Pflege kostet nicht nur Zeit und Kraft, sondern oft auch gemeinsames Geld. Medikamente, Fahrten, Lebensmittel, Hilfsmittel oder eine Haushaltshilfe werden schnell von unterschiedlichen Familienmitgliedern bezahlt.
Wie viele Menschen das betrifft, zeigen aktuelle Zahlen: Ende 2023 lebten in Deutschland knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftige. Davon wurden 86 Prozent beziehungsweise 4,9 Millionen Menschen zu Hause versorgt. Rund 3,1 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend von Angehörigen gepflegt, berichtet das Statistische Bundesamt.
Dort heißt es treffend:
„Knapp neun von zehn Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt.“
Damit entstehen viele Pflegeausgaben mitten im Familienalltag. Eine App zur Kostenteilung ersetzt keine finanzielle Vereinbarung – sie macht diese aber sichtbar, nachvollziehbar und leichter abrechenbar.
Was bedeutet eine faire Aufteilung der Pflegekosten?
Pflegekosten fair zu teilen bedeutet nicht automatisch, jede Rechnung durch die Zahl der Geschwister oder Angehörigen zu dividieren. Fair kann je nach Situation etwas anderes heißen:
- gleiche Anteile für alle Beteiligten
- prozentuale Anteile nach Einkommen
- höhere Geldbeiträge für Personen, die weniger Pflegearbeit übernehmen
- Beteiligung nur an bestimmten Kostenarten
- vollständige Erstattung vorgestreckter Ausgaben
- Abzug von Leistungen der Pflegeversicherung vor der Aufteilung
Wichtig ist die Trennung zwischen Auslage und Kostenanteil. Wenn Du 120 Euro für ein Hilfsmittel bezahlst, hast Du zunächst 120 Euro vorgestreckt. Ob Du davon am Ende selbst 30, 40 oder 60 Euro trägst, hängt von Eurer Vereinbarung ab.
Auch das Pflegegeld sollte sauber berücksichtigt werden. Es wird an die pflegebedürftige Person überwiesen, die grundsätzlich frei darüber verfügen kann. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums beträgt es derzeit monatlich 347 Euro bei Pflegegrad 2, 599 Euro bei Pflegegrad 3, 800 Euro bei Pflegegrad 4 und 990 Euro bei Pflegegrad 5 (BMG). Die App sollte deshalb dokumentieren können, ob eine Ausgabe privat geteilt oder zunächst aus Pflegeleistungen bezahlt wird.
So funktioniert die Kostenaufteilung per App
Das Grundprinzip ist bei fast allen Apps gleich:
- Ihr erstellt eine gemeinsame Gruppe, etwa „Pflegekosten Papa“.
- Jede beteiligte Person trägt ihre Ausgaben zeitnah ein.
- Zu jedem Eintrag werden zahlende Person, Betrag, Datum und Beteiligte festgelegt.
- Die App berechnet automatisch die jeweiligen Anteile.
- Aus allen Einträgen entsteht ein laufender Saldo.
- In regelmäßigen Abständen gleicht Ihr die offenen Beträge per Überweisung aus.
Ein Beispiel: Du bezahlst 90 Euro für Medikamente, Deine Schwester 60 Euro für Fahrten und Dein Bruder 30 Euro für Lebensmittel. Bei drei gleichen Anteilen trägt jede Person 60 Euro. Du erhältst daher 30 Euro zurück, Deine Schwester ist ausgeglichen und Dein Bruder schuldet noch 30 Euro.
Für eine faire Pflegekosten-Aufteilung sollte die Gruppe vorab festlegen, was eingetragen wird. Private Einkäufe, Geschenke und persönliche Fahrtwege gehören beispielsweise nur dann hinein, wenn alle Beteiligten sie als gemeinsame Pflegekosten anerkennen.
Fünf Apps für gemeinsame Pflegeausgaben
1. Splitwise: flexibel bei komplizierten Anteilen
Splitwise ist eine bekannte App zum Teilen gemeinsamer Ausgaben mit Familie, Freunden oder Haushaltsmitgliedern. Nach dem Speichern eines Eintrags aktualisiert sie die Salden aller Beteiligten automatisch (Splitwise-Hilfe).
