Viele unterschätzen, wie „groß“ Alltagsausgaben wirklich sind: In Deutschland lagen die monatlichen Konsumausgaben eines Durchschnittshaushalts 2023 bei 3.030 Euro.[^1] Und von diesem Geld fließt im Schnitt rund 52% allein in Wohnen und Lebensmittel.[^1] Genau dort entstehen die meisten gemeinsamen Posten – Miete, Strom, Supermarkt, Drogerie, Kita, Abos. Wenn du die nicht sauber festhältst, fühlt sich Budgetplanung schnell nach Rätselraten an.

Dieser Guide zeigt dir, wie du gemeinsame Ausgaben in einer Budgeting-App so trackst, dass es im Alltag wirklich funktioniert – und welche 5 Apps sich dafür praktisch bewährt haben.

Was bedeutet „Shared Expenses“ – und warum scheitert es so oft?

Shared Expenses sind Ausgaben, die ihr gemeinsam nutzt oder die eine Person für mehrere bezahlt – z. B.:

  • Wocheneinkauf, Haushaltswaren, Kinderkosten
  • Miete, Nebenkosten, Strom, Internet
  • Restaurant, Ausflüge, Urlaub, Geschenke aus der „Gemeinschaftskasse“

Das Problem ist selten „Mathe“, sondern Klarheit:

  • Was gehört ins gemeinsame Budget – und was bleibt privat?
  • Wie teilt ihr fair (50/50, nach Nutzung, nach Einkommen)?
  • Wie verhindert ihr, dass „Kleinkram“ untergeht?

Dass Geldthemen in Beziehungen schnell emotional werden, ist auch messbar: In einer deutschen Befragung gaben 45% an, dass Finanzen mindestens selten zu Konflikten führen.[^2] Ein gutes Shared-Expense-Setup reduziert genau diese Reibung – weil weniger im Kopf bleibt und mehr als Zahl sichtbar wird.

So trackst du gemeinsame Ausgaben in einer Budget-App (das System, das im Alltag hält)

1) Definiere zuerst eure „gemeinsamen Kategorien“

Wenn Kategorien schwammig sind, werden Auswertungen wertlos. Bewährt haben sich 6–10 gemeinsame Kategorien, z. B.:

  • Wohnen (Miete/Nebenkosten)
  • Lebensmittel & Drogerie
  • Mobilität
  • Kinder
  • Abos & Verträge
  • Freizeit/Restaurants
  • Urlaub (optional als eigenes Projekt)

Tipp aus der Praxis: Legt eine gemeinsame Kategorie-Logik fest und bleibt dabei 4–6 Wochen konsequent, bevor ihr optimiert.

2) Entscheide dich für genau eine Teil-Logik

Das ist die Stelle, an der viele ständig „neu verhandeln“. Such dir eine Regel:

  • 50/50 (einfach, schnell)
  • nach Nutzung (z. B. Kindersachen 100% gemeinsam, Hobby privat)
  • nach Gewichtung/Einkommen (fairer, aber erklärungsbedürftiger)

Einige Apps unterstützen Gewichte direkt (siehe Settle Up).

3) Tracke in „Momenten“, nicht erst am Monatsende

Mein Testlauf war am stabilsten, wenn ich mir Mini-Routinen gesetzt habe:

  • Einkauf: direkt nach dem Bezahlen eintragen (30 Sekunden)
  • Online-Abos: einmalig als wiederkehrend einrichten (wenn die App das kann)
  • Urlaub: alles in einer eigenen Gruppe/Wallet sammeln

4) Nutze „Schulden vereinfachen“, wenn viele Leute beteiligt sind

Sobald 3+ Personen oder viele Mini-Ausgaben im Spiel sind, wird „wer zahlt wem“ schnell nervig. Gute Apps minimieren dann automatisch die nötigen Transfers. Splitwise beschreibt das sehr klar: „It does not change the total amount that anyone owes, but it makes it easier … by minimizing the total number of payments.“[^3]

5) Einigt euch auf ein Settlement-Tempo

Statt ständig Kleinstbeträge hin- und herzuschieben:

  • im Alltag: monatlich ausgleichen
  • im Urlaub/WG: am Ende der Reise/des Monats

Damit bleibt es sauber – ohne dass ihr euch fühlt wie eine Buchhaltung.

