Mit der kostenlosen Flugärger-App der Verbraucherzentrale NRW bleibt dir die ganze Entschädigung. Den Anspruch musst du aber selbst bei der Airline geltend machen und, wenn sie ablehnt, selbst weiterverfolgen. AirHelp übernimmt die Arbeit, behält dafür aber laut eigener Preisliste 35 % der Entschädigung ein. Muss AirHelp klagen, sind es 50 %. Wenn du einen Brief abschicken und notfalls ein kostenloses Schlichtungsformular ausfüllen kannst, ist die App meist der günstigere Weg. Bezahlt ist AirHelp vor allem dann sinnvoll, wenn du keine Zeit, Energie oder Lust auf eine mögliche Auseinandersetzung mit der Airline hast.

Worum geht es? Kurz erklärt

Bei einer Flugverspätung kannst du nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 eine pauschale Ausgleichszahlung bekommen. Das gilt in der EU und damit auch in Deutschland. Die Beträge hängen von der Flugstrecke ab:

  • 250 € bei Flügen bis 1.500 km
  • 400 € bei 1.500 bis 3.500 km
  • 600 € bei längeren Strecken

Der Anspruch besteht in der Regel ab drei Stunden Verspätung am Endziel, bei kurzfristigen Annullierungen und bei Nichtbeförderung. Er gilt unabhängig vom Ticketpreis (Verbraucherzentrale, Euronews). Bei außergewöhnlichen Umständen wie bestimmten Unwetterlagen kann die Airline die Zahlung ablehnen.

Du hast zwei Möglichkeiten, an dein Geld zu kommen:

  1. Selbst einfordern: Du schreibst die Airline direkt an. Die Flugärger-App setzt das Schreiben für dich auf.
  2. Abtreten oder beauftragen: Ein Fluggasthelfer-Portal wie AirHelp setzt den Anspruch durch und behält einen Teil als Provision.

Genau hier steckt die Frage „Was bleibt?“: Beide Wege führen zum gleichen gesetzlichen Anspruch. Unterschiedlich sind nur die Kosten und der Aufwand für dich.

So bin ich bei diesem Vergleich vorgegangen

  • Recherchedatum: 3. Oktober 2026
  • Markt: Deutschland (Verbraucher:innen, Privatreisen)
  • Kriterien: Kosten beziehungsweise Abzug von der Entschädigung, Aufwand, Plattformen, was die App abdeckt, was passiert, wenn die Airline ablehnt, und Datenschutz
  • Quellenbasis: Offizielle Seiten der Verbraucherzentrale, die offizielle Preisliste von AirHelp, App-Store-Einträge, Gesetzestexte (LuftVG, BGB) und die Pressemitteilung des EU-Rats
  • Kein Praxistest: Ich habe die Apps nicht selbst ausprobiert. Alles, was hier zu Funktionen steht, stammt aus der Dokumentation der Anbieter.
  • Bewusst weggelassen: Weitere kommerzielle Fluggastportale wie Flightright oder EUclaim. Sie funktionieren nach demselben Provisionsprinzip wie AirHelp. Ein vollständiger Portalvergleich würde die eigentliche Frage nicht besser beantworten, nämlich ob du kostenlos selbst handelst oder gegen Provision abgibst.

Die Flugärger-App: Was laut Verbraucherzentrale drinsteckt

Belegte Funktionen: Die Verbraucherzentrale NRW hat die App gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Verbraucherministerium entwickelt (Verbraucherzentrale NRW). Laut Anbieter kann sie Folgendes:

  • Sie prüft Ansprüche bei Verspätung, Annullierung, Flugverlegung und Überbuchung.
  • Sie hilft dir, Betreuungskosten zurückzufordern, etwa für Essen am Flughafen oder ein Hotelzimmer.
  • Hast du dein Ticket selbst storniert, kannst du damit Steuern und Gebühren zurückverlangen.
  • Bei verspätetem, verlorenem oder beschädigtem Gepäck kannst du eine Packliste anlegen, Ausgaben erfassen und Belege hochladen.
  • Sie erstellt eine fertige E-Mail an die richtige Airline, die sich in deinem Mailprogramm öffnet. Abschicken musst du sie selbst.
  • Ein Fristenwecker und eine Verlaufsübersicht helfen dir, falls du später zur Schlichtungsstelle gehen musst.