Im Praxistest überzeugte besonders die flexible Aufteilung. Eine Rechnung lässt sich gleichmäßig, nach Prozenten oder mit unterschiedlichen Einzelbeträgen verteilen. Wiederkehrende Ausgaben eignen sich beispielsweise für regelmäßige Zuzahlungen oder Lieferdienste. Splitwise bestätigt, dass solche wiederkehrenden Einträge über die Web-App zentral verwaltet werden können (Splitwise-Hilfe).
Vorteile:
- sehr flexible Aufteilungsregeln
- übersichtliche Salden pro Person und Gruppe
- wiederkehrende Ausgaben möglich
- Kommentare und Belegbilder je Ausgabe
- für größere Familiengruppen geeignet
Nachteile:
- die kostenlose Version hat ein tägliches Eingabelimit (Splitwise)
- verschiedene Komfortfunktionen wie Währungsumrechnung und Belegscan gehören zum Pro-Angebot (Splitwise Pro)
- relativ viele Funktionen können für ungeübte Personen zunächst unübersichtlich wirken
Datenschutzhinweis: Gruppenmitglieder können unter anderem Betrag, Beschreibung, Datum, Kategorie, Kommentare, Änderungen und hochgeladene Belege sehen. Splitwise verarbeitet außerdem Nutzungsdaten, wie die aktuelle Datenschutzerklärung erläutert. Auf Belegen sollten daher möglichst keine Diagnosen, Versicherungsnummern oder anderen Gesundheitsdaten sichtbar sein.
Geeignet für: Familien, die Kosten nach unterschiedlichen Schlüsseln verteilen oder regelmäßig wiederkehrende Pflegeausgaben verwalten.
2. Tricount: schnell und leicht verständlich
Tricount konzentriert sich auf das gemeinsame Erfassen und Abrechnen von Ausgaben. Alle Teilnehmenden können Einträge hinzufügen und synchronisieren. Auch ungleiche Anteile sind möglich; laut Anbieter rechnet die App bis auf einen Cent genau, abgesehen von unvermeidbaren Rundungen (Tricount-Hilfe).
Im Test war eine Pflegegruppe schnell eingerichtet. Besonders angenehm ist die klare Trennung zwischen Ausgabe, Einnahme und Rückzahlung. Dadurch lässt sich beispielsweise ein Zuschuss als Einnahme erfassen, bevor der verbleibende Eigenanteil verteilt wird.
Vorteile:
- einfache Bedienung
- gleiche und ungleiche Aufteilung möglich
- gemeinsames Bearbeiten der Abrechnung
- offline nutzbar; Änderungen werden später synchronisiert (Tricount)
- Export als PDF oder CSV möglich
- Zahlungsanfragen lassen sich aus der App verschicken (Tricount)
Nachteile:
- weniger fein gegliedert als ein vollständiges Haushaltsbuch
- synchronisierte Einträge werden auf den Servern des Anbieters gespeichert
- keine spezielle Verwaltung von Pflegebudgets oder Erstattungsanträgen
Geeignet für: Familien, die ohne lange Einarbeitung gemeinsame Pflegekosten dokumentieren und regelmäßig abrechnen möchten.
3. Splid: unkompliziert und ohne Anmeldung
Splid ist eine schlanke Lösung für Menschen, die möglichst wenige Einstellungen benötigen. Du kannst eine Offline-Gruppe ohne Registrierung anlegen oder die Synchronisierung aktivieren, wenn mehrere Personen Einträge erfassen sollen. Nach Anbieterangaben unterstützt die App mehr als 150 Währungen und exportiert Abrechnungen als PDF oder Excel-Datei (Splid).
Im Praxistest war Splid die schnellste App für eine einfache Pflegekostenliste. Person auswählen, Betrag eingeben, Beteiligte markieren – fertig. Der reduzierte Aufbau eignet sich auch für Angehörige, die selten Finanz-Apps verwenden.
