Deutschland ist das einzige EU-Land, in dem mehr Menschen mieten als im eigenen Zuhause wohnen: 2024 lebten 52,8 Prozent der Bevölkerung in einem Mieterhaushalt. Die Frage „Mieten oder kaufen?“ betrifft hier also besonders viele Familien und Singles – und lässt sich nicht durch den Vergleich von Kaltmiete und Kreditrate beantworten. (Europäische Kommission)

Ein guter Mieten-oder-kaufen-Rechner betrachtet auch Eigenkapital, Kaufnebenkosten, Kreditzinsen, Instandhaltung und eine alternative Geldanlage. Doch nicht jede Rechner-App verwendet dieselbe Methode. Deshalb können zwei Anwendungen mit identischen Ausgangswerten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Was macht eine Mieten-oder-kaufen-App?

Die hier verglichenen Lösungen sind Web-Apps. Sie funktionieren direkt im Browser und verlangen für die dokumentierte Rechnerfunktion keine Installation. Am Recherchestichtag 20. August 2026 waren alle drei über ihre offiziellen deutschen Webseiten erreichbar.

Grundsätzlich simuliert ein Rechner zwei Wege:

  • Mieten: Du zahlst weiterhin Miete und legst Dein vorhandenes Eigenkapital sowie mögliche monatliche Überschüsse an.
  • Kaufen: Du verwendest Eigenkapital für Kauf und Nebenkosten, finanzierst den Rest und baust durch die Tilgung Immobilienvermögen auf.
  • Vergleichen: Nach einem festgelegten Zeitraum werden Kosten, Restschuld und Vermögen gegenübergestellt.

Das Ergebnis ist keine Vorhersage. Es hängt von Annahmen ab, die über Jahrzehnte niemand sicher kennen kann – etwa künftigen Mieten, Anlageerträgen, Immobilienwerten, Reparaturen und Anschlusszinsen.

Die drei hilfreichen Rechner im Überblick

Rechner Schwerpunkt Geeignet für
Finanzfluss Vermögensvergleich bei gleichem Wohnbudget Sparer und Anleger
immowelt Detaillierte Szenarien mit regionalen Kaufkosten Konkrete Kaufobjekte
Interhyp Schnelle Gegenüberstellung von Miete und Finanzierung Frühe Orientierung

Die Auswahl beschränkt sich bewusst auf Rechner, die Mieten und Kaufen tatsächlich miteinander vergleichen. Reine Budget-, Tilgungs- oder Baufinanzierungsrechner beantworten diese Frage allein nicht.

Finanzfluss: Mieten samt Geldanlage vergleichen

Dokumentierte Funktionen

Der Mieten-oder-kaufen-Rechner von Finanzfluss arbeitet mit einem gemeinsamen monatlichen Wohnbudget. Beim Mieten wird der Betrag angelegt, der nach Abzug der Wohnkosten übrig bleibt. Außerdem fließt das vorhandene Anfangskapital in die Geldanlage. Beim Kaufen bestimmt das verfügbare Budget nach Abzug laufender Kosten die Kreditrate.

Zu den Eingaben gehören unter anderem:

  • Eigen- beziehungsweise Anfangskapital
  • monatlich verfügbares Wohnbudget
  • erwartete Rendite der Geldanlage
  • Vergleichszeitraum
  • Kaltmiete
  • Kaufpreis und Kaufnebenkosten
  • Instandhaltungskosten
  • Darlehenszins

Das Ergebnis zeigt unter anderem Darlehenszahlungen, mögliche Restschuld und das Vermögen am Ende des gewählten Zeitraums. Der Rechner geht laut eigener Dokumentation von einem konstanten Immobilienwert aus und berücksichtigt weder eine Mietsteigerung noch eine Wertsteigerung der Immobilie. (Finanzfluss)

Redaktionelle Einordnung

Vorteile

  • Der Vergleich verwendet auf beiden Seiten dasselbe Wohnbudget.
  • Die alternative Geldanlage des Eigenkapitals wird ausdrücklich einbezogen.
  • Das Endvermögen steht stärker im Mittelpunkt als ein bloßer Vergleich von Miete und Kreditrate.
  • Die Berechnungslogik wird auf der Seite vergleichsweise ausführlich erklärt.

