Standby ist kein Mini-Problem. Laut co2online verschwenden deutsche Haushalte jedes Jahr rund 12 Milliarden Euro durch unnötigen Stromverbrauch, insgesamt wären 30 Milliarden kWh Einsparung möglich (co2online, 13.05.2025). Noch greifbarer: In einem durchschnittlichen 2-Personen-Haushalt in einer Wohnung können durch Standby laut co2online 210 kWh, rund 84 Euro und 85 kg CO2 pro Jahr zusammenkommen (co2online).

„Fast zwei Drittel unserer Nutzerinnen und Nutzer geben an, dass sie noch Strom sparen können – sie wissen nur nicht immer, wie“
— Tanja Loitz, co2online (Quelle)

Genau da sind Smart-Plug-Apps praktisch: Sie zeigen dir, welches Gerät wie viel zieht, lassen dich Zeitpläne anlegen und können manche Stromfresser sogar automatisch abschalten, sobald nur noch Standby läuft.

Was Smart-Plug-Apps gegen Standby überhaupt bringen

Eine smarte Steckdose misst je nach Modell den aktuellen Verbrauch in Watt und oft auch den Gesamtverbrauch in kWh. Die passende App macht daraus alltagstaugliche Funktionen:

  • Live-Verbrauch prüfen
  • Stromkosten grob hochrechnen
  • Zeitpläne und Timer setzen
  • Geräte aus der Ferne ausschalten
  • Routinen und Automationen erstellen
  • bei einigen Systemen: automatisch abschalten, wenn nur noch Standby erkannt wird

Wichtig ist dabei: Nicht jede App kann alles. Manche sind besonders stark bei Energie-Daten, andere bei Datenschutz, andere bei Automationen oder Matter-Kompatibilität.

1. Tapo

Die Tapo-App ist für viele Haushalte ein einfacher Einstieg, weil TP-Link bei den passenden Steckdosen die Energieüberwachung in Echtzeit direkt integriert. Offiziell nennt Tapo für die P110 ausdrücklich: „Überwachen Sie den Stromverbrauch und den Energieverbrauch in Echtzeit über die Tapo-App“ (Tapo P110).

Im Vergleich wirkt Tapo besonders praktisch, wenn du einfach sehen willst, ob Fernseher, Spielkonsole, Router-Ecke oder Kaffeemaschine unnötig mitlaufen. Dazu kommen Zeitpläne, Timer, Fernzugriff und Familienfreigabe.

Vorteile

  • sehr einfacher Einstieg
  • Live-Verbrauch direkt in der App
  • Timer und Zeitpläne sind schnell angelegt
  • gut für Familien, weil Gerätefreigabe integriert ist

Nachteile

  • die stärksten Energiesparfunktionen hängen vom jeweiligen Steckdosenmodell ab
  • eher App-first, weniger datensparsam als lokale Systeme
  • für sehr komplexe Automationen nicht so flexibel wie Shelly

2. Shelly Smart Control

Wenn du tiefer in deinen Stromverbrauch einsteigen willst, ist Shelly Smart Control eine der spannendsten Lösungen. Shelly beschreibt selbst ein Consumption Panel mit Übersicht über den aktuellen und gesamten Energieverbrauch sowie nach Gerätetyp oder Einzelgerät. Außerdem lassen sich laut Shelly regionale Tag-/Nacht-Tarife hinterlegen, um Ausgaben besser einzuschätzen (Shelly Smart Control).

In der Praxis ist das die App für Leute, die nicht nur ausschalten, sondern verstehen wollen, wo der Strom hingeht. Gerade bei Waschmaschine, Trockner, Homeoffice oder Küchengeräten ist das nützlich.

Vorteile

  • sehr starke Verbrauchsauswertung
  • gute Dashboards
  • flexibel bei Szenen und Automationen
  • sinnvoll, wenn du mehrere Geräte oder Räume gleichzeitig optimieren willst

Nachteile

  • für Einsteiger etwas technischer
  • nicht jede Funktion ist auf jedem Shelly-Gerät verfügbar
  • die Oberfläche ist funktional, aber weniger simpel als Tapo

3. Eve

Eve ist stark, wenn du Wert auf Datenschutz, Matter und Plattform-Offenheit legst. Auf der deutschen Produktseite zu Eve Energy steht, dass du mit der kostenlosen Eve-App oder der Energiemessfunktion deiner Plattform den Stromverbrauch verfolgen kannst und deinen Strompreis hinterlegen kannst (Eve Energy). Eve betont außerdem, dass das System ohne Hersteller-Cloud oder Registrierung arbeitet (Eve für Android, 14.05.2024).

Das ist gerade für Haushalte interessant, die Smart Home wollen, aber keine Lust auf noch ein Cloud-Konto haben. Zusätzlich ist Eve bei Matter gut aufgestellt. Das passt zum aktuellen Trend: Geräte sollen nicht mehr nur in einer App funktionieren, sondern auf mehreren Plattformen parallel.

