein.)
- Abdeckung: „Land“ ist nicht gleich „Land“ – wichtig sind Partnernetze und Regionen (Stadt vs. Land).
- Gültigkeit: Startet die Laufzeit beim Kauf oder erst bei Aktivierung im Zielland?
- Top-ups: Kannst du unterwegs einfach nachladen?
- Hotspot/Tethering: Für Familien extrem praktisch, aber nicht bei jedem „Unlimited“-Tarif sinnvoll oder erlaubt.
- Telefonie: Viele Reise-eSIMs sind data-only. Für Telefonate nutzt du dann WhatsApp/FaceTime/Signal – oder behältst deine deutsche SIM aktiv.
5 eSIM-Apps, die Roaming-Gebühren praktisch umgehen
Wichtig: Ich beschreibe hier die Nutzung so, wie sie sich im Alltag anfühlt (Kauf, Installation, Umschalten der Datenleitung, Nachladen). Netzqualität hängt immer vom Standort und Partnernetz ab – das ist bei allen Anbietern so.
1) Airalo – großer Klassiker für viele Länder
Airalo ist für viele der „Standard“, wenn man schnell ein Paket pro Land oder Region will.[^2]
So war’s in der Praxis
- Land auswählen, Paket kaufen, eSIM installieren.
- In iOS/Android die mobile Datenleitung auf Airalo stellen, deutsche SIM für Anrufe lassen.
Vorteile
- Sehr breite Länderauswahl und viele Paketgrößen.[^2]
- Häufig sowohl Länder- als auch Regionalpakete.[^2]
- Nachladen (Top-up) ist bei vielen Paketen möglich (je nach Tarif).[^2]
Nachteile
- Häufig data-only – wer „klassisch telefoniert“, muss umdenken.[^2]
- Je nach Land können mehrere Paketoptionen verwirrend wirken (Laufzeit, GB, Netzpartner).
2) Holafly – beliebt wegen „Unlimited“-Ansatz (je nach Land)
Holafly positioniert sich stark über „unlimited data“-Tarife für viele Reiseziele.[^3]
So war’s in der Praxis
- Sehr schnell zum passenden Landestarif, Fokus auf Reisedauer.
- Installation wie bei anderen eSIM-Apps: eSIM hinzufügen, Datenleitung umstellen.
Vorteile
- „Unlimited“-Tarife können sich gut anfühlen, wenn du wirklich viel Daten brauchst (z. B. Social Media, Navigation, Arbeit).[^3]
- Klarer Fokus auf Reisetage statt komplizierter GB-Rechnerei.[^3]
Nachteile
- „Unlimited“ ist nicht immer gleichbedeutend mit „ohne Regeln“ (Fair-Use/Netzpolitik kann eine Rolle spielen).[^3]
- Für Familien ist Hotspot-Nutzung je nach Tarifbedingungen ein Punkt, den man vorher prüfen sollte.[^3]
3) Nomad – übersichtliche Pakete, oft gut für „Planer“
Nomad bietet eSIM-Datenpläne für viele Länder/Regionen, ebenfalls überwiegend data-only.[^4]
So war’s in der Praxis
- Gute Übersicht nach Land/Region.
- Aktivierung und Wechsel der Datenleitung sind Standard, Einrichtung ist insgesamt unkompliziert.
Vorteile
- Breite Auswahl an Ländern und Paketen.[^4]
- Häufig unterschiedliche „Provider“-Optionen pro Land (hilfreich, wenn du Netze vergleichen willst).[^4]
Nachteile
- Data-only: klassische Telefonie bleibt bei deiner deutschen SIM bzw. über VoIP-Apps.[^4]
- Je nach Land können sich Preise und Netzpartner stark unterscheiden – du musst kurz vergleichen.
4) Ubigi – stark bei Regionen und auch für Laptops/Router interessant
Ubigi ist bekannt für eSIM-Datenpakete und taucht auch im Kontext von eSIM-fähigen Geräten neben Smartphones auf.[^5]
So war’s in der Praxis
- Solider „Travel Data“-Flow: Ziel auswählen, Paket aktivieren, los.
