In 2024 konnten in Deutschland 32,2 % der Menschen „unerwartete finanzielle Ausgaben“ nicht aus eigenen Mitteln stemmen.[^1] Das ist genau der Moment, in dem ein Notgroschen (auch Liquiditätsreserve oder Emergency Fund) den Stress rausnimmt: Waschmaschine kaputt, Autoreparatur, hohe Nachzahlung – und du musst weder verkaufen noch leihen.
„Als Faustregel für die Höhe einer sofort verfügbaren Geldreserve werden von Expertinnen und Experten häufig drei Monatseinkommen empfohlen.“[^2]
Damit der Notgroschen nicht wie ein riesiges Projekt wirkt, hilft Round-Up‑Sparen: Jede Kartenzahlung wird auf den nächsten vollen Betrag aufgerundet, und die Differenz wandert automatisch in einen Spartopf. Du sparst also in Mini‑Beträgen – aber konsequent.
Was Round-Up‑Sparen (Aufrunden) praktisch bedeutet
So läuft es in der Praxis ab:
- Du aktivierst eine Aufrundungs‑Funktion in deiner Banking‑App.
- Bei jeder Kartenzahlung wird aufgerundet (z. B. auf den nächsten Euro, manchmal auch 5 € oder 10 €).
- Die „Cent‑Differenz“ wird automatisch in einen Spartopf / ein Unterkonto / einen Space geschoben.
Ein Mini‑Beispiel zum Gefühl dafür:
Wenn du im Monat 60× mit Karte zahlst und im Schnitt 0,35 € aufgerundet werden, sind das rund 21 € pro Monat – ohne dass du je „extra“ sparen musst.
Warum das gerade gut funktioniert (Trend-Check)
Deutschland spart insgesamt zwar viel: Laut Destatis lag die Sparquote saisonbereinigt im 1. Halbjahr 2025 bei 10,3 %; das entspricht rechnerisch im Schnitt knapp 270 € pro Monat je Einwohner:in.[^3] Gleichzeitig zeigt der Alltag: Für viele Haushalte ist Sparen unregelmäßig oder wird „wegoptimiert“, sobald etwas dazwischenkommt. Genau hier passt Round-Up‑Sparen: klein, automatisch, wiederholbar.
Und die Apps entwickeln sich weiter: Statt nur „Aufrunden“ gibt’s immer öfter Multiplikatoren, Sparregeln (z. B. Überschuss wegpacken) oder Zieltöpfe, die den Notgroschen sichtbarer machen.
5 Round-Up‑Apps, die als Notgroschen-Lösung taugen
Wichtig vorweg: Ich bewerte hier vor allem das, was du im Alltag merkst – Einrichtung, Transparenz, Steuerbarkeit. Details wie Konditionen/Verfügbarkeit können sich ändern; die verlinkten Hersteller‑Infos in den Quellen sind der beste Prüfpunkt.
1) C24 Bank (Aufrundungsregel + Pocket-Ziel)
So wirkt es im Alltag: Du legst ein Pocket als „Notgroschen“ an und stellst eine Aufrundungsregel ein. C24 kann auf den nächsten Euro, auf 5 € oder 10 € aufrunden.[^4]
Konkretes Beispiel aus der Hilfe: Kaufst du eine Brezel für 0,80 €, werden 0,20 € zusätzlich ins Ziel‑Pocket gebucht.[^4]
Pros
- Flexible Aufrundungsstufen (1/5/10 €).[^4]
- Sehr „Notgroschen‑tauglich“, weil du ein eigenes Ziel‑Pocket nutzen kannst.[^5]
- Du kannst Regeln bearbeiten oder löschen, ohne das ganze Setup neu zu bauen.[^4]
Cons
- Aufrundung erfolgt erst, wenn die Kartenzahlung nicht mehr „vorgemerkt“ ist (fühlt sich minimal verzögert an).[^4]
- Quelle und Ziel müssen getrennt sein (logisch, aber ein extra Pocket ist Pflicht).[^4]
2) ING (Kleingeld Plus)
So wirkt es im Alltag: „Kleingeld Plus“ rundet Kartenzahlungen automatisch auf – und schiebt den Rundungsbetrag aufs Extra‑Konto.[^6] Du kannst auswählen, ob auf den nächsten vollen Euro oder auf die nächsten 5 € aufgerundet wird.[^6]
Pros
- Sehr einfache Logik: Aufrunden → Extra‑Konto, fertig.[^6]
- Wahl zwischen „sanft“ (1 €) und „schneller“ (5 €).[^6]
- Passt gut, wenn du den Notgroschen klassisch auf Tages-/Extrakonto sammeln willst.[^2]
Cons
- Weniger „Spielwiese“ als bei Neobanken (z. B. weniger Regel‑Varianten als „nur Aufrunden“).
- Wenn du selten mit Karte zahlst, läuft’s naturgemäß langsamer.
3) N26 (Round-Ups in Spaces)
So wirkt es im Alltag: Du aktivierst Round-Ups in einem Space. Jede Kartenzahlung wird auf den nächsten Euro aufgerundet, die Differenz landet im Space.[^7]
Beispiel aus der N26‑Beschreibung: Croissant für 1,60 € → auf 2,00 € gerundet → 0,40 € in deinen Space.[^7]
Pros
- Sehr klarer „Notgroschen‑Topf“ über Spaces.[^7]
- Funktioniert am besten, wenn du viel über die N26‑Karte bezahlst (dann sammelt es sich „von allein“).[^7]
- In der Logik leicht zu kontrollieren: an/aus pro Space.[^7]
Cons
- Reines Aufrunden bleibt klein – ohne Multiplikator kann’s sich anfangs langsam anfühlen.