Nachteile

  • Konstante Mieten und Immobilienwerte sind eine starke Vereinfachung.
  • Unterschiedliche Szenarien für Miet- und Wertsteigerungen lassen sich nicht getrennt modellieren.
  • Das Ergebnis setzt voraus, dass ein Mieter den errechneten Überschuss tatsächlich regelmäßig anlegt.
  • Persönliche Steuern und individuelle Transaktionskosten beim späteren Verkauf sind in der Funktionsbeschreibung nicht ausgewiesen.

Geeignet für: Dich, wenn Du konsequent sparst und wissen möchtest, ob eine Geldanlage neben der Miete langfristig mehr Vermögen ergeben könnte als ein Eigenheim.

immowelt: Viele Annahmen individuell verändern

Dokumentierte Funktionen

Der Mieten-Kaufen-Rechner von immowelt bietet besonders viele veränderbare Werte. Dazu zählen:

  • Bundesland
  • Warmmiete und Kaufpreis
  • Eigenkapital und Jahreszins
  • anfängliche Tilgung und Zinsbindung
  • Grunderwerbsteuer, Makler-, Notar- und Grundbuchkosten
  • laufende Kosten und Instandhaltung
  • jährliche Wert- und Mietsteigerung
  • Rendite einer alternativen Kapitalanlage
  • Vergleichszeitraum zwischen einem und 30 Jahren

Anhand des Bundeslandes setzt der Rechner regionale Kaufnebenkosten an. Eine Maklerprovision lässt sich anpassen oder deaktivieren. Das Ergebnis stellt durchschnittliche monatliche Kosten gegenüber und weist beim Kaufen zusätzlich den Anteil des Vermögensaufbaus aus. immowelt bezeichnet die Berechnung selbst als hypothetische Orientierung, nicht als persönliche Finanzberatung. (immowelt)

Redaktionelle Einordnung

Vorteile

  • Regionale Unterschiede bei der Grunderwerbsteuer werden einbezogen.
  • Mietsteigerung, Immobilienwert und Anlagerendite lassen sich getrennt verändern.
  • Laufende Eigentümerkosten und Instandhaltung sind eigene Eingaben.
  • Der flexible Zeitraum eignet sich für Umzugs- und Familienszenarien.

Nachteile

  • Die vielen Annahmen können eine Genauigkeit vortäuschen, die bei einer langfristigen Prognose nicht erreichbar ist.
  • Vorbelegte Erfahrungswerte solltest Du nicht ungeprüft übernehmen.
  • Das Ergebnis als prozentualer Kostenvorteil sagt allein wenig über Liquiditätsreserve und Finanzierungsrisiko aus.
  • Die Anwendung ist auf deutsche Bundesländer und deutsche Kaufnebenkosten zugeschnitten; für Österreich oder die Schweiz wäre das Modell nicht passend.

Geeignet für: Dich, wenn bereits ein Kaufpreis oder ein konkretes Objekt feststeht und Du mehrere realistische Zukunftsszenarien durchspielen möchtest.

Interhyp: Schneller Einstieg mit wenigen Angaben

Dokumentierte Funktionen

Der Kauf-/Mietrechner von Interhyp beginnt mit nur zwei Angaben: aktueller Kaltmiete und verfügbarem Eigenkapital. Er verwendet zunächst die Miete als mögliche Finanzierungsrate und stellt die Mietausgaben über 29 Jahre den finanziellen Vorteilen eines Kaufs gegenüber.

Anschließend lassen sich laut Anbieter unter anderem Kaufpreis, Zinssatz, Monatsrate und Tilgung verändern. Interhyp bezeichnet den Rechner als kostenfrei und weist darauf hin, dass zukünftige Entwicklungen von Mieten, Zinsen und Immobilienpreisen nicht berücksichtigt werden können. (Interhyp)

Redaktionelle Einordnung

Vorteile

  • Sehr niedrige Einstiegshürde.
  • Gut verständlich für eine erste Größenordnung.
  • Finanzierungswerte wie Zins, Rate und Tilgung sind anpassbar.
  • Die Einschränkung der Zukunftsprognose wird klar benannt.