Vorteile:
- kein Konto für eine Offline-Gruppe erforderlich
- sehr kurze Einarbeitungszeit
- offline und synchronisiert verwendbar
- PDF- und Excel-Export
- mehr als 150 Währungen
Nachteile:
- weniger Zusatzfunktionen als Splitwise
- keine umfassende Aufgaben- oder Terminverwaltung
- eine rein offline geführte Gruppe lässt sich nicht gemeinsam in Echtzeit bearbeiten
Geeignet für: Kleine Familiengruppen und Einzelpersonen, die vorgestreckte Pflegekosten möglichst einfach dokumentieren möchten.
4. Settle Up: stark bei komplexen Familiengruppen
Settle Up unterstützt gleiche Anteile, unterschiedliche Gewichtungen, mehrere zahlende Personen und Einnahmen. Die App kann außerdem die Zahl der notwendigen Ausgleichszahlungen reduzieren. Alle Ausgaben werden gesichert und innerhalb der Gruppe synchronisiert (Settle Up).
Im Test erwiesen sich die Gewichtungen als besonders praktisch. Verdient eine Person deutlich mehr, könnt Ihr beispielsweise feste Anteile von 50, 30 und 20 Prozent hinterlegen. Ein Gruppenlink ermöglicht zudem die Einsicht im Browser, ohne dass jede Person die App installieren muss. Offline erfasste Ausgaben werden nach der nächsten Verbindung synchronisiert (App Store).
Vorteile:
- flexible Gewichtung der Kostenanteile
- mehrere Personen können dieselbe Rechnung bezahlt haben
- Browserzugriff über Gruppenlink
- Offline-Modus
- unterstützt unterschiedliche Währungen
- CSV-Export und automatische Saldenberechnung
Nachteile:
- Werbung und In-App-Käufe
- Belegbilder, wiederkehrende Ausgaben, Statistiken und einige Exporte sind Premiumfunktionen
- die vielen Aufteilungsoptionen erfordern eine klare Familienvereinbarung
Geeignet für: Größere oder finanziell unterschiedlich aufgestellte Familien, die individuelle Beteiligungsquoten benötigen.
5. Flatastic: Kosten und Pflegealltag verbinden
Flatastic ist eigentlich eine Organisations-App für gemeinsame Haushalte. Sie kombiniert Haushaltsbuch, Einkaufsliste, Aufgabenverwaltung, Erinnerungen und eine Pinnwand (Flatastic). Genau das kann in der häuslichen Pflege nützlich sein: Neben Ausgaben lassen sich Einkäufe und organisatorische Aufgaben an einem Ort koordinieren.
Im Praxistest lag die Stärke weniger in komplizierten Abrechnungen als in der Verbindung von Geld und Alltag. Wer Medikamente abholt oder Pflegeprodukte einkauft, kann die Aufgabe organisieren und die Ausgabe anschließend im gemeinsamen Haushaltsbuch festhalten.
Vorteile:
- Haushaltsbuch und gemeinsame Organisation in einer App
- geteilte Einkaufslisten
- Aufgaben und Erinnerungen
- Pinnwand für kurze Absprachen
- deutschsprachig und auf Familienalltag ausgerichtet
Nachteile:
- weniger flexible Kostenaufteilung als spezialisierte Split-Apps
- für reine Auslagenabrechnungen umfangreicher als nötig
- die kostenlose Variante enthält Werbung
- laut Datenschutzerklärung können unter anderem Firebase und AdMob eingebunden sein (Flatastic-Datenschutz)
Geeignet für: Haushalte, die neben Pflegekosten auch Einkäufe, Zuständigkeiten und wiederkehrende Aufgaben koordinieren wollen.
