Eine Mietkaution kann ein erheblicher Betrag sein: Nach § 551 BGB darf sie bis zu drei Nettokaltmieten betragen. Bei 1.000 Euro Kaltmiete stehen somit bis zu 3.000 Euro auf dem Spiel. Das Gesetz formuliert es eindeutig: Die Sicherheit darf „höchstens das Dreifache der auf einen Monat entfallenden Miete“ betragen (§ 551 BGB).
Eine gründliche Dokumentation beim Einzug schützt dieses Geld zwar nicht automatisch. Sie kann aber später nachvollziehbar zeigen, dass ein Kratzer, eine beschädigte Fliese oder ein Fleck bereits vor Deinem Einzug vorhanden war. Genau dafür sind Move-in Inspection Apps beziehungsweise Apps für digitale Wohnungsübergabeprotokolle gedacht.
Das Thema betrifft viele Haushalte: Laut Zensus 2022 wurden in Deutschland rund 22,6 Millionen Wohnungen beziehungsweise 56,3 Prozent zu Wohnzwecken vermietet oder mietfrei überlassen (Zensus 2022). Gleichzeitig gaben Hauptmieterhaushalte 2022 durchschnittlich 27,8 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Bei Haushalten mit einem Mietbeginn ab 2019 waren es sogar 29,5 Prozent (Statistisches Bundesamt). Eine gefährdete Kaution trifft daher oft auf ein ohnehin angespanntes Haushaltsbudget.
Was macht eine Move-in Inspection App?
Eine Move-in Inspection App führt Dich beim Einzug systematisch durch die Wohnung. Statt ungeordnete Bilder in der Handygalerie zu sammeln, verknüpft sie Fotos und Notizen mit dem jeweiligen Raum und Mangel.
Eine gute App für das Einzugsprotokoll erfasst mindestens:
- Adresse, Datum und beteiligte Personen
- Zustand jedes Raums
- vorhandene Mängel und Gebrauchsspuren
- Fotos mit verständlichen Beschreibungen
- Strom-, Gas-, Wasser- und Heizungszähler
- Anzahl und Art der übergebenen Schlüssel
- zusätzliche Absprachen
- Unterschriften von Mieter und Vermieter
- ein exportierbares PDF für beide Parteien
Der Deutsche Mieterbund empfiehlt ein Wohnungsübergabeprotokoll sowohl vor dem Einzug als auch beim Auszug. Hintergrund ist die häufige Streitfrage, wer einen Schaden verursacht hat (Deutscher Mieterbund Brandenburg). Auch die Verbraucherzentrale rät dazu, Zählerstände möglichst mit Foto festzuhalten und Schäden zusammen mit Datum und gegebenenfalls einem Zeugen zu dokumentieren (Verbraucherzentrale).
Wie das digitale Protokoll Deine Kaution schützt
Die App schafft eine zeitnahe Ausgangsdokumentation. Beim späteren Auszug kannst Du den damaligen Zustand mit dem aktuellen Zustand vergleichen. So wird aus der Behauptung „Der Kratzer war schon da“ eine geordnete Dokumentation mit Foto, Raumangabe, Beschreibung und Datum.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Schaden und normaler Abnutzung. Nach § 538 BGB musst Du Veränderungen, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch entstehen, nicht vertreten (§ 538 BGB). Eine App entscheidet allerdings nicht, ob ein abgewohnter Boden noch normale Abnutzung oder bereits ein ersatzpflichtiger Schaden ist. Sie hält lediglich den Zustand fest.
Für unseren redaktionellen Praxischeck haben wir bei allen Lösungen denselben typischen Ablauf betrachtet: Räume anlegen, Vorschäden fotografieren, Zähler und Schlüssel erfassen, Unterschriften ergänzen und ein dauerhaft speicherbares Protokoll erzeugen.
1. uebergabeprotokoll.app: flexibel im Browser
uebergabeprotokoll.app ist eine Web-App. Du öffnest sie im Browser auf Smartphone, Tablet oder Computer und musst nichts aus einem App-Store installieren. Das Protokoll lässt sich am großen Bildschirm vorbereiten und bei der Wohnungsübergabe auf dem Handy vervollständigen.
Im Testszenario ist dieser Wechsel zwischen Geräten der größte Vorteil. Fotos, Räume, Mängel, Reparaturhinweise, Unterschriften und Zeitstempel werden in einem PDF zusammengeführt. Der Anbieter nennt außerdem einen Serverstandort in der EU und gibt an, ohne Abonnement zu arbeiten. Der Einstieg ist kostenlos; bezahlt wird laut Website erst beim Abschluss eines Protokolls.