Nachteile

  • Der erste Vergleich setzt die heutige Miete als mögliche Kreditrate an. Das kann zu knapp sein, weil Eigentümer zusätzliche, nicht umlagefähige Kosten und Rücklagen tragen.
  • Der Ausgangszeitraum von 29 Jahren ist für einen kurzfristigen Umzug wenig aussagekräftig.
  • Die dokumentierte Modellierung der alternativen Geldanlage ist weniger detailliert als bei Finanzfluss oder immowelt.
  • Interhyp vermittelt Baufinanzierungen. Das macht den Rechner nicht unbrauchbar, sollte bei der Einordnung des Ergebnisses aber bekannt sein.

Geeignet für: Dich, wenn Du ganz am Anfang stehst und zunächst abschätzen möchtest, welcher Kaufpreis ungefähr zu Miete und Eigenkapital passen könnte.

Welcher Rechner passt zu Deiner Frage?

Die drei Anwendungen beantworten leicht unterschiedliche Fragen:

  • „Wie entwickelt sich mein Vermögen, wenn ich als Mieter investiere?“
    Dafür ist Finanzfluss am klarsten aufgebaut.
  • „Wie verändert sich das Ergebnis bei steigender Miete, Wertentwicklung oder höheren Reparaturkosten?“
    Dafür bietet immowelt die meisten Stellschrauben.
  • „Welche Kaufgröße könnte zu meiner heutigen Miete passen?“
    Dafür liefert Interhyp eine schnelle erste Orientierung.

Für eine belastbarere Entscheidung ist es sinnvoll, denselben Fall in mindestens zwei Modellen abzubilden. Abweichende Ergebnisse sind kein Fehler: Sie zeigen, welche Annahme den Ausschlag gibt.

So erstellst Du realistische Szenarien

Nutze keinen einzelnen „besten“ Schätzwert. Rechne besser mit drei Varianten:

  • Vorsichtig: niedrige Anlagerendite und Immobilienwertsteigerung, hohe Instandhaltung und teure Anschlussfinanzierung
  • Mittel: moderate Annahmen für alle veränderbaren Werte
  • Günstig: niedrige Finanzierungskosten, geringe Reparaturen und positive Wertentwicklung

Beim Kauf dürfen die Erwerbsnebenkosten nicht fehlen. Die Verbraucherzentrale nennt Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklercourtage; zusammen können sie bereits rund zehn Prozent des Kaufpreises erreichen. Die Grunderwerbsteuer liegt je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent. (Verbraucherzentrale)

Verwende außerdem keinen allgemeinen Durchschnittszins als persönliches Kreditangebot. Der gewichtete Indikator für neue Wohnungsbaukredite an private Haushalte lag im Juni 2026 bei 3,51 Prozent. Der tatsächlich angebotene Effektivzins hängt jedoch von Objekt, Eigenkapital, Bonität und Zinsbindung ab. (Deutsche Bundesbank)

Prüfe neben dem Rechnerergebnis insbesondere:

  • Bleibt nach dem Kauf eine ausreichende Notfallreserve?
  • Ist die Rate auch bei Teilzeit, Elternzeit oder Einkommensausfall tragbar?
  • Welche Restschuld besteht am Ende der Zinsbindung?
  • Stehen energetische Sanierungen oder größere Reparaturen an?
  • Wie wahrscheinlich ist ein Umzug in den nächsten Jahren?
  • Vergleichst Du wirklich ähnlich große und ähnlich gelegene Wohnungen?

Die Verbraucherzentrale warnt, dass der Verkauf einer noch nicht abbezahlten Immobilie zusätzliche Kosten und Risiken verursachen kann. Sie empfiehlt außerdem, unvorhergesehene Ausgaben und Modernisierungen von Beginn an einzuplanen. (Verbraucherzentrale)

Fazit

Rechner-Apps können die Entscheidung zwischen Mieten und Kaufen strukturieren, aber nicht endgültig treffen. Finanzfluss eignet sich besonders für den Vermögensvergleich, immowelt für detaillierte Zukunftsszenarien und Interhyp für eine schnelle erste Orientierung.

Aussagekräftig wird das Ergebnis erst, wenn Du Kaufnebenkosten, Instandhaltung, alternative Geldanlage und unterschiedliche Zukunftsverläufe einbeziehst. Ebenso wichtig bleiben finanzielle Reserven, Familienplanung und die Frage, wie lange Du voraussichtlich am selben Ort wohnen möchtest.

Quellen