- Du musst konsequent die Karte nutzen, damit es wirklich „nebenbei“ wächst.[^7]
4) Revolut (Spare Change Round-Ups in Pockets/Vaults)
So wirkt es im Alltag: Revolut rundet Transaktionen auf ganze Beträge und überweist die Differenz automatisch in ein ausgewähltes Pocket bzw. Savings Vault.[^8] Praktisch ist, dass du Round-Ups beschleunigen kannst (Multiplikator bis x10).[^8]
Pros
- Multiplikator‑Option macht aus Centbeträgen schneller echte Beträge.[^8]
- Ziel flexibel (Pocket oder Savings Vault).[^8]
- Besonders angenehm, wenn du viele kleine Alltagszahlungen hast (ÖPNV, Kaffee, Snacks).
Cons
- Round-Up‑Regeln können je nach Währung unterschiedlich sein (relevant bei Ausgaben in Fremdwährung).[^8]
- Wer „Notgroschen = super schlicht“ will, könnte die vielen Optionen als Overkill empfinden.
5) bunq (Auto Round Up / AutoSave)
So wirkt es im Alltag: bunq rundet Zahlungen auf den nächsten Betrag auf und legt die Differenz zurück; du kannst auch höhere Rundungen wählen (z. B. €2 oder €5).[^9]
Konkretes Beispiel aus bunq: Zahlung €19,48 → Differenz €0,52 wird gespart.[^9] Außerdem ist möglich, das Aufgerundete nicht nur zu sparen, sondern auf Wunsch automatisch (z. B. wöchentlich) zu investieren – wenn du das willst.[^9]
Pros
- Wahl zwischen mehreren Rundungsstufen (1/2/5).[^9]
- Sehr automationsstark: sparen oder (optional) investieren.[^9]
- Gut, wenn du Notgroschen und „kleines Nebenbei‑Investieren“ strikt trennen willst (zwei Ziele, zwei Regeln).
Cons
- Auto Round Up ist an bestimmte bunq‑Pläne gebunden.[^9]
- Investment‑Optionen sind nichts für den eigentlichen Notgroschen (der soll sofort verfügbar und risikoarm sein).[^2]
Mini-Checkliste: So bleibt Round-Up‑Sparen wirklich „Notgroschen“
- Notgroschen getrennt halten: eigenes Unterkonto/Space/Pocket nur für Notfälle.[^2]
- Regel eher konservativ starten: erst auf 1 € aufrunden; später erhöhen, wenn’s locker bleibt.
- Nicht zu viele Ziele parallel: Round-Up zuerst nur für den Notgroschen nutzen, bis ein Grundpolster steht.
Fazit
Round-Up‑Apps sind kein Zaubertrick – aber sie sind ein sehr guter Hebel, wenn du einen Notgroschen ohne „Sparstress“ aufbauen willst: automatisch, klein genug fürs Gewissen, aber konstant genug, um mit der Zeit spürbar zu werden.
Quellen
[^1]: Statistisches Bundesamt (Destatis), EU – Social issues and living conditions: Inability to face unexpected financial expenses (2024) (Stand: 06 May 2025). https://www.destatis.de/Europa/EN/Topic/Key-indicators/SocialIssuesLivingConditions.html
[^2]: BaFin, Grundregeln der Geldanlage – Rücklagen für den Notfall bilden (Faustregel: drei Monatseinkommen; geeignete Anlage: Spar-/Tagesgeld). https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/GeldanlageWertpapiere/Grundregeln_der_Geldanlage/Grundregeln_der_Geldanlage_node.html
[^3]: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. N059 vom 28. Oktober 2025, Sparquote in Deutschland mit 10,3 % im 1. Halbjahr 2025 …; knapp 270 Euro pro Monat je Einwohner:in. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_N059_81.html
[^4]: C24 Bank Hilfe Center, Wie funktioniert die Aufrundungsregel? https://hilfe.c24.de/hc/de/articles/4403948956306-Wie-funktioniert-die-Aufrundungsregel
[^5]: C24 Bank, Sparziele durch Sparregeln automatisch erreichen (Aufrunden; Sparregeln‑Überblick). https://www.c24.de/sparregeln
[^6]: ING, Kleingeld Plus – Cents zu Euros machen (Aufrunden auf 1 € oder 5 €; Transfer aufs Extra‑Konto). https://www.ing.de/banking/online-banking/kleingeld-sparen/
[^7]: N26 Blog, Save your spare change automatically with Round-Ups (Aufrunden auf den nächsten Euro; Beispiel 1,60 € → 0,40 €). https://n26.com/en-de/blog/save-your-spare-change-automatically-with-round-ups
[^8]: Revolut Help Centre, How do spare change round ups work? (Round-Ups; Multiplikator bis x10). https://help.revolut.com/en-US/help/app-features/vaults/how-do-spare-change-round-ups-work/
[^9]: bunq Help Center, How can I enable Auto Round Up? (Rundungsstufen; Beispiel 19,48 € → 0,52 €; optional sparen oder investieren). https://help.bunq.com/articles/how-do-i-enable-autosave-for-my-savings-account