Kosten und Plattformen: Die App ist kostenlos. Es gibt sie für iOS und Android, außerdem eine Browser-Version für den PC (Verbraucherzentrale NRW). Laut Pressemitteilung finanzieren inzwischen mehrere Länder-Verbraucherministerien die App (Land NRW).

Datenschutz: Laut Datenschutzhinweisen kannst du deine Ansprüche ohne persönliche Daten prüfen. Name und Adresse für das Anschreiben werden nur auf deinem Smartphone gespeichert (Datenschutzhinweise Flugärger).

Wo die App aufhört: Sie ist ein Selbsthilfe-Tool. Sie verhandelt nicht für dich und klagt nicht. Zahlt die Airline nicht, kümmerst du dich selbst um den nächsten Schritt.

Vor- und Nachteile der Flugärger-App

Pro

  • Kein Abzug: Die volle Entschädigung bleibt bei dir.
  • Deckt neben der Ausgleichszahlung auch Betreuungskosten, Gepäck und selbst stornierte Tickets ab.
  • Herausgeber ist eine öffentlich geförderte Verbraucherorganisation, kein Unternehmen mit Provisionsinteresse.
  • Laut Datenschutzhinweisen bleiben deine persönlichen Daten lokal auf dem Gerät.

Contra

  • Du trägst den Aufwand selbst: E-Mail abschicken, Fristen im Blick behalten, nachhaken.
  • Die App setzt den Anspruch nicht durch und vertritt dich nicht vor Gericht.
  • Welche Flüge und Airlines genau abgedeckt sind, beschreibt die Verbraucherzentrale nicht im Detail.

AirHelp: Was der Service laut Anbieter leistet und kostet

Belegte Funktionen: Die kostenlose App „AirHelp・Flight Tracker“ verfolgt Flüge in Echtzeit, meldet Gate- und Flugplanänderungen und bietet einen Weg, Entschädigungsansprüche direkt einzureichen (App Store). Laut AirHelp gibt es die App im Apple App Store und bei Google Play (AirHelp Hilfe). Für Deutschland habe ich den deutschen Store-Eintrag nicht gesondert geprüft. Einen Anspruch kannst du aber auch über airhelp.de einreichen. Dein Vertragspartner ist die AirHelp Germany GmbH, ein eingetragener Inkassodienstleister.

Gebühren in Deutschland laut offizieller Preisliste:

  • „Kein Erfolg, keine Gebühr“: Die Prüfung und erfolglose Fälle sind kostenlos.
  • Servicegebühr: 35 % der Entschädigung, inklusive MwSt.
  • Rechtsweggebühr: zusätzlich 15 %, wenn rechtliche Schritte nötig sind. Insgesamt sind es dann 50 %.
  • Kulanzleistung: Zahlt die Airline aus Kulanz, berechnet AirHelp 29,99 US$. Ausnahmen gelten für Beträge unter 30 US$ und bestimmte Sachleistungen.
  • AirHelp+ (Abo): Single Trip 19,99 € pro Reise, Lite 29,99 €, Smart 39,99 € oder Pro 99,99 € pro Jahr. Mitglieder zahlen laut Preisliste keine Service- und keine Rechtsweggebühr. Ob ein Tarif mehrere Personen abdeckt, etwa die ganze Familie, steht nicht in der Preisliste. Das solltest du vor dem Kauf klären.

Vor- und Nachteile von AirHelp

Pro

  • Du musst selbst kaum etwas tun. AirHelp verhandelt und klagt im Zweifel.
  • Ohne Erfolg zahlst du nichts.
  • Die App bietet zusätzlich Flugtracking und Statusmeldungen.
  • Mit AirHelp+ entfällt die Provision. Das kann sich für Vielflieger rechnen.