Vorteile

  • starker Datenschutzansatz
  • gute Einblicke in Verbrauch und Protokolle
  • Matter-kompatibel und plattformübergreifend gedacht
  • gut für Apple-, Google- und SmartThings-nahe Haushalte

Nachteile

  • abhängig von passender Steuerzentrale für die jeweilige Plattform
  • weniger „billig und schnell“ als klassische WLAN-Einsteigerlösungen
  • für rein einfache An/Aus-Nutzung fast schon etwas edel

4. Bosch Smart Home

Die Bosch Smart Home App ist interessant, wenn du Standby nicht nur überwachen, sondern gezielt automatisch kappen willst. Bosch beschreibt für den Zwischenstecker kompakt [+M] einen Energiespar-Modus, der Geräte abschaltet, sobald der Verbrauch für eine bestimmte Zeit unter einen frei definierbaren Schwellenwert fällt, zum Beispiel 1 bis 50 Watt für 1 Sekunde bis 30 Minuten (Bosch Smart Home).

Genau das ist für Standby-Kosten besonders relevant. Statt jeden Abend selbst alles auszuschalten, erkennt das System: Da läuft nur noch Restverbrauch, also Strom weg.

Vorteile

  • sehr starke Standby-Automatik
  • aktueller und gesamter Verbrauch werden angezeigt
  • gut ins Bosch-System eingebunden
  • spannend auch mit Balkonkraftwerk, weil Ertrag und Verbrauch erkannt werden können

Nachteile

  • im Bosch-Ökosystem am stärksten, dadurch weniger frei als universelle Lösungen
  • teurer Einstieg als manche WLAN-Steckdosen
  • volle Stärke erst im Gesamtsystem spürbar

5. Meross

Meross ist die pragmatische Lösung für Leute, die eine günstige, moderne Smart-Plug-App mit Matter und Energie-Monitoring suchen. Meross schreibt für den Matter Smart Plug MSS315, dass die App Echtzeitberichte und historische Daten zum Stromverbrauch liefert (Meross Official Store).

Im Vergleich gefällt hier vor allem die Mischung aus einfacher Einrichtung und Multi-Plattform-Idee. Wenn du nicht tief ins Smart Home einsteigen willst, aber trotzdem Verbrauchsdaten sehen möchtest, ist Meross ziemlich alltagstauglich.

Vorteile

  • Energie-Monitoring mit historischen Daten
  • Matter und Multi-Admin sind zukunftstauglich
  • einfache Einrichtung
  • gute Option für preisbewusste Haushalte

Nachteile

  • nicht so tief bei Analyse und Automationen wie Shelly
  • weniger auf Datenschutz positioniert als Eve
  • Funktionsumfang hängt deutlich vom konkreten Modell ab

Welche App für wen am besten passt

Wenn du vor allem einfach Stromfresser finden willst, ist Tapo die unkomplizierteste Wahl.

Wenn du genau analysieren willst, welche Geräte wann und wie viel verbrauchen, ist Shelly Smart Control am stärksten.

Wenn dir Datenschutz und Matter wichtig sind, passt Eve besonders gut.

Wenn du Standby automatisch abschalten willst, ist Bosch Smart Home die smarteste Speziallösung.

Wenn du preisbewusst startest und trotzdem Matter plus Verbrauchsdaten willst, ist Meross attraktiv.

Der Markt bewegt sich gerade in drei klare Richtungen:

  • Mehr Energiemessung statt nur Fernschalten
    Früher war die smarte Steckdose vor allem ein An/Aus-Gadget. Heute werben Hersteller sichtbar mit Live-Verbrauch, Historie und Kostenanzeige, etwa Tapo, Shelly, Eve und Meross (Tapo, Shelly, Eve, Meross).
  • Matter wird wichtiger
    Bosch, Eve und Meross positionieren ihre Steckdosen klar für plattformübergreifende Nutzung. Das ist sinnvoll, weil Familien heute oft nicht nur eine Sprachplattform nutzen.
  • Stromdaten werden im Haushalt wertvoller
    Seit 1. Januar 2025 kann jeder Haushalt in Deutschland den Einbau eines intelligenten Messsystems verlangen; laut Verbraucherzentrale kostet das bei bis zu 10.000 kWh Jahresverbrauch 40 Euro pro Jahr (Verbraucherzentrale). Auch wenn dynamische Tarife laut Verbraucherzentrale nicht für jeden normalen Haushalt ideal sind, wächst damit der Druck, den eigenen Verbrauch zeitlich und technisch besser zu verstehen.

Unterm Strich

Smart-Plug-Apps senken deine Stromrechnung nicht automatisch. Sie machen aber sichtbar, wo Standby wirklich Geld kostet, und sie nehmen dir das manuelle Ausschalten ab. Genau darin liegt ihr Wert: weniger Blindflug, mehr Kontrolle, weniger unnötiger Dauerverbrauch.

Quellen