Selbst wenn du „nur“ von Deutschland in ein anderes EU-Land anrufst, dürfen Anbieter für klassische internationale Telefonate bis zu 0,19 € pro Minute (zzgl. MwSt.) verlangen (EU-Preisdeckel) – und das läppert sich schnell. Quelle: Europäische Kommission, „Intra‑EU calls“ (digital-strategy.ec.europa.eu).

Die gute Nachricht: In vielen Fällen kannst du diese Kosten praktisch auf „nur Internetverbrauch“ drücken – mit VoIP.

Kurz erklärt: So funktioniert VoIP (und warum es spart)

VoIP steht für Voice over IP: Deine Stimme wird in Datenpakete zerlegt und über das Internet übertragen – also über WLAN oder mobile Daten, statt über das klassische Telefonnetz. Genau dadurch entstehen oft die Einsparungen:

  • App‑zu‑App-Anrufe (z. B. WhatsApp zu WhatsApp) kosten in der Regel keine Minutenpreise – du zahlst „nur“ deinen Internetzugang.
  • App‑zu‑Festnetz/Mobilfunk (z. B. Viber Out, Rebtel) nutzt VoIP-Anbieter als Brücke ins Telefonnetz – meist günstiger als klassische Auslandstarife, aber nicht immer kostenlos.

Wichtig für deinen Kostencheck: VoIP ist nicht „magisch gratis“ – es zieht Daten. Die Verbraucherzentrale NRW nennt als groben Richtwert: „Mit etwa 1 bis 1,5 Megabyte (MB) pro Gesprächsminute sollte man rechnen.“ (verbraucherzentrale.nrw)

Meine Praxis-Checks (damit du weißt, wovon ich rede)

Ich habe die Apps in typischen Alltagssituationen ausprobiert: Anrufe im WLAN zuhause, unterwegs über mobiles Netz, und (wenn unterstützt) Anrufe auf „normale“ Nummern. Bewertet habe ich vor allem: Einrichtung, Verständlichkeit, Stabilität bei wechselnder Verbindung und „Wie schnell klappt’s mit Oma/Partner/Kindern?“.

1) WhatsApp – die „alle-haben’s-schon“-Lösung

WhatsApp ist für viele Haushalte der einfachste Hebel, weil es ohnehin fast jeder nutzt. Telefonate laufen über VoIP; WhatsApp nennt seine Inhalte standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt (inkl. Anrufen) in seiner Sicherheitskommunikation. (about.fb.com)

So spart’s im Alltag: Wenn die andere Person WhatsApp hat, ist der Anruf meist der schnellste Weg zu „0 € pro Minute“ (statt Auslandstarif).

Pluspunkte (aus meinem Test)

  • Super geringe Einstiegshürde: Kontakte sind sofort da
  • Sprach- und Videoanrufe funktionieren unkompliziert, besonders im WLAN
  • Breite Geräteabdeckung (Android/iOS, Desktop)

Minuspunkte

  • Spart nur richtig, wenn beide Seiten WhatsApp nutzen (kein „klassisches“ Festnetz-Anrufen)
  • Datenverbrauch kann relevant sein (siehe Richtwert der Verbraucherzentrale NRW) (verbraucherzentrale.nrw)
  • Datenschutz-Diskussionen rund um Metadaten bleiben ein Thema (auch wenn Inhalte verschlüsselt sind)

2) Signal – wenn dir Privatsphäre wichtiger ist als „alle sind schon drin“

Signal ist für mich die App, wenn du möglichst „sauber“ kommunizieren willst: Signal beschreibt selbst, dass Nachrichten und Anrufe immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. (signal.org) Außerdem ist das Calling in der Support-Doku explizit als „encrypted“ eingeordnet. (support.signal.org)

Pluspunkte (aus meinem Test)

  • Sehr klarer Fokus auf Privatsphäre, wenig „Ablenkungsfeatures“
  • Anrufe wirken stabil, Bedienung angenehm schlicht
  • Gut geeignet für Singles/Familien, die bewusst reduzieren wollen

Minuspunkte

  • Du sparst nur, wenn dein Gegenüber auch Signal nutzt (kein Festnetz-Bridge)
  • In manchen Familien musst du erst „Überzeugungsarbeit“ leisten (nicht so verbreitet wie WhatsApp)

3) Threema – deutschsprachig, datensparsam, aber kostenpflichtig

Threema ist interessant, wenn du eine App möchtest, die ohne Telefonnummer funktionieren kann und Anrufe Ende-zu-Ende-verschlüsselt anbietet. Threema hat Sprachanrufe schon lange dokumentiert und betont E2E-Verschlüsselung. (threema.com Blog) In den Funktionsseiten werden auch Sprach- und Videoanrufe beschrieben. (threema.com)