5 Apps, die gemeinsame Ausgaben wirklich gut abbilden

1) Splitwise – am besten für „wer schuldet wem“, mit cleverem Ausgleich

So habe ich’s genutzt: Gruppe anlegen (z. B. „Haushalt“), jede Ausgabe rein, Kategorie dazu, am Monatsende ausgleichen. Das Highlight ist die Schulden-Vereinfachung, die Transfers reduziert.[^3]

Pros

  • Sehr stark bei Gruppen + wiederkehrenden Situationen (WG, Paare, Reisen)
  • Schulden werden so umgebaut, dass weniger Überweisungen nötig sind (Debt Simplification)[^3]
  • Klarer Überblick pro Person/Gruppe

Cons

  • Fokus ist Teilen/Settlen – nicht „klassisches Haushaltsbudget“ mit tiefer Budgetlogik
  • Je nach Funktionsumfang kann ein Abo relevant werden (je nach Bedarf)

2) tricount (by bunq) – super für Reisen, Events und Multi-Währung

So habe ich’s genutzt: Tricount für Reise/Wochenende, alle tragen ein, Währungen laufen sauber zusammen. Laut Feature-Seite unterstützt tricount u. a. mehrere Währungen, Offline-Modus und „Settle Up“.[^4]

Pros

  • Multi-Währung mit automatischer Umrechnung – ideal im Urlaub[^4]
  • Offline-Modus (praktisch unterwegs)[^4]
  • Schnell gemeinsam eintragen, Balance sofort sichtbar[^4]

Cons

  • Weniger „Budget-Methode“, mehr „Kosten fair verteilen“
  • Für langfristige Haushaltsplanung oft zusätzliches System sinnvoll

3) Settle Up – sehr flexibel, auch mit Gewichten und komplexen Splits

So habe ich’s genutzt: Für Gruppen, in denen nicht immer alles 50/50 ist. In der App-Beschreibung werden Splits nach Gewichten, mehrere Zahler pro Ausgabe, Offline-Nutzung und Multi-Währung genannt.[^5]

Pros

  • Geeignet, wenn ihr ungleich teilen wollt (Gewichte) oder mehrere Leute eine Rechnung zahlen[^5]
  • Offline nutzbar, viele reale Sonderfälle abgedeckt[^5]
  • Praktisch für Reisen/Trips mit vielen Einzelposten[^5]

Cons

  • UI/Flow ist eher „Abrechnungstool“ als „Budget-Coach“
  • Je nach Plattform/Version können Features unterschiedlich wirken (immer kurz prüfen)

4) YNAB Together – am besten, wenn ihr wirklich gemeinsam budgetieren wollt

So habe ich’s genutzt: Gemeinsamer Haushaltsplan, aber mit getrennten Logins. YNAB Together ist laut Bedingungen für „partners, families … up to six people“, inklusive eigener Accounts/Logins unter einem Abo, und ihr könnt Budgets teilen.[^6]

Pros

  • Echte Budgetplanung gemeinsam (nicht nur Ausgaben splitten)
  • Mehrere Personen können mit eigenem Login am gleichen Budget arbeiten[^6]
  • Sehr gut, wenn ihr Ziele/Planung (nicht nur Abrechnung) wollt

Cons

  • Einarbeitung: Budget-Methode ist mächtiger, aber am Anfang mehr Aufwand
  • Primär Budget-Fokus; „wer zahlt wem“ kann je nach Setup weniger „automatisch Splitwise-like“ wirken

5) Spendee (Shared Wallets) – gemeinsamer Überblick, wenn ihr „eine Kasse“ wollt

So habe ich’s genutzt: Shared Wallet als gemeinsame Geldspur (Haushalt/Urlaub). Spendee erklärt, dass Shared Wallets ein Plus/Premium-Feature sind und Gäste auch ohne Abo mitmachen können (Owner braucht Plus/Premium).[^7] Wichtig: Budgets selbst lassen sich laut Help Center nicht direkt „teilen“, aber Transaktionen im Shared Wallet können in persönliche Budgets einfließen.[^7][^8]