Vorteile
- funktioniert auf iOS, Android, Tablet und Computer
- keine Installation erforderlich
- Fotos, Unterschriften und Zeitstempel im Protokoll
- geräteübergreifende Synchronisierung
- kein laufendes Abo
Nachteile
- für die vollständige Nutzung ist eine Online-Anwendung mit Nutzerkonto nötig
- das fertige Protokoll ist nicht grundsätzlich kostenlos
- private Wohnungsdaten werden auf externen Servern verarbeitet
Geeignet für: Familien oder Singles, die das Protokoll bequem am Computer vorbereiten und nur einmalig bezahlen möchten.
2. Übergabe-App: stark bei Offline-Nutzung und Cloud-Archiv
Die deutschsprachige Übergabe-App ist für iPhone, iPad und Android verfügbar. Sie erfasst Räume, Mängel, Fotos und Unterschriften auch ohne Internet. Nach der Übergabe können die Daten synchronisiert, am Computer bearbeitet und als PDF exportiert werden.
In unserem Vergleich überzeugt vor allem der Offline-Ablauf. Das ist praktisch in Kellern, Tiefgaragen oder leer stehenden Wohnungen ohne WLAN. Laut Anbieter bleiben die Daten auf Servern in Deutschland und werden in der Cloud 36 Monate gespeichert. Für eine längere Aufbewahrung musst Du das PDF selbst archivieren.
Vorteile
- für iOS und Android erhältlich
- vollständige Erfassung ohne Internet
- PDF-Export und Bearbeitung am Computer
- Serverstandort Deutschland
- für Einzug und Auszug geeignet
Nachteile
- Cloud-Speicherung ist zeitlich begrenzt
- Synchronisierung vergrößert den Umfang der gespeicherten personenbezogenen Daten
- einige Funktionen gehören zur kostenpflichtigen Pro-Version
Geeignet für: Haushalte, die offline dokumentieren, anschließend aber eine komfortable Cloud- und PC-Verwaltung nutzen wollen.
3. WohnungsCheck: lokale Daten ohne Nutzerkonto
WohnungsCheck verfolgt einen anderen Ansatz: Die App arbeitet laut Anbieter vollständig offline, benötigt keinen Account und verwendet keine Cloud. Sie ist für iPhone und Android verfügbar und richtet sich ausdrücklich auch an Mieter.
Fotos, Zählerstände, Schlüssel, Rauchmelder, Mängel und Unterschriften landen in einem gemeinsamen PDF. Für preisbewusste Nutzer ist interessant, dass drei Protokolle kostenlos erstellt werden können. Das reicht normalerweise aus, um Einzug, eine ergänzende Mängelbegehung und später den Auszug zu dokumentieren.
Im Praxisvergleich ist die lokale Speicherung zugleich Stärke und Schwäche. Deine Wohnungsfotos werden nicht automatisch auf einen fremden Server geladen. Geht das Smartphone jedoch verloren und existiert keine Sicherungskopie, kann auch das Protokoll verschwinden.
Vorteile
- iOS und Android
- offline und ohne Registrierung nutzbar
- keine verpflichtende Cloud
- drei Protokolle kostenlos
- strukturierter PDF-Export mit Fotos und Unterschriften
Nachteile
- Datensicherung liegt vollständig in Deiner Verantwortung
- kein automatischer Zugriff über mehrere Geräte
- nach dem kostenlosen Kontingent können Kosten entstehen
Geeignet für: Datenschutzbewusste Mieter, die möglichst wenig persönliche Daten in einer Cloud speichern möchten.
4. ÜbergabePro: kompakte Lösung für das iPhone
ÜbergabePro ist eine iPhone-App mit klarer Ausrichtung auf Wohnungsübergaben. Du kannst eigene Räume anlegen, Fotos hinzufügen, Zählerstände und Schlüssel erfassen sowie beide Parteien direkt auf dem Gerät unterschreiben lassen. Anschließend wird ein PDF erstellt.
Im Vergleich wirkt der Ablauf schlank, weil die Daten lokal auf dem Gerät bleiben und keine Internetverbindung notwendig ist. Die App ist allerdings nur für das iPhone verfügbar. Zudem weist der App Store In-App-Käufe aus. Einzelne Nutzerbewertungen berichten von Darstellungsproblemen bei PDFs mit Bildern; deshalb sollte das exportierte Dokument vor der endgültigen Übergabe sorgfältig kontrolliert werden.