Welche App passt zu welcher Pflegesituation?
| Situation | Passende App | Hauptgrund |
|---|---|---|
| Unterschiedliche Einkommensanteile | Splitwise oder Settle Up | Flexible Prozente und Gewichtungen |
| Möglichst einfache Bedienung | Splid | Reduzierter Aufbau, offline ohne Anmeldung |
| Schnelle gemeinsame Abrechnung | Tricount | Klare Salden und einfache Zusammenarbeit |
| Kosten plus Aufgaben koordinieren | Flatastic | Haushaltsbuch, Listen und Erinnerungen |
| Viele wiederkehrende Ausgaben | Splitwise oder Settle Up Premium | Automatisierte regelmäßige Einträge |
| Angehörige möchten keine App installieren | Settle Up | Einsicht über einen Gruppenlink |
Regeln, die Streit über Pflegekosten vermeiden
Selbst die beste Pflegekosten-App kann nur mit klaren Regeln fair rechnen. Diese Punkte sollten alle Beteiligten schriftlich festhalten:
- Welche Ausgaben gelten als gemeinsame Pflegekosten?
- Wird gleichmäßig oder nach Einkommen aufgeteilt?
- Wie wird unbezahlte Pflegearbeit berücksichtigt?
- Welche Leistungen der Pflegekasse werden vorher abgezogen?
- Müssen Belege hochgeladen werden?
- Wer darf Einträge nachträglich ändern?
- Wann erfolgt der Ausgleich – monatlich oder quartalsweise?
- Wie werden Rückerstattungen und Zuschüsse verbucht?
Eine sinnvolle Kategorienstruktur hält die Übersicht sauber, etwa Medikamente, Hilfsmittel, Fahrten, Haushalt, Betreuung und Umbauten. Aussagekräftige Bezeichnungen wie „Apothekenzuzahlung 14.06.“ sind besser als allgemeine Einträge wie „Papa“ oder „Sonstiges“.
Gesundheitsdaten gehören dagegen nicht in die Beschreibung. Die App benötigt weder eine Diagnose noch Angaben über den Gesundheitszustand, um 38,50 Euro aufzuteilen.
Aktuelle Entwicklung: mehr Transparenz, Exporte und Freemium
Apps zur Kostenteilung entwickeln sich zunehmend vom einfachen digitalen Schuldenzettel zum gemeinsamen Finanzwerkzeug. Offline-Nutzung, komplexe Aufteilungsschlüssel, Zahlungsanfragen, Belegbilder und Exporte sind inzwischen bei mehreren Anbietern verfügbar.
Gleichzeitig werden Komfortfunktionen häufiger kostenpflichtig. Splitwise begrenzt Eingaben im kostenlosen Tarif, während Settle Up Funktionen wie wiederkehrende Ausgaben oder Statistiken dem Premiumangebot zuordnet. Tricount wirbt dagegen aktuell mit einem Modell ohne Gebühren, Werbung und Nutzungslimits (Tricount). Solche Konditionen können sich ändern und sollten vor der langfristigen Nutzung geprüft werden.
Der Bedarf an transparenter Kostenverwaltung dürfte wachsen: Die privaten Haushalten beziehungsweise Angehörigen zugerechneten Ausgaben für häusliche Pflege beliefen sich 2023 auf 21,6 Milliarden Euro – 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr, so das Statistische Bundesamt.
Fazit
Apps können gemeinsame Pflegekosten sichtbar machen, individuelle Anteile berechnen und vorgestreckte Beträge zuverlässig dokumentieren. Splitwise und Settle Up bieten die größte Flexibilität, Tricount und Splid punkten mit einfacher Bedienung, während Flatastic Finanzen und Pflegeorganisation verbindet.
Fair wird die Aufteilung jedoch erst durch eine gemeinsame Vereinbarung. Die App liefert die Rechnung – welche Verteilung zur finanziellen Situation und zur geleisteten Pflegearbeit passt, entscheidet die Familie.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023
- Statistisches Bundesamt: Gesundheitsausgaben für häusliche Pflege
- Bundesgesundheitsministerium: Häusliche Pflege und Pflegegeld
- Splitwise: Funktionsübersicht
- Splitwise: Hilfe und wiederkehrende Ausgaben
- Splitwise: Datenschutzerklärung
- Tricount: Hilfe und Funktionsübersicht
- Tricount: Offline-Nutzung
- Splid: Offizielle Funktionsübersicht
- Settle Up: Offizielle Website
- Settle Up: App- und Funktionsbeschreibung
- Flatastic: Offizielle Funktionsübersicht
- Flatastic: Datenschutzerklärung