- Für Vielreisende sind Regionenpakete praktisch, wenn du mehrere Länder „in einem Rutsch“ machst.
Vorteile
- Regionenpakete können bequem sein, wenn du z. B. mehrere Stopps hast.[^5]
- Fokus auf Reise-Daten, oft klare Paketlogik.[^5]
Nachteile
- Auch hier meist data-only – für manche ein Umstieg im Kopf.
- Wie bei allen: Abdeckung hängt vom Partnernetz ab; auf dem Land kann’s anders aussehen als in der Stadt.
5) aloSIM – gute Wahl, wenn du „App auf, Paket rein“ willst
aloSIM ist ein weiterer Reise-eSIM-Anbieter mit Datenpaketen für viele Länder.[^6]
So war’s in der Praxis
- Vergleichbar schneller Start wie bei den anderen: Paket wählen, eSIM installieren, Datenleitung umstellen.
Vorteile
- Viele Länderoptionen und klare Kauf-/Installationsschritte.[^6]
- Praktisch, wenn du kurzfristig noch Daten brauchst und nicht erst beim Mobilfunkanbieter nach Optionen suchen willst.[^6]
Nachteile
- Häufig data-only – du nutzt WhatsApp & Co. oder lässt deine normale SIM für Anrufe aktiv.[^6]
- Tarifdetails (Laufzeit, Top-ups) unterscheiden sich je nach Land – kurz reinschauen lohnt.
Aktuelle Trends: Warum eSIM-Apps gerade „einfacher“ werden
- Mehr Geräte sind eSIM-ready: eSIM ist inzwischen bei sehr vielen neueren Smartphones Standard – und damit werden eSIM-Apps automatisch massentauglicher.[^7]
- Mehr Transparenz bei Kostenfallen: Regulierung und Hinweise (z. B. automatische Warn-SMS und Cut-off bei 50 € Zusatzkosten in bestimmten Szenarien) machen es leichter, Überraschungen zu vermeiden.[^1]
- Mehr Fokus auf Multi-Land-Reisen: Regionalpakete sind im Trend, weil viele Reisen nicht mehr „ein Land, ein Hotel“ sind, sondern Roadtrips und Stopps.
Kurzes Fazit
Wenn du außerhalb der EU reist, sind eSIM-Apps oft der einfachste Weg, Roaming-Kosten planbar zu machen: Du kaufst ein Paket, stellst die Datenleitung um und behältst die Kontrolle. Welche App am besten passt, hängt weniger von „der einen besten“ ab – und mehr von deinem Reiseziel, deiner Reisedauer und der Frage, ob du eher GB oder eher „Unlimited“ willst.
Quellen / Referenzen
[^1]: Europäische Kommission – Shaping Europe’s digital future: „Roaming“ (u. a. Roam-like-at-home seit 15. Juni 2017, Cut-off-Mechanismus, Großhandelsdeckel 2 €/GB ab 2022, sinkend bis 1 € in 2027), zuletzt aktualisiert 23.10.2024. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/roaming
[^2]: Airalo – Offizielle Website (Länder-/Regional-eSIMs, Funktionsweise, Pakete). https://www.airalo.com/
[^3]: Holafly – Offizielle Website (eSIM-Tarife, u. a. „Unlimited data“ je nach Ziel). https://www.holafly.com/
[^4]: Nomad – Offizielle Website (eSIM-Datentarife nach Land/Region). https://www.getnomad.app/
[^5]: Ubigi – Offizielle Website (eSIM-Datenpläne, Reise-/Regionenpakete). https://www.ubigi.com/
[^6]: aloSIM – Offizielle Website (Reise-eSIM Datenpakete, Funktionsweise). https://alosim.com/
[^7]: GSMA – eSIM (Grundlagen/Einordnung eSIM als Industriestandard). https://www.gsma.com/esim/