Contra

  • Mindestens 35 % der Entschädigung gehen weg, mit Klage 50 %.
  • Wenn die Airline auf Kulanz zahlt, fallen 29,99 US$ an.
  • Wie AirHelp+ genau funktioniert und für wen ein Tarif gilt, ist in der Preisliste nicht vollständig beschrieben.
  • Hast du den Anspruch an AirHelp abgegeben, bestimmst du nicht mehr selbst, wie es weitergeht.

Preis- und Funktionsvergleich (as of 2026-10-03)

Kriterium (Markt: Deutschland) Flugärger-App AirHelp (ohne Abo) AirHelp+
App-Kosten 0 € 0 € 19,99 € pro Reise oder 29,99–99,99 € pro Jahr
Abzug von der Entschädigung 0 % 35 %, mit Klage 50 % 0 % laut Preisliste
Gebühr bei Kulanzzahlung 0 € 29,99 US$ 0 € laut Preisliste
Wer setzt den Anspruch durch? Du selbst AirHelp AirHelp
Klage inklusive Nein Ja, gegen 15 % extra Ja, ohne Gebühr laut Preisliste
Betreuungskosten, Gepäck Ja not publicly documented not publicly documented
Plattformen iOS, Android, Browser iOS, Android, Web iOS, Android, Web
Mehrere Personen pro Tarif entfällt entfällt not publicly documented

Quellen: Verbraucherzentrale NRW, AirHelp-Preisliste

Der kostenlose Weg, wenn die Airline ablehnt: Schlichtung

Viele entscheiden sich nur deshalb für ein Portal, weil sie befürchten, ohne Hilfe nicht weiterzukommen. In Deutschland gibt es aber eine kostenlose Zwischenstufe:

  • Schlichtungsstelle Reise & Verkehr e.V. (früher söp): Für Verbraucher:innen ist sie kostenfrei. Die Airline muss allerdings Mitglied sein, und du musst dich vorher bei ihr beschwert haben (Schlichtung Reise & Verkehr).
  • Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz: Sie ist zuständig für Airlines, die bei keiner privaten Schlichtungsstelle mitmachen (§ 57a LuftVG, Verbraucherzentrale NRW).

Diese Voraussetzungen stehen im Gesetz (§ 57b LuftVG):

  • Du bist als Verbraucher:in unterwegs, also nicht auf Geschäftsreise.
  • Es geht um mehr als 10 € und höchstens 5.000 €.
  • Du hast den Anspruch zuerst bei der Airline geltend gemacht. Hat sie innerhalb von zwei Monaten weder zugestimmt noch abgelehnt, ist die Schlichtung möglich.
  • Es läuft noch kein Gerichtsverfahren.

Kosten für dich: Normalerweise keine. Ein Entgelt von bis zu 30 € ist nur bei missbräuchlichen Anträgen vorgesehen. Ein Vorab-Entgelt von höchstens 20 € ist nur unter engen Bedingungen erlaubt und wird erstattet, wenn dein Anspruch berechtigt war (§ 57 LuftVG).

Verjährung: In Deutschland gilt für solche Ansprüche grundsätzlich die regelmäßige Frist von drei Jahren (§ 195 BGB). Sie beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist (§ 199 BGB).

Meine Einschätzung: Die Flugärger-App und die anschließende Schlichtung decken zusammen einen großen Teil dessen ab, was du sonst ein Portal machen lässt. Nur bei einer Klage vor Gericht hilft dir dieser Weg nicht.

Rechenbeispiel: Was bleibt einer Familie?

Hypothetisches Beispiel zur Veranschaulichung, kein garantiertes Ergebnis.

Annahmen: Eine vierköpfige Familie kommt mit mehr als drei Stunden Verspätung von einer Mittelstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km zurück. Pro Person stehen ihr 400 € zu, also insgesamt 1.600 €. Es liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor, und die Airline zahlt am Ende. Betrachtet wird nur dieser eine Fall.

Weg Rechnung Es bleiben
Flugärger-App oder selbst schreiben, plus Schlichtung 1.600 € − 0 € 1.600 €
AirHelp ohne Klage 1.600 € − 35 % (560 €) 1.040 €
AirHelp mit Klage 1.600 € − 50 % (800 €) 800 €

Beim Selbermachen bleiben der Familie in diesem Beispiel 560 € bis 800 € mehr. Dafür investiert sie etwas Zeit für E-Mail, Nachfassen und gegebenenfalls das Schlichtungsformular.