Pros

  • Shared Wallet als gemeinsamer „Topf“ für Ausgabenübersicht[^7]
  • Nur der Owner braucht Plus/Premium; Gäste können Free nutzen[^7]
  • Gut, wenn ihr gemeinsam tracken wollt, ohne ständig „wer schuldet wem“ im Vordergrund

Cons

  • Shared Wallet ist ein Paid-Feature[^7]
  • Budgets in der App sind nicht als echte „Shared Budgets“ umgesetzt (Workaround über Shared Wallet)[^8]

Konkretes Beispiel (mit Rechnung), das du sofort übertragen kannst

Nehmen wir einen typischen Monat:

  • Lebensmittel & Drogerie: 520 €
  • Internet: 45 €
  • Stromabschlag: 110 €
  • 2× Restaurant: 96 € Summe gemeinsam: 771 €

Variante A: 50/50

  • Ziel pro Person: 385,50 €
  • Wenn du 530 € bezahlt hast und die andere Person 241 €:
    • Die andere Person gleicht 144,50 € an dich aus.

Variante B: 60/40 (z. B. nach Einkommen)

  • Person A (60%): 462,60 €
  • Person B (40%): 308,40 €
  • Wenn Person A bereits 530 € gezahlt hat, bekommt Person A 67,40 € zurück.

Tools wie Settle Up unterstützen Gewichtungen explizit,[^5] während Apps wie Splitwise/tricount in der Praxis oft über „ungleiche Splits“/Custom Splits gelöst werden (je nach Flow).

  • Mehr digitale Erfassung statt „Pi mal Daumen“: In der EVS 2023 wurde die Möglichkeit betont, Ausgaben vollständig digital per Mobil- oder Web-App zu dokumentieren – das führt zu einer einheitlicheren, genaueren Erfassung.[^1] Das spürst du auch im Alltag: Wer direkt einträgt, hat am Monatsende weniger Diskussion.
  • Mehr Bedarf an Klarheit bei Alltagskosten: Wenn im Schnitt bereits über die Hälfte der Konsumausgaben in Wohnen & Lebensmittel fließt,[^1] lohnt sich gerade dort das saubere gemeinsame Tracking am meisten – weil es die größten Budgethebel sind.

Fazit

Gemeinsame Ausgaben zu tracken ist weniger eine Frage der perfekten App – und mehr eine Frage eines stabilen Systems: klare Kategorien, eine feste Teil-Regel, konsequentes Eintragen und ein ruhiger Settlement-Rhythmus. Für „wer schuldet wem“ sind Splitwise, tricount und Settle Up besonders stark; für echtes gemeinsames Budgeten eher YNAB Together; für einen gemeinsamen Ausgaben-Topf ist Spendee mit Shared Wallets eine pragmatische Lösung.


[^1]: Statistisches Bundesamt (Destatis): Lebenshaltungskosten 2023: Haushalte mit geringem Einkommen geben über 60 % für Lebensmittel und Wohnen aus (Pressemitteilung Nr. 438 vom 9. Dezember 2025). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_438_639.html
[^2]: Swiss Life Select: Finanzstudie: So offen sprechen Paare in Deutschland über Geld in der Beziehung (Presse/Newsfeed, 13. November 2025). https://www.swisslife-select.de/privatkunden/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/newsfeed/2025/25-11-13-studie-beziehung.html
[^3]: Splitwise Helpdesk: What does the "simplify debts" setting do? https://feedback.splitwise.com/knowledgebase/articles/107220-what-does-the-simplify-debts-setting-do
[^4]: tricount (by bunq): Features (Expense Tracking, Settle Up, Multi-currency, Offline mode u. a.) https://www.tricount.com/features
[^5]: Apple App Store: Settle Up – Group Expenses (Beschreibung/Feature-Übersicht). https://apps.apple.com/us/app/settle-up-group-expenses/id737534985
[^6]: YNAB: Terms of Service: YNAB Together (Abschnitt „About YNAB Together“). https://www.ynab.com/terms/ynab-together/
[^7]: Spendee Help Center: Shared Wallets https://help.spendee.com/article/224-shared-wallets
[^8]: Spendee Help Center: Can I share budgets? https://help.spendee.com/article/215-is-it-possible-to-share-budgets