Vorteile
- vollständig offline nutzbar
- keine verpflichtende Cloud
- Räume, Fotos, Zähler und Schlüssel in einer App
- digitale Unterschriften und PDF-Export
- leicht verständlicher, fokussierter Funktionsumfang
Nachteile
- nur für das iPhone verfügbar
- In-App-Käufe
- PDF-Layout sollte nach dem Export geprüft werden
- keine geräteübergreifende Zusammenarbeit
Geeignet für: iPhone-Nutzer, die eine kompakte lokale Lösung ohne umfangreiche Immobilienverwaltung suchen.
5. magicplan: Schäden direkt im Grundriss verorten
magicplan ist keine klassische deutsche Wohnungsübergabe-App. Die Anwendung für iOS und Android erstellt digitale Grundrisse und verbindet diese mit Fotos, Videos und Notizen. Aus den erfassten Informationen lassen sich PDF-Berichte oder Freigabelinks erzeugen (magicplan Reports).
In unserem Testszenario spielt magicplan seine Stärke bei größeren oder unübersichtlichen Wohnungen aus. Ein Schaden lässt sich räumlich zuordnen: etwa „Kratzer im Parkett an der Balkontür“ statt nur „Kratzer im Wohnzimmer“. Das kann bei mehreren ähnlichen Türen, Fenstern oder Einbauschränken hilfreich sein.
Für eine einfache Einzimmerwohnung ist der Funktionsumfang jedoch eher großzügig. Die App stammt aus dem Bereich der Gebäude- und Schadendokumentation; miettypische Punkte wie Schlüsselübergabe oder deutsche Zählerformulare stehen weniger im Mittelpunkt. Strukturierte Berichte gehören außerdem zum kostenpflichtigen Angebot.
Vorteile
- für iOS und Android verfügbar
- Mängel lassen sich im Grundriss verorten
- Fotos, Videos und Notizen in einem Bericht
- besonders übersichtlich bei großen Wohnungen oder Häusern
- PDF-Export und teilbare Berichte
Nachteile
- kein spezialisiertes deutsches Mietübergabeprotokoll
- Einarbeitung aufwendiger als bei einfachen Checklisten-Apps
- Berichts- und Exportfunktionen können ein Abonnement erfordern
- für kleine Wohnungen häufig überdimensioniert
Geeignet für: Familien in größeren Wohnungen oder Häusern sowie Mieter, die zahlreiche Details exakt räumlich dokumentieren müssen.
Die fünf Apps im direkten Vergleich
| App | Plattform | Offline | Cloud | Besonderheit | |
|---|---|---|---|---|---|
| uebergabeprotokoll.app | Browser, iOS, Android, Computer | eingeschränkt | ja | ja | Vorbereitung am PC |
| Übergabe-App | iOS, Android, Web | ja | optional | ja | deutsche Server |
| WohnungsCheck | iOS, Android | ja | nein | ja | ohne Account |
| ÜbergabePro | iPhone | ja | nein | ja | kompakter lokaler Ablauf |
| magicplan | iOS, Android | ja, je nach Funktion | ja | ja | Schäden im Grundriss |
Funktionsumfang, Preise und Plattformverfügbarkeit entsprechen dem Stand vom 21. Juli 2026 und können sich ändern.
So erstellst Du ein belastbares Einzugsprotokoll
Die beste App hilft wenig, wenn wichtige Stellen fehlen oder Fotos später nicht mehr verständlich sind. Für eine nachvollziehbare Dokumentation empfiehlt sich dieser Ablauf:
- Beginne vor dem Einräumen. Möbel und Kartons können Schäden verdecken.
- Fotografiere jeden Raum als Übersicht. Ergänze danach Nahaufnahmen einzelner Mängel.
- Beschreibe den genauen Ort. Zum Beispiel: „Schlafzimmer, Fensterwand, linke Fußleiste“.
- Fotografiere Zähler mit Nummer und Stand. Nur eine Zahl ohne zugehörigen Zähler ist schwer einzuordnen.
- Teste Türen, Fenster, Rollläden und Wasserhähne.
- Dokumentiere Einbauten und Geräte. Dazu gehören Küche, Herd, Kühlschrank oder mitvermietete Schränke.
- Zähle alle Schlüssel einzeln auf.
- Lies das fertige PDF vor der Unterschrift. Leere Felder, abgeschnittene Bilder und missverständliche Formulierungen sollten vorher korrigiert werden.
- Gib beiden Seiten sofort dieselbe Version.
- Speichere mindestens zwei Kopien. Sinnvoll sind eine lokale Kopie und eine zusätzliche, geschützte Sicherung.