Break-even beim Abo (ebenfalls hypothetisch): Schon bei einer einzigen Entschädigung von 250 € würde AirHelp 87,50 € Servicegebühr nehmen. Das ist mehr als jeder Jahrestarif von AirHelp+ bis auf Pro (99,99 €). Rein rechnerisch lohnt sich ein Abo also schon nach einem erfolgreichen Fall. Das gilt aber nur, wenn der Tarif den betroffenen Flug und alle Mitreisenden tatsächlich abdeckt, und das steht nicht in der Preisliste. Verglichen mit dem kostenlosen Selbermachen bringt das Abo dir keinen zusätzlichen Euro, sondern spart dir nur den Aufwand.

Für wen passt was?

Die Flugärger-App passt zu dir, wenn …

  • du jeden Euro der Entschädigung behalten willst,
  • du eine E-Mail abschicken und Fristen im Blick behalten kannst,
  • du auch Betreuungskosten oder Gepäckschäden geltend machen willst.

Weniger geeignet ist sie, wenn … du absehbar vor Gericht ziehen müsstest und das Prozesskostenrisiko nicht selbst tragen willst.

AirHelp passt zu dir, wenn …

  • du gar keinen Aufwand willst und dafür einen Teil abgibst,
  • die Airline nicht an einer Schlichtung teilnimmt oder sich trotz Schlichtungsempfehlung querstellt,
  • du so oft fliegst, dass sich ein AirHelp+-Abo rechnen könnte.

Weniger geeignet ist AirHelp, wenn … es um eine hohe Familienentschädigung geht und die Airline voraussichtlich ohne großen Widerstand zahlt. Dann verschenkst du unnötig Geld.

Was sich ändert: Die EU-Reform ab 2027

Der EU-Rat hat am 13. Juli 2026 die Reform der Fluggastrechte endgültig beschlossen. Die neuen Regeln gelten 12 Monate und 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt (Rat der EU), laut Berichten also voraussichtlich ab Mitte 2027. Bis dahin gelten die bisherigen Regeln.

Für deine Entscheidung zwischen App und Portal ist laut Euronews Folgendes wichtig:

  • Die Drei-Stunden-Schwelle und die Beträge von 250, 400 und 600 € bleiben. Der Vorschlag, die Schwelle auf vier oder sechs Stunden anzuheben, wurde nicht übernommen (vzbv).
  • Airlines müssen dich künftig innerhalb von vier Tagen elektronisch informieren, wie du eine Entschädigung beantragst.
  • Sie müssen dir innerhalb von 30 Tagen zahlen oder eine Ablehnung begründen.
  • Laut Bericht hast du neun Monate Zeit, um den Antrag zu stellen. Wie sich diese Frist zur deutschen Verjährung von drei Jahren verhält, geht aus den bisher verfügbaren Quellen nicht eindeutig hervor. Stell deinen Antrag am besten deutlich früher.

Meine Einschätzung: Wenn die Airlines dich selbst informieren und es feste Antwortfristen gibt, wird das Selbermachen noch einfacher. Das spricht ab 2027 eher für den kostenlosen Weg. Achte aber auf die kürzere Antragsfrist.

Fazit

Bei einer Flugverspätung hast du denselben gesetzlichen Anspruch, egal welchen Weg du wählst. Unterschiedlich ist nur, wie viel davon bei dir ankommt. Mit der kostenlosen Flugärger-App und der für dich kostenfreien Schlichtung behältst du laut den ausgewerteten Quellen die volle Entschädigung. Dafür übernimmst du selbst den Schriftverkehr. AirHelp nimmt dir die Arbeit ab, behält aber 35 bis 50 %. In Familienfällen kann das schnell mehrere Hundert Euro ausmachen. Ein Portal lohnt sich vor allem dann, wenn eine Airline sich trotz Schlichtung weigert oder du den Aufwand bewusst abgeben willst.

Quellen