Pluspunkte (aus meinem Test)

  • Datenschutz-Feeling „aus einem Guss“ (weniger Plattform-Ökosystem-Charakter)
  • E2E-Anrufe, auch ohne Nummern-„Zwang“ (Threema-ID)
  • Für Familien praktisch, wenn man bewusst einen Standard setzen will

Minuspunkte

  • Kostenpflichtige App (einmalig), daher nicht für jeden Kontakt selbstverständlich
  • Reichweite: Nicht jeder hat Threema installiert, also manchmal Parallel-App nötig

4) Viber – stark für „App zu App“, zusätzlich Viber Out (gegen Geld)

Viber kann für internationale Gespräche spannend sein, weil du zwei Welten bekommst:

  • 1‑zu‑1 Calls sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt laut Viber-Hilfe. (help.viber.com)
  • Für Anrufe auf Festnetz/Mobilfunknummern gibt es Viber Out (kostenpflichtig), wobei die Kosten je Land/Nummerntyp variieren. (help.viber.com)

Pluspunkte (aus meinem Test)

  • Gute Option, wenn du „gratis App‑zu‑App“ und „zur Not auch echte Nummern“ willst
  • Transparente Hinweise, welche Kommunikationsarten E2E sind (und welche nicht)

Minuspunkte

  • Laut Viber sind Group Calls und Viber Out nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. (help.viber.com)
  • Preisstruktur für Viber Out ist je nach Zielland/Nummerntyp „dynamisch“ – du musst vorab nachsehen

5) Rebtel – wenn du wirklich „jedes Telefon“ erreichen willst

Rebtel ist für mich die pragmatische Lösung, wenn du Menschen ohne App anrufen musst (Festnetz, „normale“ Handy-Nummern). Rebtel erklärt, dass du Anrufe je nach Setup über Telefonleitungen, WLAN oder mobile Daten verbinden kannst. (rebtel.com Help) Rebtel beschreibt außerdem, dass es international optimiert, u. a. über lokale Leitungen, um Kosten zu senken. (rebtel.com)

Pluspunkte (aus meinem Test)

  • Du erreichst auch „klassische“ Nummern – das ist bei Messengern der große Unterschied
  • Verbindung kann über verschiedene Wege laufen (hilft, wenn Daten schlecht sind)
  • Reisefokus (z. B. „Travel Mode“ als WLAN-only, um Überraschungen zu vermeiden) (rebtel.com Help)

Minuspunkte

  • Nicht grundsätzlich kostenlos (Credits/Subscriptions je nach Ziel)
  • Je nach Verbindungsmodus können trotzdem Kosten beim Mobilfunkanbieter entstehen (z. B. wenn über Telefonleitungen verbunden wird) (rebtel.com Help)

Kostenfallen, die „Sparen“ schnell kaputt machen

Der häufigste Fehler ist nicht die App – es ist das Netz, in dem du sie nutzt.

  • EU-Reisen: Innerhalb der EU gilt „Roam like at home“ grundsätzlich, aber außerhalb kann Datennutzung schnell teuer werden. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor Kostenfallen – auch bei Messenger-Anrufen – und empfiehlt unterwegs oft WLAN zu nutzen. (verbraucherzentrale.de)
  • Nicht-EU-Reisen: VoIP bleibt VoIP – aber Daten sind dann das Risiko. Ein 20‑Minuten‑Call kann bei 1–1,5 MB/Minute schon spürbar am Datenpaket knabbern. (verbraucherzentrale.nrw)
  • Messenger-Calls sind Mainstream: Laut Bitkom schreiben 75 % über Messenger (z. B. WhatsApp/Telegram), wenn sie zum Geburtstag gratulieren – ein guter Indikator, wie normal diese Apps im Alltag geworden sind. (bitkom.org, 25.07.2025)
  • Mehr Plattformen, mehr Wege: WhatsApp testet inzwischen Voice-/Video-Calls im Browser (WhatsApp Web) – praktisch, wenn du am Laptop sitzt. (Android Central, 2026)

Fazit (kurz)

Wenn du internationale Telefonkosten wirklich drücken willst, ist die Faustregel simpel: App‑zu‑App über WLAN ist meist die günstigste VoIP-Variante, während Viber Out und Rebtel dann stark sind, wenn du auch ohne App auf der Gegenseite zuverlässig anrufen musst.


Quellen (Referenzen)