Wenn der Vermieter kein gemeinsames Protokoll erstellen möchte, kannst Du den Zustand selbst dokumentieren. Die Verbraucherzentrale empfiehlt in diesem Fall Fotos, Datum und die Unterschrift eines Zeugen (Verbraucherzentrale).
Digitale Unterschrift ist keine automatische Rechtsgarantie
Viele Anbieter sprechen von „rechtssicheren“ PDF-Protokollen. Diese Formulierung sollte nicht mit einer Erfolgsgarantie vor Gericht verwechselt werden. Eine auf dem Touchscreen gezeichnete Unterschrift ist normalerweise nicht automatisch eine qualifizierte elektronische Signatur.
Nach Artikel 25 der europäischen eIDAS-Verordnung darf einer elektronischen Signatur die Zulässigkeit als Beweismittel nicht allein wegen ihrer elektronischen Form abgesprochen werden. Nur eine qualifizierte elektronische Signatur hat jedoch ausdrücklich die gleiche Rechtswirkung wie eine handschriftliche Unterschrift (EUR-Lex, eIDAS-Verordnung).
Für ein überzeugendes Gesamtbild sind deshalb nicht nur die Unterschriften wichtig, sondern auch:
- ein konkretes Datum
- eindeutig benannte Beteiligte
- verständliche Mangelbeschreibungen
- zuordenbare Fotos
- übereinstimmende PDF-Kopien
- eine zeitnahe Übermittlung an den Vermieter
- möglichst ein gemeinsamer Termin oder ein Zeuge
Aktuelle Entwicklung: offline, lokal und vergleichbar
Bei aktuellen Übergabe-Apps zeichnen sich drei klare Entwicklungen ab.
Erstens wird Offline-First wichtiger. Mehrere deutsche Anbieter ermöglichen die vollständige Aufnahme ohne Netz. Zweitens gewinnt Local-First-Datenschutz an Bedeutung: Apps wie WohnungsCheck und ÜbergabePro speichern die Dokumentation zunächst auf dem Gerät, während andere Lösungen bewusst deutsche oder europäische Cloud-Standorte hervorheben.
Drittens geht der Trend vom einfachen Fotoarchiv zum strukturierten Zustandsvergleich. Räume, Mängel, Zähler, Schlüssel und Unterschriften werden in einem einheitlichen Bericht zusammengeführt. Umfangreichere Systeme ergänzen Grundrisse oder vergleichen den dokumentierten Zustand von Einzug und Auszug direkt miteinander.
Automatische Zeit- oder Ortsangaben können die Nachvollziehbarkeit verbessern. Sie ersetzen aber weder genaue Beschreibungen noch eine gemeinsame Bestätigung des Protokolls.
Fazit
Eine Wohnungsübergabe-App kann Deine Mietkaution nicht rechtlich garantieren. Sie macht den Zustand beim Einzug jedoch wesentlich übersichtlicher und später leichter nachvollziehbar.
Für eine unkomplizierte Nutzung auf mehreren Geräten eignet sich uebergabeprotokoll.app. Die Übergabe-App verbindet Offline-Erfassung mit deutscher Cloud-Speicherung. WohnungsCheck ist besonders interessant, wenn Daten lokal bleiben sollen. ÜbergabePro bietet einen kompakten iPhone-Ablauf, während magicplan bei großen und komplexen Objekten seine Stärken ausspielt.
Entscheidend bleibt nicht die Zahl der Funktionen, sondern ein vollständiges, verständliches und dauerhaft gespeichertes Einzugsprotokoll.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz – § 551 BGB: Begrenzung und Anlage von Mietsicherheiten
- Bundesministerium der Justiz – § 538 BGB: Abnutzung durch vertragsgemäßen Gebrauch
- Statistisches Bundesamt – Mietbelastung deutscher Haushalte 2022
- Zensus 2022 – Haushalte nach Art der Wohnungsnutzung
- Deutscher Mieterbund Brandenburg – Hinweise zum Wohnungsübergabeprotokoll
- Verbraucherzentrale – Die erste eigene Wohnung und Wohnungsübergabe
- EUR-Lex – Verordnung (EU) Nr. 910/2014, Artikel 25
- uebergabeprotokoll.app – Produktinformationen
- Übergabe-App – Funktionen, Plattformen und Datenspeicherung
- WohnungsCheck – Offline-Wohnungsübergabe-App
- Apple App Store – ÜbergabePro
- magicplan – Produktübersicht
- magicplan – Berichts- und Exportfunktionen



